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Donnerstag, 14.06.2018

Gewichtige Gründe zum Feiern

Seit zehn Jahren behandelt das Sozialpädiatrische Zentrum an der Uniklinik chronisch kranke Kinder.

Von Klemens Deider

Mit kleinen Gewichten übt Stephanie mit Physiotherapeutin Nicole Claus und dem Ärztlichen Leiter Jens Schallner, um ihre Hände und Arme zu trainieren. Sie leidet an einer Muskelkrankheit.
Mit kleinen Gewichten übt Stephanie mit Physiotherapeutin Nicole Claus und dem Ärztlichen Leiter Jens Schallner, um ihre Hände und Arme zu trainieren. Sie leidet an einer Muskelkrankheit.

© Rene Meinig

Stephanie greift nach dem silbernen Gewicht. 200 Gramm wiegt es, so leicht wie zwei Tafeln Schokolade. Die Neunjährige hebt es, setzt es ab, hebt es erneut und platziert es ein Stück zur Seite. Ihr Gesicht verrät, dass sie sich anstrengt. Und doch ist ein Lächeln zu sehen. Sie strahlt. Was wie ein Spiel wirkt, ist Teil ihrer Therapie. Und das spielend leichte Heben deutet Fortschritte an, die ihr, ihrer Familie und all ihren Ärzten, Pflegern und Therapeuten im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) am Universitätsklinikum Freude bereitet.

Stephanie und ihre Mutter Klaudia Metasch sind heute wie in den vergangenen acht Jahren regelmäßig aus Wittichenau ins SPZ gekommen. Bereits mit etwa einem Jahr bemerkten Stephanies Eltern, dass etwas nicht so war, wie sie es erwartet hatten. „Stephanie kam bis ins Robben und Sitzen. Gekrabbelt ist sie aber nie.“ Ihr Kinderarzt überwies sie damals nach Dresden ins SPZ. Innerhalb weniger Wochen stand die Diagnose fest: Spinale Muskelatrophie. Ihre Muskeln werden von den Nerven nicht mehr richtig angesteuert. Eine chronische und seltene Krankheit, für die es bis vor Kurzem noch keine Medikamente gab.

Etwa 2 400 Kinder mit chronischen Gesundheitsstörungen werden jährlich im SPZ betreut, doppelt so viele wie am Anfang. Dabei geht es um angeborene oder erworbene dauerhafte Beeinträchtigungen körperlicher und geistiger Art. Im SPZ arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Pfleger und Therapeuten eng zusammen, wie Jens Schallner, der Ärztliche Leiter, erklärt. Für Eltern wie die von Stephanie bedeutet das mehr Spezialisten bei Diagnose und Behandlung, eine bessere Betreuung und Hilfe bei allen möglichen medizinischen und organisatorischen Fragen. Etwa: Welcher Rollstuhl ist der richtige, wo beantragt man Unterstützung im Alltag und in der Schule? Denn geistig ist bei Stephanie alles in Ordnung. Sie geht mit gesunden Kindern gemeinsam zur Schule.

Um die medizinische Versorgung chronisch kranker Kinder geht es auch im Fachsymposium, das an diesem Sonnabend anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Sozialpädiatrischen Zentrums stattfindet. Ab 15 Uhr steigt mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und dem Verein Sonnenstrahl ein Kinderfest. In vielen verschiedenen Buden im Innenhof gibt es Spiele, Musik und Unterhaltung für Kinder mit und ohne Beeinträchtigung, wie etwa einen Rollstuhlparcour, eine Trommelbude, eine Vorlesestation und Teebeutelweitwurf.Stephanie und ihre Familie werden dabei sein. „Ich freue mich aufs Fest“, sagt die Neunjährige. Dank eines neu zugelassenen Medikaments, das sie seit Anfang des Jahres nimmt, gibt es eine positive Entwicklung. „Neulich habe ich in der Schule eine Minute lang den Arm zum Melden gehoben“, sagt Stephanie und strahlt.

Sonnabend, 16.6., ab 9 Uhr Symposium zum Thema „Das chronisch kranke Kind in der ambulanten pädiatrischen Versorgung“. Ort: Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Haus 21, Hörsaal im Erdgeschoss. Von 15 bis 18 Uhr Kinderfest im Innenhof von Haus 21.

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