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Dienstag, 12.06.2018

Gegner ohne Stars

Mexiko, Schweden, Südkorea – die deutsche Elf hat in der Vorrunde leichtes Spiel. Oder doch nicht?

Von Ralph Durry

Die mexikanischen Fans fallen bei der WM garantiert auf.
Die mexikanischen Fans fallen bei der WM garantiert auf.

© dpa

Von einer Hammergruppe kann natürlich keine Rede sein, ob es ein leichtes Los ist, muss sich allerdings erst zeigen. Denn die Gegner in der Vorrundengruppe F könnten für die deutsche Mannschaft durchaus unbequem sein. Los geht es am Sonntag, 17 Uhr, gegen Mexiko. In der Qualifikation machten die technisch versierten mexikanischen Kicker frühzeitig die 16. WM-Teilnahme perfekt, das siebente Mal in Folge. Der letzte Test ging allerdings in die Hose. „El Tri“ verlor in Dänemark mit 0:2. „Wir werden uns verbessern und an den Dingen arbeiten, die wir uns für das Spiel gegen Deutschland vorgenommen haben“, meinte Nationaltrainer Juan Carlos Osorio. „Ich glaube, dass wir Chancen haben.“

Der Kolumbianer wird in Mexiko sehr kritisch beurteilt. „Seine Ideen mögen modern und innovativ sein, aber das soll er dann mit der Nationalelf Kolumbiens machen, nicht mit der mexikanischen“, echauffierte sich der frühere Torjäger Hugo Sanchez. „Ein so symbolträchtiges Amt wie das des Nationaltrainers sollten wir Mexikaner nicht einfach so hergeben, denn wir haben hier fähige Trainer, die das machen können“, meinte der einstige Star von Real Madrid.

Einige Spieler sind aus der Bundesliga bekannt. Rekord-Torjäger Javier Chicharito Hernandez spielte erfolgreich bei Bayer Leverkusen, wechselte aber im Sommer 2017 zurück in die englische Premier League und trifft jetzt für West Ham United. Marco Fabian und Carlos Salcedo stehen bei Pokalsieger Eintracht Frankfurt unter Vertrag.

Einer der auffälligsten mexikanischen Spieler ist Hector Herrera vom FC Porto – nicht nur wegen seiner Segelohren, seiner Sturmfrisur und seiner schiefen Nase. Der Mittelfeldspieler gehört zu den wichtigen Eckpfeilern im Team. „Jeder kann sehen, was wir draufhaben und dass wir mit jedem Team der Welt mithalten können“, sagte Herrera schon voriges Jahr während des Confed Cups. Bei der Generalprobe scheiterte Mexiko erst im Halbfinale – mit 1:4 gegen Deutschland.

Der zweite Gegner kommt ohne seinen Superstar. Zlatan Ibrahimovic spielt nicht mehr für Schweden. Dabei hatte der grandiose Selbstdarsteller ja durchaus den Eindruck erweckt, als werde die WM gar nicht angepfiffen, wenn er daran nicht teilnehme. Tatsächlich wird der 36-Jährige in Russland sein – als gut bezahlter Repräsentant einer Kreditkartenfirma. „Eine WM ohne mich wäre keine WM“, sagt der Mann mit dem großen Ego.

„Wir müssen endlich anfangen, über die großartigen Spieler zu reden, die wir in dieser Mannschaft haben“, fordert Nationaltrainer Janne Andersson. Und Schwedens Fußball-Legende Kurt Hamrin erklärt: „Die Tatsache, dass er nicht mehr dabei ist, ermöglicht es jedem, zu wachsen und mehr Verantwortung zu übernehmen.“ Wozu sie in der Lage sind, haben die Schweden in den Play-offs bewiesen – und Italien die Reise nach Russland verbaut.

Schwierig einzuschätzen und zumindest auf dem Papier krasser Außenseiter ist Südkorea. Bei dessen Heim-WM 2002 hatte erst Michael Ballack mit seinem Siegtor für die deutsche Elf im Halbfinale die Welle der Euphorie gestoppt, die durchs Land geschwappt war. Doch 16 Jahre später sind Südkoreas Kicker nur ein Schatten von einst. Trainer Shin Tae-Yong hat einen Plan: „Mit einer Friss-oder-stirb-Einstellung auf dem Platz werden wir nicht einfach einbrechen, auch wenn unser Gegner Deutschland die Nummer eins der Welt ist.“ (sid)

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