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Mittwoch, 08.08.2018

Großbrand im Humuswerk

100 Feuerwehrleute und Helfer sind die ganze Nacht in Ullendorf im Einsatz. Wer hat das etwas falsch gemacht?

Von Jürgen Müller und Peter Anderson

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Feuerwehrleute löschen einen Brand im Humuswerk Ullendorf. Ein Komposthaufen hatte sich entzündet. Die Rauchschwaden zogen bis nach Röhrsdorf und ins Meißner Triebischtal. Menschen waren aber nicht in Gefahr, es wurde auch niemand verletzt.
Feuerwehrleute löschen einen Brand im Humuswerk Ullendorf. Ein Komposthaufen hatte sich entzündet. Die Rauchschwaden zogen bis nach Röhrsdorf und ins Meißner Triebischtal. Menschen waren aber nicht in Gefahr, es wurde auch niemand verletzt.

© Claudia Hübschmann

Die Quamwolken sind weit über dem Meißner Hochland zu sehen.
Die Quamwolken sind weit über dem Meißner Hochland zu sehen.

© Feuerwehr

Löschen unter Flutlicht. Die Brandnester sind sehr tief in den Humusbergen versteckt.
Löschen unter Flutlicht. Die Brandnester sind sehr tief in den Humusbergen versteckt.

© Feuerwehr

Schwierige Löscharbeiten
Schwierige Löscharbeiten

© DRK Dresden-Land

Der Einsatzzug des DRK Dresden-Land sichert die Verpflegung der über 80 Einsatzkräfte.
Der Einsatzzug des DRK Dresden-Land sichert die Verpflegung der über 80 Einsatzkräfte.

© DRK Dresden-Land

Klipphausen. Einsatzleiter Axel Knöfel ist die Übermüdung anzusehen. Seit Dienstagabend waren er und rund 100 Feuerwehrleute, Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes (THW) und Sanitäter aus Klipphausen, Radebeul, Wilsdruff, Coswig und Riesa im Humuswerk in Ullendorf im Einsatz. Knöfel wurde wie andere Kameraden zwar zwischendurch abgelöst, konnte ein paar Stunden schlafen, doch der Einsatz steckt allen in den Knochen.

Die Feuerwehr löschte die ganze Nacht einen 20 mal 70 Meter großen und etwa sieben Meter hohen Humushaufen, der sich wahrscheinlich durch die große Hitze selbst entzündet hatte. Die Qualmwolken waren am Dienstagabend weit über dem Meißner Hochland zu sehen, zog bis ins Meißner Triebischtal. „Gefahr für die Bevölkerung bestand aber nicht. Durch die starke Rauchentwicklung haben wir den Einwohnern von Röhrsdorf jedoch geraten, Fenster und Türen geschlossen zu halten“, so der Einsatzleiter. Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, weil die Brandnester sehr tief in den Humusbergen versteckt waren. Wie die Feuerwehren im Landkreis auf ihrer Facebookseite informieren, waren zunächst die Gemeindefeuerwehr und die Feuerwehr Wilsdruff „mit einem massiven Einsatz an Kräften und Mitteln im Einsatz“. Zur Ausleuchtung der Einsatzstelle über die Nacht seien das THW, Ortsverband Riesa, und das THW, Ortsverein Radebeul, alarmiert worden. Außerdem wurde der Einsatzzug Logistik und Versorgung des DRK Dresden-Land alarmiert, um die Verpflegung der vielen Einsatzkräfte zu sichern.

Doch hätte der Brand möglicherweise verhindert werden können? Berichten von Anwohnern zufolge, soll es in der Kompostieranlage Ullendorf bereits vor mehreren Tagen zu einem Brand gekommen sein. Das Unternehmen soll anschließend versucht haben, das Feuer mit eigenen Mitteln durch Materialauflagen zu ersticken. Ohne Sauerstoff, kein Feuer, so die Spekulation. Die Verdichtung könnte jedoch genau den gegenteiligen Effekt bewirkt haben. Die Hitze dürfte sich immer weiter vergrößert haben. Erst durch diese Vorgehensweise könnte der Brand ein solches Ausmaß angenommen haben.

Erst vor kurzem brannte ein Humushaufen auf der Deponie Rechau-Zöschau nahe Oschatz. Die Ermittlungen sind zwar noch nicht abgeschlossen, es wird aber Brandstiftung vermutet. Könnte dies auch hier die Ursache gewesen sein? Laut Kreisbrandmeister Ingo Nestler gibt es dafür bisher keine Anzeichen.

Auch Sven Lehmann, der das Werk jahrelang als Sicherheitsmann betreut hat, glaubt nicht an Brandstiftung. „Das Zeug brennt durch Gärung. Es brennt dort hin und wieder mal, die Hitze und Trockenheit sind ein zusätzlicher Risikofaktor, weil sich das Umfeld schneller entzünden kann. Dass es brennt, ist dort nichts Außergewöhnliches“, schreibt er auf Facebook. Allerdings entsteht so ein Brand nicht plötzlich, so Kreisbrandmeister Nestler. Er vermutet, dass es im Inneren des Haufens schon mehrere Tagen gebrannt hat. „Solch ein Brand entwickelt sich nicht von Null auf Hundert“, sagt der erfahrene Feuerwehrmann Ingo Nestler. Dies zeige sich auch daran, dass die Brandkanäle teilweise bis zu zwei Meter tief gewesen seien. Feuerwehrleute bezeichnen den Einsatz in der Nacht vom Dienstag auf den Mittwoch als eine riesige Materialschlacht. Das lag auch daran, dass es kein Löschwasser gab. „Wir mussten teilweise aus privaten Teichen und aus weit entfernten Hydranten Wasser ziehen, dazu über Hunderte Meter Schläuche legen“ so der Kreisbrandmeister. Es werde jetzt geprüft, ob und wie viel Löschwasser die Firma laut Genehmigungsverfahren vorhalten müsse. Dazu werde sich das Landratsamt in der kommenden Woche mit der Firma und der Unteren Wasserbehörde zusammensetzen. „Es muss dringend etwas für die Löschwasserversorgung getan werden“, so Kreisbrandmeister Nestler.

Einige Schläuche blieben allerdings auch danach noch im Einsatz. Denn die Brand-Berge wurden mit Radladern abgetragen, während Feuerwehrleute die Massen durchnässten. Das Material wurde auf einem benachbarten Feld gelagert. Aus Sicherheitsgründen wurde die Staatsstraße 177 zwischen Ullendorf und Klipphausen bis Mittwochmittag voll gesperrt.