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Donnerstag, 13.09.2018

Gassi gehen mit Cesar und Bella

Seit sieben Jahren führt Marianne Mucke Hunde vom Tierheim Pirna aus. Das feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum.

Von Mareike Huisinga

Marianne Mucke führt ehrenamtlich die beide Hunde Cesar und Bella aus dem Pirnaer Tierheim Zum Streuner in Krietzschwitz aus. Foto: Daniel Schäfer
Marianne Mucke führt ehrenamtlich die beide Hunde Cesar und Bella aus dem Pirnaer Tierheim Zum Streuner in Krietzschwitz aus. Foto: Daniel Schäfer

© Daniel Schäfer

Pirna. Donnerstag, 8.30 Uhr. Dunkle Regenwolken hängen über dem Tierheim in Krietzschwitz. Marianne Mucke guckt trotzdem optimistisch in den Himmel und steigt aus ihrem Auto. Kurz danach begrüßt sie die Mitarbeiterinnen des Tierheimes. „Was gibt Neues?“, fragt sie. „Kater Rudi wurde jetzt vermittelt“, antwortet Angestellte Jana Fritze. Diese Nachricht zaubert sofort ein Lächeln auf das Gesicht von Marianne Mucke. Jedes Mal, wenn ein Tier aus dem Heim ein neues gutes Zuhause gefunden hat, freut sie sich mit.

Jetzt ist aber keine Zeit, um zu trödeln. Schnell schnappt sie sich die grüne Gießkanne und füllt die Trinknäpfe im Außenzwinger auf. Danach steckt sie sich die Taschen mit Leckerlis voll.

Die ersten wird sie schnell los. Denn der Terriermix Demon hat bereits ihre Ankunft gewittert und wedelt hoffnungsvoll mit dem Schwanz. Er wird nicht enttäuscht. Schnell verschwindet das Leckerli in seinem Maul. Mit großen schwarzen Augen schaut er Marianne Mucke voller Erwartung an. Die holt sich Leine und Maulkorb für ihn, schon geht es los in Richtung Wald an der Viehleite. Der Hund zieht kräftig, das Schnuppern scheint für Demon das Schönste zu sein. So viele verschiedene Gerüche in der freien Natur ...

Seit sieben Jahren hilft Marianne Mucke aus Dresden in dem Pirnaer Tierheim in Krietzschwitz mit. Sie ist ehrenamtliche Gassigeherin und verhilft den Tieren somit zu viel Bewegung. Bewegung, die die Hunde brauchen. Warum engagiert sie sich? „Ich mag Tiere. Besonders Hunde geben sehr viel zurück und sind treu“, erzählt die 65-Jährige, die als Obstbaumeisterin noch bis vor Kurzem in Borthen gearbeitet hat. Hier, im Tierheim, hat sie das Gefühl, gebraucht zu werden. Schließlich können die drei Festangestellten einen täglichen Spaziergang aller Hunde nicht leisten, dazu ist die Zeit zu knapp.

Deshalb kommt Marianne Mucke jeden Donnerstag, den Job macht sie seit sieben Jahren. Sie ist eine von 15 ehrenamtlichen Gassigehern. Weitere werden gesucht, sagt Mitarbeiterin Jana Fritze. Um alleine mit einem Vierbeiner loszugehen, müssen die Interessenten vorher einen „Hundeführerschein“ machen. In einem anderthalbstündigen Lehrgang wird ihnen Basiswissen über die Tiere nähergebracht und das Verhalten von Hunden erklärt.

Marianne Mucke fühlt sich eng mit dem Pirnaer Tierheim verbunden. Angefangen hatte alles mit einer Spende von ihr, sie ist dem Heim treu geblieben. Ihre eigene Hündin Lisa stammt ebenfalls aus dem Tierasyl in Krietzschwitz. „Tierheime sind wichtig. Wo sollte sonst zum Beispiel ein Hund hin, wenn dessen älterer Besitzer ganz plötzlich verstirbt?“, fragt sie.

Kein Tierheimfest verpasst die Helferin. Das nächste wird am 22. September gefeiert. Es gibt einen besonderen Anlass: Die Einrichtung wurde vor 20 Jahren gegründet. Seit dieser Zeit hat das Pirnaer Heim zirka 4 500 Katzen, rund 1 600 Hunde sowie 1 100 Kleintiere vermittelt. Darunter gab es einige Exoten, so wie der hübsche Papagei, der erst vor Kurzem einem Autohaus in Pirna-Neundorf zugeflogen ist. Der Besitzer fing den Vogel ein und brachte ihn ins Tierheim.

Ein besonders tragischer Fall war die Hündin Nami, die in einer Heidenauer Wohnung von den Besitzern nach deren Auszug einfach zurückgelassen wurde, ohne Futter und Wasser. Nachbarn alarmierten die Behörden. Völlig unterernährt kam Nami ins Tierheim, wurde aufgepäppelt und hat jetzt ein neues Zuhause gefunden (SZ berichtete).

Nicht alle Fälle gehen so glücklich aus. „Eine Rassekatze wurde zu spät gefunden. Sie war total vermadet und musste eingeschläfert werden“, berichtet Kerstin Löbel vom Tierschutzverein Pirna und Umgebung, dem Träger des Heimes. Staatliche Gelder erhält die Einrichtung nicht. Sie finanziert sich hauptsächlich von Mitgliedsbeiträgen, Spenden sowie Vermittlungsgebühren für Tiere. Erst vor Kurzem übergaben ehemalige Abiturienten des Beruflichen Schulzentrums Pirna dem Heim eine Spende von knapp 800 Euro.

Abgesehen von Geldsorgen bereitet den Mitarbeitern die neue Zuwegung zum Heim Kopfzerbrechen. Die Zufahrt erfolgt nicht mehr von der Bundesstraße 172, sondern vom Tal her über die Weinleite hoch. „Trotz der Ausschilderung finden nicht alle den Weg. Dadurch haben wir merklich weniger Besucher“, erklärt Kerstin Löbel.

Marianne Mucke nickt. Auch sie kennt diese Problematik. „Viele haben die neue Zuwegung noch nicht registriert“, meint sie. Mittlerweile ist sie mit Demon wieder am Tierheim angelangt. Der darf jetzt in dem großen Außenzwinger herumspringen. Für Marianne Mucke ist aber noch kein Feierabend. Jetzt sind Cesar und Bella an der Reihe. Auch sie bekommen zuerst ihr Leckerli, dann an die Leine und ab in den Wald. Als sich Marianne Mucke schließlich eine halbe Stunde später mit Extra-Streicheleinheiten für ihre Lieblinge verabschiedet, ist bereits klar: Nächsten Donnerstag kommt sie wieder.

Benefizkonzert mit Sängerin Marion Fiedler für das Tierheim Pirna, am 16. September um 15 Uhr, Kirche Pirna-Sonnenstein. Dr.-Benno-Scholze-Straße 40, Eintritt frei, um Spenden werden gebeten.

Tierheimfest, am 22. September, ab 11 Uhr, Tierheim in Krietzschwitz mit u. a. Tombola, Hundewanderungen