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Freitag, 20.05.2016

Google will überall dabei sein

Auf seiner Entwicklerkonferenz kündigt der Internetgigant wieder viele Neuheiten an. Manche sind überfällig.

Von Andrej Sokolow und Andreas Rentsch

Kleiner Mann vor großer Uhr: Google-Manager David Singleton (re., vorn) erklärt neue Funktionen des Smartwatch-Betriebssystems Android Wear 2.0.
Kleiner Mann vor großer Uhr: Google-Manager David Singleton (re., vorn) erklärt neue Funktionen des Smartwatch-Betriebssystems Android Wear 2.0.

© dpa

Google schlägt eine neue Strategie für seine Zukunft ein: Nutzer sollen sich künftig mit Software und Geräten des Konzerns unterhalten können, statt nur Suchanfragen einzutippen. Damit heizt Google die Rivalität mit Apple, Facebook, Microsoft und Amazon an. Acht Neuheiten von der Entwicklerkonferenz I/O.

1. Google Assistant

Ein smarter Assistent, mit dem man sich unterhalten kann, soll in Zukunft viel mehr als die klassische Google-Suche bieten. Die Idee ist, dass man jede Frage stellen oder Aufgabe erteilen kann – und mit Hilfe von Spracherkennung und künstlicher Intelligenz kümmert sich Google darum. Bald soll es möglich sein, mithilfe des Systems beispielsweise Konzertkarten zu ordern, ein Taxi zu rufen oder einen Tisch im Restaurant zu reservieren. Auch auf Smartphones mit Google-Betriebssystem wird der Assistent verfügbar sein. Ein ähnliches Konzept verfolgt Apple mit seiner Software Siri. Bei Microsoft heißt der persönliche Assistent Cortana.

2. Google Home

Der vernetzte Lautsprecher soll den Sprachassistenten ab Herbst in den Haushalt bringen. Geplant ist eine ganze Plattform mit Schnittstellen für Geräte und Dienste anderer Hersteller. Das Gerät muss immer zuhören, damit es keine Aufträge verpasst. Hier konkurriert Google mit Amazons smarter Echo-Box, die bisher nur in den USA erhältlich ist und je nach Kundenstatus 99 oder 199 Dollar kostet (umgerechnet ca. 88 bzw. 177 Euro).

3. Android N

Für die Version 7.0 des am weitesten verbreiteten Betriebssystems für Smartphones wurden einige neue Funktionen vorgestellt. Dazu zählt die Möglichkeit, auch auf einem Telefon im sogenannten Split-Screen-Modus zwei Apps nebeneinander laufen zu lassen. Ebenfalls neu ist eine Textvorschau, die erscheint, wenn man mit dem Finger über eine eingegangene E-Mail fährt. Das Erscheinungsbild von Android ändert sich kaum. Für die Auswahl des endgültigen Namens – Google benennt die Android-Versionen traditionell in alphabetischer Reihenfolge nach Süßigkeiten – wurde eine Umfrage gestartet. Beliebter Vorschlag bei Twitter: Die Software solle „Nutella“ oder „Nougat“ heißen. Eine begrenzte Zahl von Nutzern kann Android N als Beta-Version testen. Dazu zählen unter anderem Besitzer von Nexus-Mobilgeräten oder des Pixel-C-Tablets.

4. Instant Apps

Heute muss man warten, bis eine App komplett heruntergeladen ist. Die Idee von Instant Apps ist, eine Anwendung in kleine Fragmente zu teilen, damit man sofort anfangen kann, sie zu nutzen. Die App lädt nur jene Stücke, die benötigt werden, um den gewünschten Inhalt aufs Display zu bekommen. Für den Nutzer soll das aussehen wie das Laden einer mobilen Webseite. Unter anderem hat Google angekündigt, das sein Bezahlsystem Android Pay in der Instant-App-Umgebung arbeiten soll. Wem eine App gefällt, der kann die Standard-Version mit zwei Klicks nachinstallieren.

5. Daydream

Google will die virtuelle Realität (VR) nicht Vorreitern wie Oculus, Samsung oder HTC überlassen und startet eine eigene Plattform namens „Daydream“ (Tagtraum). Das sollte für ein einheitliches Erlebnis auf Smartphones verschiedener Hersteller sorgen. Auch Youtube wurde für VR-Inhalte, mit denen man in virtuelle Welten eintauchen kann, umgebaut. Eine eigene Spezialbrille will Google wohl vorerst nicht auf den Markt bringen. Stattdessen sollen Drittanbieter passende Headsets entwickeln. Das dürfte noch bis zum Herbst dauern.

6. Allo

Bei den Kurzmitteilungsdiensten kämpft der Suchmaschinenkonzern gegen die Übermacht der Facebook-Dienste Whatsapp und Messenger. Allo soll sich auf Googles künstliche Intelligenz stützen und dem Nutzer selbst passende Antworten sowie Restaurants und Kinofilme vorschlagen. Erwartet wird die App als Android- und iOS-Variante noch im Sommer.

7. Duo

Auch die Videochat-App tritt gegen viele Rivalen an, etwa Facetime (Apple) und Skype (Microsoft) an. Vergleichbare Funktionen finden sich aber auch in Facebook-Diensten. Als Novum bewerben die Macher von Allo eine Anklopf-Funktion, mit der der Angerufene schon vor dem Start des Video-Chats sehen kann, wer oder was ihn am anderen Ende der Leitung erwartet.

8. Android Wear 2.0

Das Betriebssystem für Computeruhren bekommt im Herbst die überfällige Neuauflage. Unter anderem wird man Text auch über eine kleine Tastatur oder per Schrifterkennung eingeben können. Apps, die unter Android Wear 2.0 laufen, sollen zudem autark auf Smartwatches laufen, also nicht mehr auf ein gekoppeltes Smartphone angewiesen sein. (dpa/rnw)

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