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Donnerstag, 30.08.2018

Gesucht: neuer, alter Name für ein Dresdner Wahrzeichen

Dynamo-Stadion? Oder lieber Rudolf-Harbig-Stadion? Die Frage stellen Konsum und Drewag. Sie haben das Namensrecht gekauft, entscheiden sollen aber die Fans.

Von Tino Meyer

Dresdens Wahrzeichen? Goldener Reiter, die Frauenkirche natürlich – und das... Noch bis Freitag läuft die Abstimmung für das Stadion mit dem K-Block, das einen neuen, alten Namen bekommt.
Dresdens Wahrzeichen? Goldener Reiter, die Frauenkirche natürlich – und das ... Noch bis Freitag läuft die Abstimmung für das Stadion mit dem K-Block, das einen neuen, alten Namen bekommt.

© Robert Michael

Die Fristen enden an diesem Freitag, auf dem Transfermarkt genauso wie bei der Abstimmung über den neuen Namen des DDV-Stadions. Was wichtiger ist für die SG Dynamo Dresden und ihre Fans? Darüber lässt sich streiten.

Die sportliche Gemengelage ist dabei die kompliziertere, schließlich müsste der neue Trainer mindestens mitentscheiden, ob noch ein Stürmer kommen soll und vielleicht auch ein Innenverteidiger angesichts der Verletztenlage. Nur gibt es den neuen Mann noch nicht, zumindest nicht offiziell.

Einfacher verhält es sich beim neuen Namen fürs Stadion. Konsum und Drewag haben sich das Recht bis 2021 gesichert, werden damit die DDV-Mediengruppe ablösen. Nur ihr Konterfei wollen sie nicht an der Fassade sehen – sondern die Fans wählen lassen zwischen Dynamo-Stadion und Rudolf-Harbig-Stadion.

Es ist eine geheime Wahl, so geheim, dass zunächst nicht mal die Zahl der bisher an der Abstimmung Teilgenommenen bekannt war, geschweige denn eine Tendenz. Jetzt ist klar: Rund 25 000 Menschen haben seit vergangenem Donnerstag abgestimmt. Fest steht auch: Je mehr mitmachen, desto vorhersehbarer dürfte das Ergebnis sein. Denn der Name Rudolf-Harbig-Stadion ist insbesondere der Wunsch in der aktiven Fanszene, unter dem Begriff Dynamo-Stadion firmiert die Sportstätte dagegen bei jenen Anhängern, denen die Historie des Vereins nicht über alles geht, sowie darüber hinaus in weiten Teilen der Dresdner Bevölkerung. Ihre Berechtigung haben beide Namen – verbunden mit einer erfolgreichen Vergangenheit. Im Rudolf-Harbig-Stadion spielte Dynamo seit 1957, nachdem zuvor das damals noch größere Heinz-Steyer-Stadion die Heimstätte des Vereins war. Der Umzug erfolgte aus sportlichen Gründen. Dynamo musste in die Bezirksliga absteigen, der SC Einheit spielte in der DDR-Oberliga. Erst in den 1960er-Jahren kehrten sich die Kräfteverhältnisse um.

Ab Sommer 1971 wurde der Name Dynamo-Stadion verwendet – jedoch ohne offizielle Umbenennung. Der Grund ist naheliegend: Der Dresdner Weltklasse-Läufer Harbig hatte seine Erfolge, darunter sechs Weltrekorde, in der Zeit des Nationalsozialismus erzielt. 1990 wurde die Änderung rückgängig gemacht, ehe sich dann 2010 das Energievertriebsunternehmen Glücksgas die Namensrechte sicherte und 2016 dann die DDV-Mediengruppe übernahm.

Dass sich vor allem im Volksmund die Bezeichnung Dynamo-Stadion etabliert hat, „hängt sicher damit zusammen, dass die Verbindung mit dem Vereinsnamen einfach per se naheliegt“, erklärte Dynamo-Statistiker Ronny Günther zuletzt beim Heidenheim-Spiel im Stadionheft Kreisel. Er findet die Aktion „richtig stark“. Für viele Fans sei das Stadion schließlich fast schon wie ein zweites Zuhause.

Die Abstimmung endete am Freitag, 31. August, 12 Uhr. Es wurden 29 512 Stimmen abgegeben. Das Ergebnis sollte ursprünglich am Samstag vor Anpfiff des Heimspiels gegen den Hamburger SV offiziell bekannt gegeben werden. Jedoch ist das Spiel abgesagt worden, weil die zur Absicherung vorgesehenen Polizeikräfte zu einer Großdemonstration in Chemnitz abgezogen werden.

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