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Donnerstag, 11.10.2018

Grünes Königshufen?

Die Wohnungsgenossenschaft WGG legt nach dem Abriss einer Häuserzeile einen neuen Rasen an. Ganz in der Nähe aber hat sie Ärger, weil sie jeden Halm beseitigt.

Von Ingo Kramer

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Die WGG hat diesen Rasen in der Hussitenstraße mähen lassen. Das Foto entstand danach. Vorher sah es aber genauso aus, sagt Mieter Peter Richter. Das Gras ist längst vertrocknet.
Die WGG hat diesen Rasen in der Hussitenstraße mähen lassen. Das Foto entstand danach. Vorher sah es aber genauso aus, sagt Mieter Peter Richter. Das Gras ist längst vertrocknet.

© privat

Noch haben die Baggerfahrer in Königshufen viel zu tun. 84 Wohnungen wurden am Alexander-Bolze-Hof 9 bis 21 abgerissen. Jetzt wird der Bauschutt abtransportiert. Anschließend soll hier eine Rasenfläche angelegt werden.
Noch haben die Baggerfahrer in Königshufen viel zu tun. 84 Wohnungen wurden am Alexander-Bolze-Hof 9 bis 21 abgerissen. Jetzt wird der Bauschutt abtransportiert. Anschließend soll hier eine Rasenfläche angelegt werden.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Görlitz. Das ging tatsächlich schnell: Die Wohnungsgenossenschaft WGG hat den Abriss der Wohnungen Alexander-Bolze-Hof 9 bis 21 abgeschlossen. Die letzten Mieter waren Ende vorigen Jahres ausgezogen. Nur etwas mehr als einen Monat hat es gedauert, jetzt sind die 84 Wohnungen weg. Alles sei nach Plan und ohne Probleme gelaufen. „Bis voraussichtlich Anfang November wird der Bauschutt abtransportiert“, sagt WGG-Vorstand Simone Oehme. Anschließend soll an der Stelle der Häuserzeile eine Rasenfläche angelegt werden.

„Nächstes Jahr werden wir im Innenhof den jetzt demontierten Spielplatz mit neuen Spielgeräten ausstatten“, sagt Simone Oehme. Er entsteht wieder da, wo er vorher war. Ob er größer wird als der alte, ist noch nicht klar: „Das kommt darauf an, für welche Spielgeräte wir uns entscheiden.“ Die Planung sei noch nicht abgeschlossen.

Der Abriss ist nicht die einzige Maßnahme der WGG in Königshufen in diesem Jahr. Die Strangsanierung in der Schlesischen Straße 71 bis 75 sei ebenfalls abgeschlossen, sagt Simone Oehme: „Betroffen waren hier insgesamt 42 Wohnungen.“ Zur optischen Aufwertung wurde die Häuserzeile Scultetusstraße 29 bis 35 mit einem neuen Farbanstrich versehen.

Die nächsten WGG-Baustellen in Königshufen stehen auch schon fest. Die Häuser An der Terrasse 17 bis 23 sollen im Jahr 2020 komplett saniert werden. Die vorbereitenden Arbeiten dafür beginnen schon nächstes Jahr. Außerdem plant die WGG für die nächsten Jahre weitere Strangsanierungen, bei denen die Rohre und Leitungen im Versorgungsschacht in Küche und Bad ausgewechselt werden. Betroffen sind die Schlesische Straße 53 bis 65, der Alexander-Bolze-Hof 3 bis 7 sowie der Peter-Liebig-Hof 4 bis 12. Ähnliches ist für 2019 auch am Übergang zwischen Königshufen und der Innenstadt vorgesehen: In der Heilige-Grab-Straße 55 A-E und 58 A-D.

Doch bei aller Bautätigkeit: Die WGG hat in Königshufen auch Ärger. Dabei geht es um die Pflege der Grünanlagen. WGG-Mieter Peter Richter aus der Hussitenstraße ärgert sich über den Hausmeisterdienst: „Warum ein völlig ausgetrockneter Rasen zum jetzigen Zeitpunkt einer außergewöhnlichen Dürreperiode noch mit Motorsense und Aufsitzmäher bearbeitet werden muss, ist mir unverständlich. Der Laubbläser kommt zum Abschluss noch dazu“, teilte er der WGG bereits Mitte September mit. In den Tagen zuvor seien mit dem Gasbrenner an den Wegrändern die letzten Halme und vereinzelt noch verbliebenen Blüten liquidiert worden. Aus seiner Sicht sei das eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zulasten der Umwelt. Er verweist dabei auf Feinstaub, Kohlendioxid, Stickoxide und die Folgen für Insekten und Vögel.

Erst an diesem Montag erhielt er eine Antwort von der WGG – nachdem er sich auch an die SZ gewandt hatte. Simone Oehme sagt auf SZ-Nachfrage, das Thema Begrünung und Wohnumfeld beinhalte immer eine gewisse Brisanz. Verallgemeinerungen seien schwierig. Der WGG gehe es um einen ordentlichen Gesamteindruck: „Innerhalb des Pflegevertrages werden durch die Firma in Abstimmung mit der WGG die dafür notwendigen Arbeiten durchgeführt.“ Dabei komme es immer wieder zu verschiedenen Auffassungen zum Pflegestand in den Wohngebieten. Einige Mieter möchten noch mehr Arbeiten ausführen lassen, für andere Mieter werden zu viele Pflegearbeiten durchgeführt.“

Richter kann das nicht nachvollziehen: Er habe mit anderen Bewohnern gesprochen, die die Sache ähnlich sehen wie er. Der Begründung der WGG, dass unterschiedliche Wuchshöhen anzugleichen seien, sei aus seiner Sicht völlig daneben: „Wenn nichts gewachsen ist, gibt es auch nichts anzugleichen.“ Laub sei nicht vorhanden gewesen. Im vergangenen Herbst seien wenigstens fünfmal Laubblätter mit dem Rasenmäher eingesammelt worden. Simone Oehme sagt, es werde nichts pauschal entschieden: „Wir sitzen jede Woche mit der Firma zusammen und besprechen es individuell.“ Peter Richter empfindet das anders: „Es ist einfach nur traurig, mit welcher Arroganz vom Schreibtisch aus die Klimaprobleme ignoriert werden.“ Es sei sinnlos, hier etwas Positives zu bewegen.

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