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Samstag, 14.07.2018

Gestatten: Klosterkater Olli

Der Liebling der Nonnen in St. Marienthal nutzt die neue Sitzheizung in den Kirchenbänken aus, hat ein eigenes Heizkissen und noch andere Privilegien.

Von Elke Schmidt

Klosterkater Olli auf dem Arm von Pater Bruno. Der Geistliche ist einer seiner Lieblinge.
Klosterkater Olli auf dem Arm von Pater Bruno. Der Geistliche ist einer seiner Lieblinge.

© Matthias Weber

Ostritz. Dürfen wir vorstellen: Hier ist Olli, der heimliche Star im Kloster St. Marienthal. Standesgemäß begrüßt er neue Gäste, hält gern ein Nickerchen in der Kirche und hat sogar seinen eigenen Eingang in die Orangerie. Selbst im größten Trubel bleibt er gelassen, spaziert mitten unter den Leuten oder legt sich auf den Rasen und schaut ihnen zu. Er lässt sich gerne kraulen und genießt die Streicheleinheiten.

Der grau getigerte Klosterkater hat nicht nur den Pater Bruno um die Pfote gewickelt. Aber der geistliche Begleiter der Schwestern von St. Marienthal hat ihn besonders ins Herz geschlossen. So sehr, dass er ihn öfter in seine Wohnung und ab und zu sogar in Kirche und Sakristei hineinschlüpfen lässt. Olli weiß das durchaus zu honorieren und ist oft in der Nähe des Paters zu finden, obwohl er wahrlich keinen Mangel an Bewunderern und Gönnern hat. Sowohl etliche der Schwestern des Klosters als auch der Mitarbeiter sind regelrecht vernarrt in „ihren“ Kater und verwöhnen ihn nach Strich und Faden.

Seine Hauptbezugsperson aber ist Schwester Alma. Sie hat ihn ins Kloster geholt und sorgt dafür, dass es ihm an nichts fehlt. „Wir hatten eigentlich immer Katzen, um die sich Schwester Alma besonders gekümmert hat“, schildert Äbtissin Elisabeth Vaterodt. Leider seien diese teils altersbedingt verstorben, manche auch im Laufe der Zeit verschollen. Schwester Alma habe sich aber nicht mit einem katzenlosen Kloster abfinden wollen. Also suchte sie Verbündete unter ihren Mitschwestern, überzeugte sie und fuhr schließlich nach Görlitz ins Tierheim, um eine neue Katze auszusuchen. „Gleich als wir dort angekommen sind, kam mir ein Kater entgegengelaufen und schaute mich auf eine ganz besondere Weise an“, erinnert sie sich. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick und die Sache ziemlich schnell entschieden. Olli, so hieß der Kater, kam mit ins Kloster und eroberte alle im Sturm. Inzwischen ist er schon ungefähr fünf Jahre dort und kann sich Sachen herausnehmen, die außer ihm kein Tier darf.

Zum Beispiel schleicht er sich gerne in die Kirche und hält ein Nickerchen. Dort hält er sich besonders an kalten Tagen sehr gerne auf und rollt sich dann vorm Altar auf dem Teppich oder auf den Priestersitzen ein. Dieses Privileg hat er hauptsächlich Rainer Decke zu verdanken. Er ist einer der Gästeführer des Klosters und ebenfalls ein absoluter Fan von Olli. Durch ihn hat der Kater den Zugang zur Kirche gefunden. Dabei braucht er den gar nicht unbedingt, denn in der Orangerie hat er sogar ein eigenes Plätzchen mit einem extra Heizkissen. Aber ein echter Star braucht eben manchmal eine Alternative.

Und dass Olli nicht gerade ein schlanker Kater ist, bringt ihm noch einen Vorteil ein. Die Sitzheizung in der Klosterkirche springt nämlich ab einem gewissen Gewicht an. Und das von Olli reicht schon, damit er es hier immer schön warm zum Kuscheln hat.

Olli lässt sich gern auch mit Leckerlis verwöhnen, die er hauptsächlich bei Rainer Decke, aber auch bei anderen erbettelt. Selbstverständlich bekommt er auch jeden Tag ganz normales Katzenfutter und wenn er wirklich Hunger hat, frisst er auch dieses ganz gern, sagt Äbtissin Elisabeth Vaterodt augenzwinkernd.

Sie selbst hat mit dem Kater zwar nicht so viel zu tun, aber natürlich kennt sie ihn. Nicht zuletzt deshalb, weil er unter den Gästen eine kleine Berühmtheit ist. Olli mag Menschen. Er hält sich zum Beispiel gerne im Klosterhof auf und liebt die Geselligkeit. Das findet großen Anklang bei den Besuchern, sagt die Äbtissin. Das Kloster bekomme sogar häufig Zuschriften wegen ihm, sagt sie.

Olli fällt eben auf. Obwohl oder vielleicht gerade weil er „nur“ eine gewöhnliche, grau getigerte Hauskatze mit dem typischen M-Muster auf der Stirn ist. Aber wenn er übers Klostergelände flaniert, ist er schon eine imposante Erscheinung. Die Leute sehen und lieben ihn meist sofort.

Dabei ist er nicht die einzige Katze im Kloster. Das liege daran, dass immer wieder welche zulaufen und sie keine von ihnen wegschicken, sagt Äbtissin Schwester Elisabeth Vaterodt. Seit gut drei Jahren lebt zum Beispiel die zugelaufene „Mieze“ im Küchenhof. Sie versteht sich aber nicht sonderlich gut mit Olli und duldet ihn dort lediglich. Wenn der doch mal dort erscheint und gefüttert werden will, gehen die beiden auf Abstand oder fauchen sich an.

Seit Februar haben sie einen weiteren guten Kater, der ebenfalls zugelaufen ist. Weil er ein fuchsiges Fell hat, haben sie ihn Fuchsi genannt. „Er ist sehr anhänglich und hat sich irgendwie von Anfang an mit Mieze so arrangiert, dass sie einen gemeinsamen Stall mit getrennten Futterplätzen haben“, sagt die Äbtissin. Er sehe in ihr wohl einen Mutterersatz. Sie duldet ihn in ihrer Nähe – ist aber inzwischen auch etwas eifersüchtig auf ihn. Wenn er allerdings wegen seiner Herumstrolcherei manchmal nicht da ist, werde Mieze ganz unruhig. Offenbar kommt die Mutter in ihr durch. Sie teilen sich das Revier „Küchenhof“ und sind meistens pünktlich zur Fütterung. Auch diese Katzen brauchen im Winter nicht zu frieren, für sie gibt es eine Rotlichtlampe.

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