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Samstag, 14.07.2018

Hartes Training für Super-Spürnasen

Die Löbauer Hundestaffel hat nur noch einen geprüften Rettungshund. Gebraucht wird nicht nur vierbeiniger Zuwachs.

Von Romy Altmann-Kühr

Pfote drauf: Mit ihren Hunden üben Katrin Scherf, Andreas Oertel, Christine König und Jons Anders (von links) zweimal pro Woche wie hier am Rotstein, damit sie anderen im Notfall helfen können. Die Tiere werden zu Rettungshunden ausgebildet, vornehmlich für die Suche von Vermissten.
Pfote drauf: Mit ihren Hunden üben Katrin Scherf, Andreas Oertel, Christine König und Jons Anders (von links) zweimal pro Woche wie hier am Rotstein, damit sie anderen im Notfall helfen können. Die Tiere werden zu Rettungshunden ausgebildet, vornehmlich für die Suche von Vermissten. 

© Matthias Weber

Löbau. Die Hunde Kurt, Keks und Eddy klettern furchtlos über schmale Holzbalken und wackelnde Bretter. Jons Anders und sein Vierbeiner Kurt trainieren zusammen oft auf dem etwas versteckten Gelände am Rotstein, der alte Schießplatz mit seinen Gerätschaften ist ein guter Übungsplatz dafür. Die Hundefreunde treffen sich regelmäßig zweimal pro Woche zum Üben.

Kurt ist ein Rettungshund. Derzeit der einzige geprüfte in der Löbauer Rettungshundestaffel vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Furchtlos muss er dafür tatsächlich sein, denn im Ernstfall ist es seine Aufgabe, zum Beispiel einen Vermissten im freien Gelände aufzuspüren. Die ausgebildeten Tiere wie Kurt kommen zum Beispiel dann zum Einsatz, wenn jemand vermisst wird, etwa ein dementer Senior verschwunden ist oder auch ein Kind. Das kommt auch in der Region immer wieder vor, berichtet Mike Schnitter vom Löbauer DRK. Er ist bei der Hilfsorganisation zuständig für die Koordination der Ehrenamtlichen, dazu gehört eben auch die Rettungshundegruppe.

2011 startete das DRK die Gruppe und das Training mit etlichen Interessenten und ihren Vierbeinern. Damit die Zukunft der Staffel gesichert ist, braucht sie nun aber dringend einen neuen Staffel-Leiter, sagt Mike Schnitter. Auch die Trainerin, die bis vor einiger Zeit mit den Hundefreunden übte, kann das aus persönlichen Gründen nicht mehr fortführen. Übergangsweise wurde zwar eine Leitung gewählt. Das ist aber keine Dauerlösung. Ideal wäre es, wenn der neue Interessent Hundeerfahrung hätte, so Schnitter. Der Staffel-Leiter muss Training und Übungen organisieren, Absprachen treffen. Einsätze sind zu koordinieren. „Und er ist natürlich die Schnittstelle zu uns, zum DRK“, so Mike Schnitter.

Dass Kurt derzeit der einzige geprüfte Rettungshund ist, der also offiziell an Sucheinsätzen teilnehmen darf, liegt auch daran, dass die Ausbildung einige Zeit dauert und anspruchsvoll ist. Zwei Jahre, so Mike Schnitter sollte man rechnen, bis der Hund wirklich einsatzbereit ist. Die Träger der Rettungshundearbeit in Sachsen haben sich Standards auferlegt, was die Hunde können müssen. Das wird abgeprüft, aller zwei Jahre muss die offizielle Prüfung aufgefrischt werden. Ein weiterer Grund ist, dass nicht alle Hunde, deren Halter gern aktiv mitarbeiten möchten, geeignet sind. Einer der Löbauer Rettungshunde kann beispielsweise nicht mehr zugelassen werden, weil er zu schwer ist. Bei den Prüfungen ist vorgegeben, erklärt Mike Schnitter, dass die Hunde auch über gewisse Strecken vom Besitzer oder anderen Helfern getragen werden müssen. Das kann zum Beispiel in unwegsamem Gelände notwendig werden, damit sie sich im Einsatz nicht verletzen. Und einen ausgewachsenen Berner Sennenhund mit 50 Kilogramm hebt man nicht problemlos.

Im Alter von höchstens sieben Jahren sollten die Hunde ihre erste Prüfung abgelegt haben. Denn im Alter wird der Einsatz für sie auch zu anstrengend. Ab wann sie aus dem Rettungsdienst in Rente gehen, ist individuell verschieden. Hundebesitzer Jons Anders erklärt: „Das kommt auch darauf an, wie fit der Hund noch ist.“ Deshalb werde auch aller zwei Jahre eine Wiederholungsprüfung fällig, um zu sehen, ob das Tier die Leistung noch bringt. „Denn im Ernstfall draußen geht es ja um Menschenleben“, so Anders. Sein Kurt ist sechs Jahre alt und hat bereits zum dritten Mal die Prüfung erfolgreich bestanden. Mike Schnitter vom DRK ermutigt Interessenten, sich weiterhin für die Rettungshundearbeit zu melden, damit künftig wieder mehr einsatzbereite, ausgebildete Hunde zur Verfügung stehen. Pauschal Rassen ausschließen möchte Mike Schnitter dabei nicht. Wer Interesse hat, sollte im Training ausprobieren, ob sich sein Hund eignet. Nach etwa einem halben Jahr sollten gewisse Grundzüge erkennbar sein. „Generell sind es aber immer agile Hunde, die aufgeweckt, dynamisch und für die Arbeit zu begeistern sind“, erzählt Schnitter. Auch für Hundebesitzer, die einen älteren Hund haben, der nicht mehr im Rettungsdienst mitarbeiten kann, kann das dennoch interessant sein, so Schnitter. Sie können zum Beispiel als Helfer tätig werden oder bekommen vielleicht Lust, später mit einem neuen Hund in den Rettungsdienst mit einzusteigen.

Aktuell sind zehn Ehrenamtliche – mit und ohne Hund – in der Rettungshundearbeit beim DRK Löbau tätig. Fünf Hunde sind derzeit in der Ausbildung, Keks ist zum Beispiel Anwärter für die nächste Prüfung. Die Tiere werden vorrangig für die sogenannte Flächensuche geschult. Das heißt, sie suchen im Gelände nach Vermissten. „Sie spüren keinen speziellen Menschen auf, etwa mit einer Geruchsprobe, sondern Personen im Allgemeinen“, erklärt Mike Schnitter. Helfer ohne Hund werden ebenso gebraucht. Sie können beim Training oder im Einsatz assistieren. Sie müssen zum Beispiel organisatorische Aufgaben übernehmen, bei der Suche Karten lesen oder im Ernstfall medizinische Hilfe leisten. Zu solchen Ernstfällen ist die Löbauer Rettungshundegruppe im vorigen Jahr 30 -mal gerufen worden.

Kontakt über die Geschäftsstelle des DRK Löbau:  03585 850980 oder ehrenamt@drk-loebau.de

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