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Dienstag, 09.10.2018

Hängebrücken, Regenbögen und Blutegel

15 Görlitzer Schüler reisen durch Nepal. Erste Station war Kathmandu. Jetzt geht es durchs Gebirge weiter nach Pelmang. Zu Fuß.

Von Susanne Sodan

Auf dem Bild sind die Schülerinnen und Schüler noch in Kathmandu zu sehen. Sie stehen vor einer Stupa im Zentrum der nepalesischen Hauptstadt. Inzwischen sind sie am Wandern.
Auf dem Bild sind die Schülerinnen und Schüler noch in Kathmandu zu sehen. Sie stehen vor einer Stupa im Zentrum der nepalesischen Hauptstadt. Inzwischen sind sie am Wandern.

© privat

Ihren Humor haben die Jugendlichen noch nicht verloren. „Im Jeep durch das Himalaya zu fahren ist irgendwie auch ein bisschen wie passives Trampolinspringen“, schreiben sie in ihrem Blog, eine Art Tagebuch im Internet. Dort ist auch folgende Feststellung zu finden: „Wir blinken, die Nepalesen hupen.“ Diese Einträge sind entstanden, als die Schuler die nepalesische Hauptstadt Kathmandu verlassen haben. Es ging weiter ins Gebirge, Richtung Pelmang. Dort wollen die Schüler ihre Paten kennenlernen, das Leben im Dorf, die beiden Schulen, die Traditionen.

Vor über einer Woche sind die 15 Schülerinnen und Schüler des Augustum-Annen-Gymnasiums Görlitz, drei Lehrer und eine Ärztin nach Nepal aufgebrochen. Eine Reise, die sie mehrere Jahre vorbereitet haben. Bereits seit der fünften Klasse stehen die Schüler in Kontakt mit Jugendlichen des Dorfes Pelmang, vor allem durch Brieffreundschaften. Erste Station ihrer Reise war Kathmandu. Die Stadt haben sie vorigen Mittwoch verlassen.

Zunächst ging es mit vier Jeeps in Richtung Pelmang. Mit dem Auto ging es aber nur für einen Tag weiter. Denn den größten Teil des Weges werden die Schüler zu Fuß hinter sich bringen. „Jetzt wird es sich erbarmungslos zeigen, ob der Tagesrucksack alles enthält, was man benötigt, ob er nicht zu schwer ist“, schreiben die Schüler am Donnerstag, „ob das Fitness-Vorbereitungsprogramm von zu Hause angeschlagen hat und sonst alle Erwartungen mit der Realität übereinstimmen.“ Was sie vorher wussten und worauf sie sich eingestellt haben, ist das wechselhafte Wetter. Nebel, Regen, rutschige Hänge, kurz darauf doch wieder Sonnenschein. Worauf sich die Schüler gefreut haben: die Aussichten im Himalaya- Gebirge. Manchmal, schreiben sie, komme ihnen das Laufen vor wie bei ihren Vorbereitungen im Riesengebirge oder in der Sächsischen Schweiz. „Sieht man sich allerdings um – die Menschen, Pflanzen, Häuser … dann merkt man, wir sind im Himalaya – dem höchsten Gebirge der Erde!“ Woran man sich dort dagegen wohl erst gewöhnen muss: die Hängebrücken beispielsweise. Ziemlich aufregend muss der rund 30 Meter lange, aber wohl recht wackelige Weg über eine Hängebrücke am Milky River gewesen sein.

Worauf man sich wahrscheinlich nicht einstellen kann und woran man sich wohl nie gewöhnen wird: Blutegel. Mit denen machten die Schüler am Freitagvormittag manche intensivere Bekanntschaft. Die Schüler schreiben aber dennoch unaufgeregt darüber. „Unsere Sorgen verflogen, als wir nach vierstündiger Wanderung endlich unser wohl verdientes und wiedermal nett angerichtetes Dal Bhat genießen konnten.“ Dal Bhat ist das Nationalgericht von Nepal.

Ganz auf sich gestellt sind die Schüler freilich nicht. Sie werden von Trägern begleitet. Denn für die Menschen in Pelmang haben sie rund 300 Kilogramm Sachen, die sie zuvor in Deutschland gesammelt haben, mitgenommen. Außerdem kennt sich Lehrerin Katrin Götz gut in Nepal aus, sie ist die Vorsitzende des Görlitzer Pelmang-Vereins. Ihre Tochter, eine Ärztin ist dabei. Und Macchindra, ein Bergführer aus Nepal, der die Schüler Ende August in Görlitz besuchte und sie nun größtenteils begleitet.

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