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Montag, 14.05.2018

Habeck und Klöckner nehmen Lindner in Schutz

Beim FDP-Parteitag spricht Christian Lindner über Fremdenangst in der Bäckerei-Schlange. Damit tritt er eine Debatte los. Die ist reichlich überzogen, meinen selbst politische Kontrahenten.

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Grünen-Chef Robert Habeck findet Lindners Ausführungen „dusselig“, der FDP-Chef sei aber kein Rassist.
Grünen-Chef Robert Habeck findet Lindners Ausführungen „dusselig“, der FDP-Chef sei aber kein Rassist.

© Soeren Stache/dpa

Berlin. Nach seinen Äußerungen über Fremdenangst im Alltag nehmen auch politische Gegner FDP-Chef Christian Lindner in Schutz. Grünen-Chef Robert Habeck bezeichnete Lindners Ausführungen als „dusselig“. Dessen Argumentation sei „schief“ und „falsch“, sagte er der „Bild“. Vom Vorwurf des Alltagsrassismus sprach er Lindner aber frei: „Christian Lindner ist kein Rassist. Da nehme ich ihn gegen jeden Verdacht in Schutz“, sagte Habeck.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner rief am Montag zur Mäßigung auf. „Ich finde, wir sollten auch die Kirche im Dorf lassen und jetzt nicht Herrn Lindner die Rassismus-Keule überziehen“, sagte die stellvertretende CDU-Vorsitzende am Rande einer Sitzung des Parteipräsidiums in Berlin.

Lindner hatte am Samstag auf dem FDP-Parteitag eine Anekdote beschrieben, die ihm ein Bekannter mit Migrationshintergrund erzählt habe. Da bestellt jemand beim Bäcker „mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen“ - und die Leute in der Schlange wüssten nicht, „ob das der hoch qualifizierte Entwickler Künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer“, sagte Lindner. Diese Unsicherheit könne Angst auslösen.

In sozialen Netzwerken wurde diese Äußerung teils als rassistisch gewertet, auch aus der SPD gab es Kritik. Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen bezeichnete die Diskussion als überzogen. Aber: „Schön, wenn nun einer wie Lindner, der uns von der AfD permanent und komplett zu Unrecht einer Fremdenfeindlichkeit und eines Rassismus zeiht, die uns vollkommen fremd sind, einmal selbst mit diesem unberechtigten Vorwurf konfrontiert wird“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff erklärte, Linder sei „von einigen missverstanden worden“. Er sagte zu „Bild“: „Er wollte sagen, dass in einem Land wie Deutschland mit guten rechtsstaatlichen Traditionen, dass alle das Gefühl haben sollten, dass sich alle auf der gleichen rechtlichen Grundlage der Gesetze hier befinden.“

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer sagte auf „NDR Info“, es gehe gerade darum, gut integrierte Einwanderer zu schützen. „Momentan erleben Migranten, die schon lange unter uns leben, die perfekt integriert sind, dass ihnen Misstrauen entgegengebracht wird, weil die Bevölkerung nicht mehr sicher sein kann, dass alle, die ins Land kommen einen legalen Aufenthaltstitel haben.“ Beer betonte, ihre Partei setze auf die Durchsetzungsfähigkeit des Rechtsstaats. „Wir brauchen faire und transparente Regeln, die gibt es im Einwanderungsrecht momentan nicht.“ (dpa)

So erklärt Lindner seine Bäcker-Anekdote:

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Dresden45

    Die gleiche Wortwahl von der AfD und die Leute wären sofort als Nazis bezeichnet worden (auch inzwischen von Herrn Lindner!!!9. Beide Reaktionen wären falsch. Weil die meisten einfachen Menschen derartige Aussagen bestätigen würden. Die gefühlte Sicherheit und das vom Staat vorgegebene Sicherheitsgefühl (Statistik!!!) liegen bei den meisten Menschen meilenweit auseinander.

  2. gt

    Was Herr Lindner gesagt hat, das kann man nur doppelt unterstreichen! Und bei den Leuten, die ihn dafür kritisieren, fragt man sich, auf welcher "Wolke 7" leben die eigentlich? Oder anders ausgedrückt, was nehmen die jeden Tag, um dann so einen Blödsinn von sich zu geben? Wenn Frauen sich nachts nicht mehr allein auf die Straße trauen oder nicht mehr allein mit der U-Bahn fahren wollen, wenn ein ehemals relativ ruhiger Hauptbahnhof in Dresden mit ständigen Polizeikontrollen überzogen werden muss, wenn es ständig Schlägereien, Messerstechereien u.s.w. gibt, dann muss es doch auch bei dem letzten Gutmensch mal "Klick" machen!

  3. Mario

    Es muss endlich mal UNTERSCHIEDEN werden zwischen Rassist (Definiton beachten!) und Leuten, welche einfach Angst vor einem Zusammenbruch des Sozial- sowie Rechtsstaates einschließlich Kontrollverlust aufgrund der unverhältnismäßig starken Zuwanderung haben.

  4. Menschenversteher

    Lassen wir die Keulen (von recht oder links) doch mal in der Ecke und schauen, worin das Dilemma unserer 'Politiker' parteiübergreifend besteht. Politiker aller coleur wollen zu allererst gewählt werden, ihre politischen Ambitionen richten sie dann leidenschaftslos je nach Wetterlage aus. D. h. der Politiker macht dem Wähler nicht etwa ein politisches Angebot, sondern versucht gewissermassen an der Bäckereitheke herauszufinden, mit welchen Ansichten er den gemeinen Wähler ködern kann, damit er ihm sein Stimmchen/Kreuzchen gibt. Gegen den Verwurf, Herrn Lindner verfolge eigenständig inhaltliche Ambitionen oder gar Überzeugungen nähme ich ihn sofort in Schutz.

  5. Manfred Hengst

    Was ist er den sonst, er unterscheidet sich mit dem Bäcker- Spruch nicht von der AFD oder will er nur am rechten Rand Stimmen fischen. Da wäre noch schlimmer dann hat er es bewusst gemacht. Oder will er gar die Ausländer die nicht Brötchen aussprechen könne kennzeichnen. Mir ist egal wer zustimmt , er ist einfach ein Populist

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