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Dienstag, 09.10.2018

Guter Start für Görlitzer Bereitschaftspraxis

Zwar entlastet sie die Notaufnahme des Klinikums nicht, doch können Patientenströme besser geleitet werden.

Von Daniela Pfeiffer

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Mit Hinweisschildern wird versucht, jeden Patienten zur richtigen Stelle zu lotsen.
Mit Hinweisschildern wird versucht, jeden Patienten zur richtigen Stelle zu lotsen.

© Klinikum Görlitz

So wird in der Notaufnahme groß auf die Bereitschaftspraxis hingewiesen, die nur wenige Schritte entfernt ist.
So wird in der Notaufnahme groß auf die Bereitschaftspraxis hingewiesen, die nur wenige Schritte entfernt ist.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Neben der eigenen Hausarzt-Praxis leitet Leonhard Großmann auch die Bereitschaftspraxis im Klinikum.
Neben der eigenen Hausarzt-Praxis leitet Leonhard Großmann auch die Bereitschaftspraxis im Klinikum.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Görlitz. Sonntags ist am meisten los. Das ist wenige Monate nach Eröffnung der Bereitschaftspraxis im Görlitzer Klinikum eine der ersten Erfahrungen. Tage mit riesigem Ansturm gab es noch nicht. Mal 20 bis 25 Patienten an einem Wochenende war das Maximum, sagt Leonhard Großmann, Ärztlicher Leiter der Bereitschaftspraxis.

Er ist zufrieden mit den ersten Monaten der Anfang Juli eröffneten Praxis, die die Bereitschaftsdienste der niedergelassenen Ärzte ersetzt und eine zentrale Anlaufstelle bildet. Und zwar in direkter Nähe zur Notaufnahme des Städtischen Klinikums. Viele Patienten kommen mit einfachen Dingen hierher, die ärztlicher Betreuung bedürfen, aber kein Fall für die Notaufnahme sind. Husten, Schnupfen, Fieber, auch mal Brustschmerzen. Oder man braucht einfach eine Krankschreibung am Wochenende, ein dringendes Rezept. Eine Überbrückung bis zum Hausarzt soll es sein.

Hand in Hand geht das seit Juli mit dem Team der Notaufnahme. Hin und wieder schickt der diensthabende Arzt der Bereitschaftspraxis einen Patienten die paar Schritte weiter in die Notaufnahme, mit einem Zettel in der Hand, damit man dort weiß, worum es geht. In dringenden Fällen begleitet der Arzt den Patienten auch schon mal zur Notaufnahme.

„Ich bin froh, dass wir die Praxis so nah bei uns haben“, sagt Dr. Mark Frank, der die Notaufnahme leitet. „Weil es ein gemeinsamer Anlaufpunkt für die Patienten ist, das ist grundsätzlich positiv.“ Eine echte Entlastung für die Notaufnahme sei die Bereitschaftspraxis dennoch nicht, denn die Praxis wirke wie ein Magnet auf die Menschen. „Wir haben akribisch analysiert, wie dringlich die Patienten sind und festgestellt: Nicht einmal die Hälfte sind medizinische Notfälle, wenn auch menschlich viele nachvollziehbar sind“, sagt er. Statistisch vier Patienten, die die Bereitschaftspraxis in die Notaufnahme schickt, steht ein einziger gegenüber, der gleich in die Notaufnahme gekommen ist, von hier aus aber in die Bereitschaftspraxis geschickt wird, weil er eher dorthin gehört. „Wir müssen uns das auch erst mal trauen, jemanden wegzuschicken, denn wirklich verbindlich wissen, was jemand hat, können wir erst nach der Untersuchung“, sagt Dr. Frank. Zumal die Notaufnahme mit dem Slogan wirbt: „Wir schicken niemanden weg.“ So gesehen ist es aber auch kein Wegschicken, sondern ein Umleiten zu einem anderen Arzt. Deshalb bewirke die neue Praxis, dass Patientenströme zielgerichteter und sinnvoller gelenkt werden.

Mehr Patienten, das kann freilich in der Notaufnahme schon mal längere Wartezeiten bedeuten. Hier werden die Patienten natürlich nicht nach der Reihenfolge behandelt, in der sie erschienen sind, sondern nach Dringlichkeit. Dafür teilt das Personal sie in vier Kategorien ein. Beide Anlaufstellen haben ein System, wonach schnellstmöglich erfasst werden kann, ob ein Patient etwas Lebensbedrohliches hat. Dazu dienen bestimmte Schlüsselfragen. Trotzdem variieren die Systeme von Bereitschaftspraxis und Notaufnahme, weshalb Dr. Frank eine gemeinsame Patientenaufnahme nicht gern hätte, die sich Dr. Großmann wiederum wünscht. „Wir haben einen sehr professionellen Ablauf, der etwas aufwendiger ist als der hausärztliche. Ich würde das ungern abspecken wollen“, sagt Dr. Mark Frank. Der Ablauf in der Notaufnahme ist eingespielt, wenn auch mancher Patient, der mehrere Stunden dort warten musste, das schwerlich glauben wird.

Wer mit Rückenschmerzen kommt, die er seit Wochen hat, dürfe nicht erwarten, vor den Patienten untersucht zu werden, die Notfälle sind. Die Anspruchshaltung der Menschen habe sich sehr geändert, sind sich Leonhard Großmann und Mark Frank einig. Die Leute hätten heute ganz schnell Angst, an einer lebensbedrohlichen Krankheit zu leiden – jeder Kopfschmerz ein Tumor, jede Atemnot ein Herzinfarkt. Trotzdem oder gerade deshalb sei oberstes Ziel, für die Patienten eine sichere Versorgung zu schaffen, bei der niemand durchs Raster fällt und nichts übersehen wird. Deshalb ist in der Notaufnahme auch ein großes Hinweisschild auf die Bereitschaftspraxis aufgestellt worden. Ebenso gibt es ein Schild auf dem Weg vom oberen Parkplatz zum Haupteingang des Klinikums. Darüber hinaus wurden unzählige Flyer verteilt.

In den vergangenen Monaten hatten auch die Ärzte Gelegenheit, sich gegenseitig besser kennenzulernen. Beide Seiten schätzen das. Und so mancher niedergelassene Facharzt, der skeptisch zum Dienst antrat, habe sich an die neue Situation schnell gewöhnt, meint der Medizinische Direktor des Klinikum, Eric Hempel. Wenn es auch manchmal Jahre her sei, so hätten doch alle eine allgemeinmedizinische Basis und ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Einige haben ihre Dienste an Kollegen abgegeben, das ist möglich.

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