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Donnerstag, 09.08.2018

Generationswechsel bei der Wohnungsgenossenschaft

Rico Thümmel übernimmt in Schmiedeberg den Vorsitz von Heiko Franz. Das Ziel bleibt, frei von Krediten zu werden.

Von Franz Herz

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Heiko Franz (links), der 42 Jahre lang Vorsitzender der Wohnungsgenossenschaft Schmiedeberg war, hat dieses Amt jetzt an Rico Thümmel übergeben – daneben hat der Neue auch noch einen normalen Job.
Heiko Franz (links), der 42 Jahre lang Vorsitzender der Wohnungsgenossenschaft Schmiedeberg war, hat dieses Amt jetzt an Rico Thümmel übergeben – daneben hat der Neue auch noch einen normalen Job.

© Frank Baldauf

In der Siedlung Naundorf lässt die Wohnungsgenossenschaft Heizanlagen modernisieren.
In der Siedlung Naundorf lässt die Wohnungsgenossenschaft Heizanlagen modernisieren.

© Frank Baldauf

Schmiedeberg. Bei der Wohnungsgenossenschaft Schmiedeberg geht eine Ära zu Ende. Heiko Franz, der seit 1976 den Vorstandsvorsitz der Genossenschaft innehatte, tritt einen Schritt zurück und bleibt stellvertretender Vorstandschef. Rico Thümmel, der 34 Jahre jünger ist und bisher Stellvertreter war, rückt jetzt ganz nach vorne. Die Mitgliederversammlung hat dies vor Kurzem einstimmig bestätigt.

Der 35-Jährige wohnt seit fünf Jahren in einer Genossenschaftswohnung und wurde vom Vorsitzenden Heiko Franz angesprochen, ob er sich auch im Vorstand engagiert. Zuerst übernahm er die Aufgabe eines Wohngebietsverantwortlichen am Brandweg in Schmiedeberg. Die Genossenschaft hat für jedes ihrer Wohngebiete solche Verantwortliche, die Ansprechpartner für die Mieter sind.

Solide eingearbeitet


„Da müssen die nicht immer gleich zum Vorstand kommen“, erklärt Heiko Franz den Vorteil dieser Regelung. Der neue Vorsitzende hat 1999 eine Lehre als Möbeltischler bei Sachsenküchen begonnen. Hier arbeitet er auch jetzt in der Sonderfertigung. In seiner Freizeit geht der Single gerne in seinen Garten grillen. Und auf ihn kommen neue Aufgaben zu, wenn er jetzt an der Spitze des Genossenschaftsvorstands steht. Hier hat ihn Heiko Franz in den vergangenen drei Jahren bereits eingearbeitet. Der neue Vorstand soll einen besseren Start bekommen, als ihn Franz seinerzeit hatte. Am Anfang seiner Geschichte als Genossenschaftsvorstand stand eine Wohnungssuche. Heiko Franz schaute sich Mitte der 1970er-Jahre in Schmiedeberg nach einer Bleibe für seine dreiköpfige Familie um. Der studierte Maschinenbauer hatte aber schlechte Karten. Er arbeitete als Leiter der Materialwirtschaft beim VEB „Ferdinand Kunert“, war aber kein Schichtarbeiter. Als solcher hätte er bevorzugt eine Wohnung erhalten.

Da sprach der damalige Werkleiter Helmut Dünnebeil ihn an. Der Vorsitzende der Arbeiterwohnungsgenossenschaft „Ferdinand Kunert“war wegen Krankheit ausgefallen. Wenn Heiko Franz für kurze Zeit den Vorsitz übernähme, könnte er eine freigewordene Zweiraumwohnung in einem Neubau in Naundorf bekommen.

Im Bereich Wohnungen hatte er noch nie gearbeitet. So gab es im Familienrat Zweifel. Aber die Aussicht auf eine schöne Wohnung wischte diese beiseite. Die Familie konnte im August einziehen und der Vater wurde Vorsitzender der Genossenschaft. Aus den angestrebten ein, zwei Jahren wurden inzwischen 42 Jahre mit zwei grundverschiedenen Abschnitten.

Bis 1989 war der Betrieb „Ferdinand Kunert“ Träger der Genossenschaft. Die Mieter kamen durchweg auch aus solchen Unternehmen, aus dem Maschinenbau und der Gießerei in Schmiedeberg, von Küchenmöbel in Obercarsdorf oder der Hydraulik in Ulberndorf, erinnert sich Franz. „Ein Handlungskonzept war vorgegeben, bei Finanzen oder der Förderung sozialer Angelegenheiten.“

Häuser auf Vordermann gebracht


Mit der Wende galten völlig neue Regeln. Die Genossenschaft war auf sich allein gestellt und musste eigenständig planen. „Wir haben offen mit unseren Mitgliedern gesprochen und sie zur Mitarbeit aufgefordert“, erinnert sich Franz. Es gab dann mehrere Runden, in denen die Genossenschaftshäuser auf Vordermann gebracht wurden. In den 1990er-Jahren stand die Sanierung der Wohnungen mit neuen Heizungen im Vordergrund. Dann kamen die Außenanlagen und Fassaden an die Reihe.

Jetzt wird jede Wohnung, die frei wird, von Grund auf saniert und Heizkessel aus den 1990er-Jahren wieder durch Brennwertkessel ersetzt. „Dafür nehmen wir jetzt keine Kredite mehr auf“, sind sich der alte und der neue Vorsitzende einig. Die Genossenschaft zahlt noch Modernisierungskredite aus den 1990er-Jahren und Altschulden aus DDR-Zeiten ab. Das Ziel ist aber, weiter ohne neue Kreditaufnahme auszukommen. Die Genossenschaft hat 156 Mitglieder und 134 Wohnungen. Wer in eine davon einziehen will, muss einen Grundanteil für 155 Euro kaufen und weitere Anteile, deren Zahl sich nach der Größe der Wohnung richtet.