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Dienstag, 07.08.2018

Geduldsprobe am gesperrten Terminal

Nach einem Sicherheitsproblem am Frankfurter Flughafen und einer Teilräumung verzögert sich für Tausende Passagiere der Start in den Urlaub. Chaos gibt es bei den Wartenden zwar nicht. Dafür aber Verwirrung und Anspannung.

Von Eva Krafczyk

Eine Polizistin und Passagiere stehen am Dienstagmittag in Halle A im Terminal 1 des Flughafens Frankfurt.
Eine Polizistin und Passagiere stehen am Dienstagmittag in Halle A im Terminal 1 des Flughafens Frankfurt.

© Boris Roessler/dpa

Frankfurt/Main. An diesem heißen Augusttag herrscht noch größeres Gedränge als sonst in Teilen des größten deutschen Flughafens. Nach einem Sicherheitsproblem und folgender Teilräumung stauen sich die Passagiere vor dem abgesperrten Teil in der Abflughalle A am Terminal 1. „Bitte gehen Sie zurück, die Halle ist gesperrt“, fordert ein junger Bundespolizist die Reisenden auf. Beamte bilden eine Kette vor dem rot-weißen Flatterband der Absperrung.

Einige Passagiere reagieren gleichmütig, andere genervt. Ängstlich wirkt niemand, auch das Wort „Sicherheitsvorfall“ weckt keine Besorgnis. „Letzten Monat in München war ja auch nur blinder Alarm“ sagt ein Reisender, der eigentlich nach Berlin wollte. Genervt kurvt eine andere Passagierin ihren voll beladenen Gepäckwagen zurück in die schnell wachsende Menschenmenge.

Flughafenmitarbeiter versuchen, das in Teilen der Halle zunehmend chaotische Gedränge so unter Kontrolle zu halten, dass Feuerwehrzufahrten offen bleiben. Obwohl es angesichts der Menschenmassen zunehmend stickig ist, scheint aber niemand zu schwächeln. Für durstige gestrandete Reisende gibt es Wasser, Saft und kleine Snacks.

Bei einigen setzt der Stress offenbar Beute-Instinkte frei: Eine Frau schnappt sich gleich ein halbes Dutzend Getränkepackungen von einem der Versorgungswagen. „Können Sie nicht wenigstens warten, bis ich hier alles aufgemacht habe?“, ruft ihr die Lufthansa-Mitarbeiterin empört hinterher.

Eine spanische Familie ist verwirrt, weil ihr Flug im gesperrten Terminalbereich nicht mehr auf der Abflugtafel steht. Ist der jetzt ohne die fünf Madrilenen gestartet? „Der Flug steht weiter am Gate und ist nur aus dem System genommen worden, bis es im Terminal wieder läuft“, beruhigt einer der zahlreichen Fraport-Mitarbeiter, die in den noch geöffneten Terminalbereichen die Wogen glätten. „Sie brauchen kein neues Ticket.“

Die Studentin Agnieszka aus dem polnischen Breslau dagegen ist genervt. „Ich bekomme überall unterschiedliche Informationen“, klagt sie. „Da drüben sagte man mir, ich muss ein neues Ticket buchen, und hier heißt es, das ist nicht nötig. Was stimmt denn nun?“

Andere Passagiere bangen am Lufthansa-Schalter um ihre Anschlussflüge. Je nach Umsteigezeiten könnte ihr Weiterflug unerreichbar sein, selbst wenn der Terminalbetrieb und die Abfertigung der Passagiere aufgenommen wird.

Ein Dutzend Passagiere konkurrieren schon jetzt um eine gute Startposition, wenn es wieder losgeht. Mit entschlossenen Gesichtern, das Gepäck strategisch gegen die Konkurrenz positioniert, sind sie bereit, Richtung Sicherheitskontrolle zu rennen. Das dichte Menschenknäuel scheint vor unterdrückter Spannung zu wabern.

Stressfreier Urlaubsbeginn sieht anders aus - zum Beispiel wie in einem abgelegenen Bereich, in den sich mehrere Familien mit kleinen Kindern zurückgezogen haben. Mit einem Kartenspiel, Bilderbüchern und Kuscheltieren findet der Beginn des Familienurlaubs eben auf dem Hallenboden statt.

Nach fast drei Stunden ist dann die ganze Aufregung wieder vorbei. „Der Betrieb wurde wieder aufgenommen“, berichtet die Bundespolizei auf Twitter. „Wir danken allen Passagieren und Flughafenmitarbeitern für ihr Verständnis und diszipliniertes Verhalten!“ Die ersten, ganz eiligen Passagiere sind schon losgestürmt - und auch die anderen machen sich nun doch noch auf den Weg zum Urlaubsflieger.

Später stellt sich heraus: Eine Familie war der Auslöser für die teilweise Sperrung. „Trotz positivem Sprengstofftest wurde eine vierköpfige französische Familie in den Sicherheitsbereich entlassen“, erklärte die Bundespolizei auf Twitter. Grund sei „der Fehler einer Luftsicherheitsassistentin“ gewesen. (dpa)

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