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Donnerstag, 08.11.2018

Halli Galli bei Flotti Karotti

Die Grundschüler sind im Spielfieber. Dabei bleibt der Computer aus. Es geht um Gesellschaftsspiele und vor allem um mehr Zeit für Kinder.

Von Heike Heisig

Praktikant Tom spielt mit den Leisniger Grundschülern Liz, Leon und Finja (von links) Pharao. Das passiert nicht im Unterricht, sondern während eines Ganztagsangebotes. Die Gesellschaftsspiele sollen zeigen, dass es außer Computer und Handy noch andere Beschäftigungsmöglichkeiten gibt – auch in Familie. Deshalb ist für Januar ein Spielenachmittag mit Eltern geplant.
Praktikant Tom spielt mit den Leisniger Grundschülern Liz, Leon und Finja (von links) Pharao. Das passiert nicht im Unterricht, sondern während eines Ganztagsangebotes. Die Gesellschaftsspiele sollen zeigen, dass es außer Computer und Handy noch andere Beschäftigungsmöglichkeiten gibt – auch in Familie. Deshalb ist für Januar ein Spielenachmittag mit Eltern geplant.

© André Braun

Leisnig. Wer kann sich noch an den letzten Spieleabend mit der Familie oder Freunden erinnern? Bei manchen dürfte der schon eine Weile her sein. Nicht so bei den Viertklässlern der Sigismund-Reschke-Grundschule. Sie hatten über die Herbstferien den Auftrag, eines von 100 neuen Spielen mit nach Hause zu nehmen und mit Eltern, Geschwistern oder Freunden auszuprobieren. Holly (9) aus Tragnitz hat unter anderem mit ihrem Vater und ihrer Cousine (18) Flotti Karotti gespielt. Dabei stellt eine sprechende Möhre Aufgaben, die der Spielerkreis erfüllen muss. Hüpfen oder auf Händen und Füßen laufen sind nur zwei der Herausforderungen. Wer am Ende die meisten Karotten-Chips gesammelt hat, gewinnt. So fasst Holly das Spiel kurz zusammen. „Es hat viel Spaß gemacht“, so ihre Einschätzung. Empfehlen würde sie es vor allem jüngeren Kindern, „weil die noch gelenkiger sind“, so ihre Begründung.

Flotti Karotti ist eines von 44 verschiedenen Spielen, die die Grundschule von der Initiative „Mehr Zeit für Kinder“ bekommen hat. Insgesamt 100 Spiele umfasste das Paket, weil von einigen mehrere Exemplare dabei waren. Auch viele Genres werden bedient. Welche, die die Sprachbildung fördern, sind genauso darunter wie Jenga, bei dem es um Geschicklichkeit geht. Aber auch Englisch-Lernspiele und Experimentierkästen haben die Kinder bekommen.

Nun kam dieses Geschenk gerade recht, weil sich die Viertklässler im Unterricht mit dem Thema Gesellschaftsspiele beschäftigen. Deshalb die Testaufgabe über die Ferien. Aber auch das Ganztagsangebot (GTA) „Gesellschaftsspiele“ profitiert von den vielen neuen Spielen. „Es wird von Lehrerin Elke Fischer betreut“, erzählt Schulleiterin Therese Bretschneider. Zehn Zweit- bis Viertklässler kommen jeden Mittwoch für knapp eine Stunde im GTA zum Spielen zusammen. Die Spielpartner finden sich beinahe ohne Worte. Rasch sind alle Utensilien ausgepackt. Wenn einer in der Runde das Spiel schon kennt, ist das ideal. „Vorige Woche haben wir gemerkt, dass es mühselig ist, wenn es für alle neu ist. Dann haben wir fast die gesamte Stunde dafür gebraucht, uns die Regeln zu erarbeiten“, sagt Elke Fischer. Auch sie selbst hat großen Spaß, die Schüler beim Spielen anzuleiten und zu beobachten. Einige der Spiele setzt sie sogar beim Förderunterricht ein. Bei ihr lernen Mädchen und Jungen, sich besser zu konzentrieren.

„Damit wir den großen Fundus an Spielen jetzt nicht nur für das GTA nutzen, wollen wir auf dem Flur einen Schrank einrichten, aus dem sich die Kinder bei Regenwetter oder morgens vor dem Unterricht ab 7 Uhr bedienen und spielen können“, sagt die Schulleiterin. Außerdem wolle die Schule einige Spiele dem Hort zur Verfügung stellen, „mit dem wir gut zusammenarbeiten“, so Therese Bretschneider.

Aber auch dabei soll es nicht bleiben. Im Januar bekommt das Team der Grundschule Unterstützung durch zwei Zehntklässler des Martin-Luther-Gymnasiums. „Mit den beiden möchte ich gemeinsam einen Eltern-Kind-Spielenachmittag organisieren“, kündigt die Schulleiterin an. Sogar der Termin dafür steht schon fest. Das wird der 25. Januar sein. Sie wünscht sich, dass sie die Mütter und Väter bei dieser Gelegenheit dazu animieren kann, mal wieder oder häufiger zum Gesellschaftsspiel zu greifen. „Ich denke, in den meisten Familien passiert das eher selten“, so die Schulleiterin. Ihr Sohn ist erst vier Jahre alt. Trotzdem sei ein Spiel bei jedem Geschenk dabei.

Für die Zukunft wünscht sich Therese Bretschneider, dass sich jemand findet, der das GTA „Gesellschaftsspiele“ übernimmt. Elke Fischer geht in absehbarer Zeit in Rente. Trotzdem soll es das Angebot weiter geben. Von den zwölf GTA an der Grundschule wird ein Teil auch von Außenstehenden geleitet. Dafür gibt es ein Honorarbudget.

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