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Montag, 18.12.2017

Hand in Hand ins bayrische Paradies

Bei der Nominierung von Markus Söder und der Wiederwahl von Horst Seehofer findet die CSU zu ihrer Einheit zurück.

Von Paul Kreiner, Nürnberg

Horst Seehofer (li.) bleibt CSU-Parteichef und gratuliert Markus Söder zur Nominierung als Spitzenkandidat der Partei bei der Landtagswahl im Herbst 2018.
Horst Seehofer (li.) bleibt CSU-Parteichef und gratuliert Markus Söder zur Nominierung als Spitzenkandidat der Partei bei der Landtagswahl im Herbst 2018.

© dpa

Spätestens um kurz vor halb zwei an diesem Samstag Mittag steht fest: Die Inszenierung ist gelungen, die CSU startet in das, was Horst Seehofer gleich als ganz „neue Ära“ bezeichnet hat, die Doppelspitze ist installiert. Markus Söder, frisch zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Herbst gekürt, bittet den kurz zuvor als Parteichef bestätigten Seehofer zu sich auf die Bühne. Sie fassen sich gar an der Hand und recken sie gemeinsam in Siegerpose hoch. So viel Gemeinsamkeit war nie zwischen den beiden Rivalen, und durch die Messehalle in Nürnberg rauscht ein Beifall der Erleichterung.

Söder hat eine gut halbstündige Wahlrede gehalten und von den gut 800 Delegierten deutlich mehr Beifall erhalten als Seehofer für seine fast doppelt so lange Amtsbilanz zuvor. 2008, sagt Seehofer, als er Ministerpräsident geworden sei, da habe er Bayern als Vorstufe zum Paradies beschrieben. „Heute kann man uneingeschränkt sagen, Bayern ist das Paradies!“. Söder widerspricht natürlich nicht. Aber er sagt: „Auch in Bayern ist nicht alles Glitzer und Glamour. Der bayerische Zug darf nicht dauernd Volldampf fahren, er muss auch mal langsamer machen, um die Leute wieder einsteigen lassen, die sich abgehängt fühlen. Die gehören dazu.“

Aber es ist auch bei Seehofer deutlich: Die CSU will sich im Wahlkampf als Partei der kleinen Leute darstellen. Die wirtschaftlich blendenden Zahlen Bayerns, gibt Seehofer zu, seien nicht alles: Die Menschen hätten auch andere Sehnsüchte und Ängste: Rente, Pflege, Lebensunterhalt bei ständig steigenden Mieten. Und Söder springt bei: Lasst uns darüber die Einheimischen nicht vergessen!

Und als sie Söder dann offiziell zum nächsten Ministerpräsidenten nominieren – im Frühjahr wird ihm Horst Seehofer das Amt übergeben, im Oktober sind Landtagswahlen – da findet die Nürnberger Messehalle dann tatsächlich zu der „legendären“ Einheit, die man bei der CSU in den letzten Wochen eher verzweifelt herbeibeschworen hat: Gegen Söder heben sich nur vier Arme. Seehofer hingegen muss sich 83,7 Prozent zufriedengeben. Zuvor hatte er Söder und der Partei versprochen, in Berlin werde „mit der SPD nichts vereinbart, was unseren Landtagswahlkampf erschwert oder beschädigt.“ Bayern, so Seehofer, „kommt für uns immer zuerst.“

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