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Donnerstag, 13.09.2018

Große Vorfreude und kleine Sorgen

Beim Cheforganisator des Erntedankfestes läuft das Telefon heiß. So ein Event wird die Stadt so schnell nicht wieder erleben.

Von Peggy Zill

Thomas Kretschmer (links) im Gespräch mit Bühnenbauer Henry Lorenz: Die Bühne Brockwitz am Rathaus steht schon.
Thomas Kretschmer (links) im Gespräch mit Bühnenbauer Henry Lorenz: Die Bühne Brockwitz am Rathaus steht schon.

© Arvid Müller

Coswig. Thomas Kretschmer kann kaum einen Satz zu Ende sprechen, da brummt es schon wieder, das Smartphone auf dem Tisch. Die Frau am anderen Ende der Leitung bietet ihm einen Frostanhänger an. Einen Zwölftonner kann aber keiner im Team fahren. Und zu lang wäre er auch. Dabei ist ein solches Gefährt dringend nötig. Schließlich müssen die Eiswürfel und die halbe Tonne Pommes für das Wochenende irgendwo gelagert werden. „Da muss ich später noch mal in mich gehen, wo wir so etwas herbekommen“, sagt Kretschmer, Geschäftsführer der Kulturbetriebsgesellschaft Meißner Land mbH. Es gibt fast nichts, um das sich der Cheforganisator des Landeserntedankfestes nicht kümmert. „Nur aus dem Festumzug habe ich mich rausgehalten“, sagt er. Mit 70 Händlern und Schaustellern sowie 50 Künstlern und Vereinen hat er auch genug zu tun. Zum Organisationsteam gehören 25 Leute, die meisten arbeiten in der Stadtverwaltung.

Als Nächstes kommt der Koch ins Büro mit den Verpflegungsbeuteln für die Erzieher. Am Nachmittag ist das große Kinderfest vorm Rathaus. Als Einstimmung auf das Landeserntedankfest gibt es schon seit Freitag vergangener Woche Kulturprogramm. „Dass es so ein großes Fest wird, hätten wir anfangs nicht gedacht“, gibt Kretschmer zu. Im Oktober 2016 hat die Stadt sich darum beworben. Schon damals gab es Überlegungen, das Stadtfest anders als bisher auszurichten, weil es dem kulturellen Anspruch nicht mehr genügte. Nun feiern die Coswiger mit Zehntausenden Besuchern. Nachdem es den Zuschlag gab, meldeten sich auch immer mehr, die mitmachen wollten: Obstbau Görnitz, der Weinbauverband, die Handwerkskammer beispielsweise. So vergrößerte sich das Festgelände mehr und mehr.

Wieder klingelt das Telefon. Im Rathaus gibt es eine Beschwerde wegen den Dixiklos. Kretschmer bleibt freundlich. Auch als der den Landfrauen mitteilen muss, dass sie ihre Autos umparken müssen, weil diese den Blick auf ein Schaufenster versperren. Es sind viele solche Kleinigkeiten, um die sich der Eventmanager jetzt noch kümmern muss. „Die Herausforderung an der Sache ist, dass 70 Prozent neu sind.“ Seit zwei Monaten arbeitet er fast nur noch an der Organisation des Festes. „Ich mache das gerne und ich denke, alle anderen im Team auch. Aber das ist nichts, was man jedes Jahr braucht, weil es sehr arbeitsaufwendig ist.“

Die Vorfreude steigt, vor allem jetzt, wo feststeht, dass auch das Wetter mitspielt - der einzige Faktor, den die Macher nicht beeinflussen können. Wie viele Besucher bis Sonntag kommen, lässt sich nur schätzen, da kein Eintritt verlangt wird. Rund 50 000 werden es wohl sein. Finanziellen Gewinn macht die Stadt keinen, man erhofft sich eher einen Image-Gewinn. Coswig soll bekannter werden. Schon jetzt ist die mediale Aufmerksamkeit groß. Auf der Website zum Fest werden täglich 2 000 Besucher gezählt. „Für die Kultur und die Börse ist es natürlich ein gutes Marketing“, erklärt Kretschmer und flitzt schon wieder davon. Der Eiswagen muss in Position geschoben werden.