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Samstag, 13.01.2018

Handwerk vor neuer Blüte?

Lernende Maschinen, Roboter, künstliche Intelligenz: Viele Arbeitsplätze schwinden, aber der Bedarf an neuen Dienstleistungen wächst. Eine Chance für das Handwerk - von Bier bis Zahnprothese.

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Genf. Im Zeitalter der Digitalisierung in der industriellen Massenproduktion kann eine Rückbesinnung auf das Handwerk den Arbeitsmarkt nachhaltig beleben. Zu diesem Schluss kommt Irmgard Nübler von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). „Man kann eine steigende Nachfrage nach maßgeschneiderten und individualisierten Gütern und Dienstleistungen sehen“, sagte die Volkswirtin der Deutschen Presse-Agentur.

Deutschland, die Schweiz und Österreich seien dafür gut aufgestellt. „Die Weiterentwicklung des traditionellen Lehrlingssystems in ein modernes duales System mit Ausbildung in Betrieb und Berufsschule hat maßgeblich dazu beigetragen, das Handwerk hier mehr als in anderen Ländern zu erhalten“, sagte Nübler.

„Die Menschen wollen weniger Industrienahrung und Massenkleidung“, sagte Nübler. Als Beispiel nennt sie die Zunahme von Mikrobrauereien, während der Bierkonsum insgesamt rückläufig sei. In einer alternden Gesellschaft werde auch die Nachfrage nach maßgeschneiderten Produkten im Gesundheitsbereich rapide steigen, etwa in der Orthopädie, Zahntechnik und Pflege.

„Man muss sich das natürlich auch leisten können“, sagt Nübler. Deshalb sei eine Umverteilung wichtig, damit die Kaufkraft für solche Produkte entstehe, etwa durch steigende Löhne der unteren und mittleren Einkommensschichten. „Wir brauchen mehr soziale Gleichheit“, forderte Nübler. Zudem könnten Einnahmen aus mehr Steuern auf höhere Einkommen gezielt zur Förderung von Start-ups im Handwerk und von kreativen Kleinunternehmern verwendet werden.

Hier werde die Digitalisierung selbst einen wichtigen Beitrag leisten, ist Nübler überzeugt: auch das Handwerk und Kleinunternehmer machten sich neue Technologien zunutze, um individuelle Lösungen zu niedrigeren Preisen anbieten zu können. In der Schweiz setzten Möbelbauer etwa Miniroboter (collaborative robots) ein, um den Preis individuell angefertigter Stücke deutlich zu drücken.

Nübler hält Warnungen vor einer „Zukunft ohne Arbeit“ für falsch. Veränderungen in der Gesellschaft durch neue Technologien habe es immer gegeben, und sie brächten immer auch neue Ansprüche hervor, die Arbeitsplätze schafften. „Dieser Wandel wird nur gelingen, wenn die hohen Produktivitätsgewinne, die mit den neuen Technologien erzielt werden, sich nicht in den den Händen weniger konzentrieren, sondern mit den Arbeitern, Konsumenten, kreativen Unternehmern und Handwerkern geteilt werden.“ (dpa)

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