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Montag, 17.09.2018

Größte Dürre seit über 100 Jahren

Obwohl es im August sogar mehr Gewitter im Osterzgebirge gab als sonst üblich um diese Zeit, fehlte etwas.

Von Sebastian Wetzel und Norbert Märcz

Jede Erfrischung war in diesem Jahr bei der Hitze willkommen. Die Bäder – hier in Pretzschendorf – konnten sich über ungewöhnlich viele Besucher freuen.
Jede Erfrischung war in diesem Jahr bei der Hitze willkommen. Die Bäder – hier in Pretzschendorf – konnten sich über ungewöhnlich viele Besucher freuen.

© Egbert Kamprath

Osterzgebirge. Der Spätsommer verursachte mit seiner Hitze und Schwüle ein Gefühl vom tropischen Regenwald. Besonders vom 1. bis 5. und am 8./9. August war es sehr schwül. Im ersten Monatsdrittel dokumentierten unsere Wetterbeobachter an vier Tagen in Dohna und Köttewitz bzw. an fünf Tagen in Bannewitz und Zinnwald mindestens ein Gewitter pro Tag. Am 2. August hatte Bannewitz mit 42,1 Litern pro Quadratmeter Niederschlag einen „Volltreffer“. Köttewitz kam mit 11,4 Litern noch über die 10-er- Marke. Dohna lag darunter, und Zinnwald-Georgenfeld blieb ganz trocken.

Am 2. und 4. überboten in Zinnwald die Temperaturmaxima die bisherigen Tagesrekorde um 0,3 und 0,8 Grad Celsius. Hoch „Ingolf“ produzierte am 1. August 28,7 Grad in Zinnwald und im Flachland bis zu 38,1 Grad (Dohna). Bannewitz und Köttewitz erreichten ihre Monatshöchsttemperaturen am 8. August. Am 11. lagen die Temperaturmittel nach langer Zeit mal unter dem langjährigen Mittel. An diesem Tag hörte man ein Gewitter – außer in Dohna –, das gar keinen oder nur geringen Niederschlag brachte.

Auch in der zweiten Augustdekade gab es regelmäßig über 30 Grad (Tropentage) im Tiefland und über 20 Grad in Zinnwald. Auch das letzte Drittel des Augustes fiel zu trocken aus, obwohl vier Niederschlagstage, in Zinnwald sechs, auftraten. Der alte Hitzerekord für den 23. steht in Zinnwald mit 24,7 Grad zu Buche, dieses Jahr registrierte das Thermometer 2,9 Grad mehr.

Um den 26. war es tatsächlich mal zu „kalt“. Die Tiefstwerte am 26./27. sanken auf 6 bis 7 Grad. Am 30. wurde der bislang allgegenwärtige Sonnenschein überall vermisst. Eine Vb-Wetterlage (Tief Wanda) entwickelte im Erzgebirge einen Regenstau, bis 13 Liter pro Quadratmeter fielen auf dem Kamm des Osterzgebirges. Dabei wurde Dunst – in Zinnwald Nebel – beobachtet. Mit mäßiger Bewölkung und dem Datum entsprechend normalen Temperaturen klang der meteorologische Sommer aus.

Im Einzugsgebiet betrugen die Mitteltemperaturen etwas mehr als im Juli. Damit lagen die Werte etwa zwei bis drei Grad über dem Mittel der letzten 30 Jahre. Die Temperaturgrenzen von 25 Grad (Sommertag) und 30 Grad (Hitzetag) überschritt der August aber nur fast so oft wie im Rekordjahr 2015. Messbaren Niederschlag meldete Bannewitz an neun Tagen, Dohna und Köttewitz an elf und Zinnwald an 14 Tagen, obwohl mehr Gewitter auftraten als normal. Die Monatssumme entsprach in Bannewitz dem Soll. Den übrigen Stationen hätte das Doppelte zugestanden. Die Sonnenscheindauer lag bei 125 Prozent. Die bisherige Wasserbilanz des Jahres 2018 gab Köttewitz mit minus 374 mm an. Eine derartige Dürre gab es zuletzt 1904.

Die Autoren sind Mitglieder im Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld.