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Mittwoch, 12.09.2018

Gegen Naturgewalten besser wappnen

Die Stege am Bärwalder See müssen angepasst werden. Die Kraft von Wind und Wellen sei nicht vorhersehbar gewesen.

Von Constanze Knappe

Der Sturm am 29. Oktober hatte die Plattform mit dem Leuchtturm von der Steganlage in Klitten losgerissen. Sie trieb dann etliche Meter entfernt im Wasser des Bärwalder Sees. In einer Notreparatur wurde der Turm gesichert und im Februar dieses Jahres wieder sicher verankert.
Der Sturm am 29. Oktober hatte die Plattform mit dem Leuchtturm von der Steganlage in Klitten losgerissen. Sie trieb dann etliche Meter entfernt im Wasser des Bärwalder Sees. In einer Notreparatur wurde der Turm gesichert und im Februar dieses Jahres wieder sicher verankert.

© Jens Trenkler

Boxberg. Mit der Übernahme von zehn Prozent der Kosten wird sich die Gemeinde Boxberg finanziell an der erforderlichen baulichen Anpassung der Schwimmsteganlagen an Wind und Wellen im Bärwalder See beteiligen. Das beschloss der Gemeinderat am Montagabend einstimmig. Bürgermeister Achim Junker wurde beauftragt, eine entsprechende Vereinbarung mit der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) in Senftenberg abzuschließen. Als Folgenutzer der Schwimmsteganlagen hat die Gemeinde in den Jahren 2018 bis 2020 einen Eigenanteil von voraussichtlich 202 000 Euro aufzubringen.

Am Klittener Ufer waren in den Jahren 2007/08 die Schwimmstege errichtet worden. Diese wurden während des Sturmtiefs „Herwart“ am 29. Oktober 2017 stark beschädigt, auch riss die Plattform samt Leuchtturm ab. Unter Wasser kam es zu weiteren Schäden an den Verankerungen der Anlagen auf dem Seeboden. Kurz darauf erfolgte eine Notsicherung. Im Februar 2018 wurde der Leuchtturm an seinem angestammten Platz wieder fest verankert.

Schon vor diesem Schadensereignis hatte die LMBV ein Gutachten über Wind, Wellen und Eisdruck erstellen lassen. Eigentlich vor dem Hintergrund, auf dem Bärwalder See Voraussetzungen für eine erweiterte Schifffahrt schaffen zu wollen. Das Gutachten lag im September 2017 vor. Es weist Kliffbildungen und Sedimenttransporte aus, aber auch Gefahrenpotenziale für die Schwimmsteganlagen – in Klitten ebenso wie in den Uferbereichen Boxberg und Uhyst. Im Gutachten werden deshalb geeignete Sicherungsmaßnahmen empfohlen. Und zwar kurzfristige.

Bei Sturm „Gefahr im Verzug“

„Im Bereich des Hafens Klitten besteht Gefahr im Verzug. Dort müssen wir schnellstens handeln. Wenn noch mal so ein Sturm kommt, könnte es passieren, dass er die ganze Anlage zusammenschiebt und noch größere Schäden hinterlässt“, bekräftigte Roman Krautz, der Seebeauftragte der Gemeinde, die Dringlichkeit. Bürgermeister Achim Junker schloss sich mit den Worten an: „Wir sollten uns dazu bekennen“. Zumal der Handlungsbedarf auch in Boxberg und Uhyst gegeben sei, wie er sagte.

Die Planungen hätten seinerzeit auf Annahmen von 2005 basiert. Den Planern von damals wolle er aber keine Vorwürfe machen. Da habe keiner ahnen können, wie hoch sich die Wellen auftürmen, so Roman Krautz. Inzwischen lägen Erfahrungswerte vor. „Man sieht an den Ausböschungen, welche Kräfte Wind, Wasser und Eis haben“, sagte er. Gemeinderätin Sigrun Hajdamowicz (CDU) sieht das ein bisschen anders. Für sie sei es nicht nachvollziehbar. „Es gibt doch Teststrecken, wo man das simulieren kann“, erklärte sie. Wenn sich die Gemeinde an den Kosten beteiligt, wolle sie die baulichen Maßnahmen vertraglich festgezurrt wissen. Das werde der Fall sein, bestätigte Roman Krautz. Auch werde eine wasserrechtliche Abnahme erfolgen.

Horst Jannack (Linke) kritisierte, dass es bei der Anpassung der Schwimmsteganlagen gemäß des besagten Wind- und Wellengutachtens um deren Ertüchtigung geht. Dabei würden sie seiner Ansicht nach schon jetzt nicht die Bedingungen erfüllen. „Wir brauchen Anlagen, die für die Schifffahrt geeignet sind“, erklärte er. Die Anlage in Uhyst zum Beispiel sei in diesem Jahr gar nicht nutzbar gewesen. Warum man den Steg noch erhält, sei für ihn die Frage. Das wollte Roman Krautz so nicht stehenlassen. Wegen etlicher Bürgeranfragen wisse er, dass der Schwimmsteg in Uhyst gewünscht und gebraucht wird. Im Interesse der touristischen Anbieter in der Gemeinde könne es nicht das Ziel sein, den Steg in Uhyst wegzukriegen, so der Seebeauftragte der Gemeinde Boxberg.

Abgesehen von der wegen der Naturgewalten notwendig gewordenen Anpassung der Schwimmstege gibt es am Bärwalder See auch geplante Bauvorhaben. Etwa die Errichtung des Funktionsgebäudes an der Marina in Klitten. Im Hafen stehen insgesamt 180 Liegeplätze zu Wasser und 30 an Land zur Verfügung. 93 davon waren 2017 neu hinzugekommen und sind seit dieser Saison nutzbar. Mit 180 000 Euro hatte sich die Gemeinde Boxberg am Bau der beiden neuen Schwimmstege beteiligt. Bootseigner aus dem In- und Ausland haben im Hafen Klitten einen Liegeplatz oder gehen dort vor Anker. Etliche von ihnen übernachten auf ihren Wohnbooten. Deshalb wird die LMBV auf der Schwimmsteganlage in Klitten ein Funktionsgebäude mit Sanitärräumen, Aufenthaltsraum und elektrischen Anlagen zur Stromversorgung der Boote errichten. Derzeit läuft die Ausschreibung dafür. Den Gemeinderat ließ die LMBV wissen, dass voraussichtlich von Mitte November dieses bis April nächsten Jahres gebaut wird.

Um Voraussetzungen für eine erweiterte Schifffahrt mit einem Fahrgastschiff auf dem Bärwalder See zu schaffen, sollen Anlanderampen in Klitten und Boxberg entstehen. Die Ausschreibung dafür wird derzeit vorbereitet und noch in dieser Woche veröffentlicht. Realisiert werden soll das Vorhaben etwa im gleichen Zeitraum wie das Funktionsgebäude.