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Samstag, 15.09.2018

Gelungener Einstand

Die Dresdner gewinnen in Regensburg glücklich-verdient mit 2:0. Am Ende hätte der Sieg sogar höher ausfallen müssen.

Von Tino Meyer und Sven Geisler, Regensburg

Impressionen vom Spiel Regensburg - Dresden Das Dynamo-Zeugnis

Zufrieden ist Maik Walpurgis (M), doch der 44-Jährige freut sich eher im Stillen.
Zufrieden ist Maik Walpurgis (M), doch der 44-Jährige freut sich eher im Stillen.

© Robert Michael

Regensburg. Weißes Hemd, weiße Schuhe und am Ende auch die sprichwörtlich weiße Weste – Maik Walpurgis ist der Mann des Abends bei Dynamos 2:0-Sieg beim SSV Jahn Regensburg. Drei Tage nach seinem Amtsantritt feiern die Dresdner unter dem neuen Cheftrainer ihren zweiten Saisonsieg – nach zuletzt drei Niederlagen hintereinander inklusive dem Pokalausscheiden beim Regionalligisten Rödinghausen.

Impressionen vom Spiel Regensburg - Dresden

Die Fragen zu einer durchaus turbulenten, ereignisreichen Partie.

Wie war die Premiere des neuen Dynamo-Trainers?

Mit einem Wort: erfolgreich, und zwar für alle Beteiligten. „Wir sind sehr froh, drei Punkte mitzunehmen. Und ich bin sehr froh, dass wir zu Null gespielt haben. Das ist immer ein großer Verdienst von allen Spielern“, sagt Walpurgis danach. Er redet ruhig, gefasst. Wenn er sich freut, dann innerlich. Für den 44-Jährigen sind es die ersten Zweitliga-Punkte überhaupt. In der Vorsaison hat er mit Ingolstadt die ersten drei Spiele verloren und ist daraufhin entlassen worden. Bei Dynamo erlebt Walpurgis nun den sogenannten Einstand nach Maß, den sich nicht zuletzt die sportliche Führung gewünscht hat.

Trainersuche und -findung sind schließlich nicht ganz geräuschlos verlaufen, vor allem im kritischen wie aufgeregten Vereinsumfeld ist die Verpflichtung von Walpurgis heftig diskutiert worden.

Was gab den Ausschlag für den am Ende ungefährdeten 2:0-Erfolg?

Glück, Geschick und eine zunächst konsequente, eine überaus effektive Chancenverwertung. „Wir haben jetzt nicht unbedingt verdient gewonnen“, sagt Torschütze Aias Aosman in ungeahnter Selbstkritik und bezeichnet sogar seinen Treffer zum 1:0 als glücklich, was sowohl auf den Zeitpunkt als auch die Art und Weise zutrifft. Hoffnungslos unterlegen wagt sich Rico Benatelli in der 22. Minute in den Strafraum. Er dribbelt, trickst, schießt – und abgeblockt von einem Regensburger landet der Ball eben bei Aosman. Nach einer halben Stunde trifft dann der Kopfball von Brian Hamalainen den Pfosten. Zwei Tore in einem Punktspiel gelingen Dynamo selten, aus nur drei Möglichkeiten ist das seit der Vorsaison eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Bis Freitagabend in Regensburg.

Das Dynamo-Zeugnis

1 von 14

Markus Schubert: 3

Sorgt mit einem gefährlichen Anspiel auf Hartmann für eine Zittereinlage, wird nicht ernsthaft geprüft.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Brian Hamalainen: 3

Wieder links in der Dreierkette, taucht aber auch vorn auf: Pech beim Kopfball an den Pfosten.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Marco Hartmann: 2

Spielt wie ein Libero, grätscht, braucht starke Stimmbänder, um lautstark zu dirigieren. Nach Krampf raus.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Dario Dumic: 3

Desorientiert bei der Großchance von Adamyan (vorbei – 41.), macht mit dem Tor zum 2:0 alles gut.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Niklas Kreuzer: 3

Bekommt seine Startelf-Chance, ihm fehlt manchmal die Abstimmung, bereitet mit Freistoß das 2:0 vor.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Rico Benatelli: 4

Soll ein stabilisierender Faktor sein, leistet sich aber einige Aussetzer. Als Lückenschließer dennoch wichtig.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Jannis Nikolaou: 2

Von der Innenverteidigung auf die zentrale Position gewechselt. Typ mannschaftsdienlicher Arbeiter.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Philip Heise: 3

Anfangs zurückhaltend, der Spielpartner scheint ihm zu fehlen. Nutzt später den Platz auch für seine Vorstöße.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Patrick Ebert: 3

Mit seinen spielerischen Fähigkeiten als verkappter Rechtsaußen fast verschenkt, findet sich aber immer besser rein und setzt Akzente.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Moussa Koné: 4

Die langen Bälle kommen nicht an, hat einen schweren Stand, ist früh genervt – Gelbe Karte – und lässt sich auch im Laufduell stoppen.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Aias Aosman: 2

Steht beim Tor auch deshalb genau richtig, weil er seine Rolle lauffreudig annimmt – erschöpft ausgewechselt.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Erich Berko: 3

Kommt rein und hat zwei gute Möglichkeiten.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Haris Duljevic: 3

Überraschend auf der Bank, spielt dann im Sturmzentrum, bereitet Berko-Chance vor.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Nicht zu bewerten:

Linus Wahlqvist. (SZ/-ler)

Kurz nach der Pause ist es Dario Dumic, der nach einem Freistoß von Niklas Kreuzer zum 2:0 trifft. Zuvor hat Regensburg zwei große Chancen vergeben. Und auch danach gibt es immer wieder hochkarätige Möglichkeiten für die Gastgeber – bei denen Torwart Markus Schubert jedoch nicht mal eingreifen muss.

Doch auch Dynamo verfällt noch in bekannte Nachlässigkeiten. Moussa Koné und Patrick Ebert lassen in der 57. Minute binnen 50 Sekunden ebenfalls zwei erstklassige Möglichkeiten ungenutzt. Nach 69 Minuten scheitert Koné an Philipp Pentke, dem Ex-Dynamo im Regensburger Tor. Zehn Minuten vor Schluss verpasst der eingewechselte Erich Berko das 3:0.

Was hat der neue Trainer personell geändert?

Nicht viel. Im Grunde genommen profitiert allein Niklas Kreuzer vom Trainerwechsel. Zum ersten Mal in dieser Saison steht der Außenverteidiger in der Anfangself. Auch Aias Aosman und Rico Benatelli sind von Beginn an dabei – dafür Haris Duljevic und Linus Wahlqvist, in den Vorwochen immer gesetzt, nur Ersatz. Walpurgis begründet das vor allem mit den Länderspieleinsätzen des Duos in den zurückliegenden anderthalb Wochen.

Neu auf der Bank: Patrick Wiegers. Dort hat der Ersatztorhüter zwar auch schon in den ersten Spielen gesessen, allerdings als Vertretung des verletzten Tim Boss. Der ist wieder fit, doch Wiegers steht erneut im Spieltagsaufgebot – und zwischen den Pfosten weiter der inzwischen zum U 21-Nationaltorhüter aufgestiegene Schubert. Auch das, sagt Walpurgis, ist keine grundsätzliche Entscheidung, sondern hat mit Boss’ Verletzungspause zu tun. Dass Marco Hartmann indes sofort wieder spielt, ist ein Indiz für den Stellenwert des Kapitäns.

Welche taktische Veränderungen hat Walpurgis vorgenommen?

Darüber hat auch Regensburgs Cheftrainer Achim Beierlorzer im Vorfeld lange gerätselt. Alles schien möglich: Dreierkette, Viererkette, Fünferkette, Doppelsechs und/oder zwei Angreifer. Die Lösung ist dann vergleichsweise simpel. Dynamo spielt taktisch unverändert, also mit Abwehrdreierreihe, die bei Ballbesitz des Gegners zur Fünferkette wird und vorne drin ein Angreifer als Einzelkämpfer. Das ist diesmal Koné – und der Begriff Einzelkämpfer wörtlich zu nehmen.

Weil Walpurgis dieses ohnehin auf defensive Stabilität ausgerichtete System fast durchweg ohne Offensivspieler aufgestellt hat, ist Koné weitgehend abgekoppelt vom Rest der Mannschaft. Die Schnelligkeit des Senegalesen kommt lange überhaupt nicht zur Geltung, und in den Zweikämpfen mit den aufmerksamen Regensburger Abwehrspielern ist er komplett unterlegen.

Überhaupt sind die ersten 20 Minuten bis zum Führungstreffer ein einziger Abwehrkampf. Dynamo hat große Probleme, aus der eigenen Spielfeldhälfte herauszukommen. Das Glück der Dresdner ist in zahlreichen Szenen allein die Regensburger Ungenauigkeit, selbst wenn der Druck der Gastgeber nach Aosmans Treffer zunächst deutlich nachlässt.

Nach der Pause und dem vorentscheidenden 2:0 drängen die Gastgeber auf den Anschluss, Dynamo kann kontern.

Was bedeutet der hart erkämpfte und trotzdem nicht unverdiente Erfolg?

Zunächst mal den zweiten Saisonsieg und damit etwas Abstand zu den Abstiegsplätzen. Vor allem aber sollte dieser Auswärtserfolg gehörigen Schwung und Mut für die schweren nächsten zwei Wochen bringen.

Schon am Dienstagabend bestreitet Dynamo das Nachholspiel gegen den Bundesliga-Absteiger Hamburger SV, am nächsten Samstag kommt die wiedererstarkte Mannschaft von Darmstadt 98. Und dann geht es in die nächste englische Woche mit dem Auswärtsspiel in Bochum sowie der Partie gegen Greuther Fürth.


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