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Donnerstag, 08.11.2018

Für 37 Millionen Euro wird der Tunnel saniert

Baubeginn ist im Mai 2022. Gefahren wird dann auf der A4 im Zweirichtungsverkehr.

Von Frank-Uwe Michel

So laufen die Bauarbeiten ab

Auf diesem Bild wird der A-4-Tunnel Königshainer Berge gewartet. Zwischen Mai 2022 und Oktober 2024 soll er umfassend saniert und auf den neuesten sicherheitstechnischen Stand gebracht werden.
Auf diesem Bild wird der A-4-Tunnel Königshainer Berge gewartet. Zwischen Mai 2022 und Oktober 2024 soll er umfassend saniert und auf den neuesten sicherheitstechnischen Stand gebracht werden.

© /André Schulze

Nun ist die Katze endlich aus dem Sack. Am Dienstagabend informierte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) in einer Bürgerveranstaltung in Nieder Seifersdorf über den Stand der Vorbereitung zur geplanten Sanierung des Autobahntunnels Königshainer Berge. Die SZ skizziert die Gründe für die größte Instandhaltungsmaßnahme an dem Bauwerk und sagt, wie das Baugeschehen nach aktuellem Erkenntnisstand ablaufen soll.

So laufen die Bauarbeiten ab

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Warum ist die Generalsanierung überhaupt notwendig?

Der 3,3 Kilometer lange Tunnel ging 1999 nach dreijähriger Bauzeit in Betrieb. Seitdem wurden in regelmäßigen Abständen Wartungen durchgeführt, nach Katastrophen wie dem Lkw-Brand 2013 auch größere Reparaturen. Nach rund 20-jähriger Betriebszeit ist eine Komplettsanierung jetzt unumgänglich. Und zwar aus mehreren Gründen. Errichtet wurde der Tunnel nach der damals gültigen Tunnelbaurichtlinie von 1994. 2006 justierte die EU diese Verordnung nach und mit jedem Unfall oder Brand in einem europäischen Tunnel kamen neue sicherheitstechnische Aspekte hinzu. „Seit 2011 haben wir deshalb scheibchenweise vorgezogene Sanierungsmaßnahmen durchgeführt – unter anderem den Austausch von Lüftern, den Aufbau des digitalen BOS-Funks und den Austausch von Stromversorgung und Batterien“, erklärt Wolfram Damm, Referatsleiter Verkehrstechnik und für dieses Projekt beim Lasuv verantwortlich. Von den rund 30000 Fahrzeugen, die den Tunnel täglich passieren, entfallen 30 Prozent auf den Schwerlastverkehr. „Damit ist diese Route inzwischen der Haupttransportweg nach Osteuropa. Der Anteil havarierter Lkw im Tunnel ist hoch. Oft fehlen nur ein paar Liter Sprit im Tank, um die nächste Tankstelle in Polen zu erreichen“, so Damm weiter. Bereits vor mehr als zehn Jahren habe man deshalb mit der Planung für die Komplettsanierung begonnen.

Welchen Zeitrahmen hat man sich für die Sanierung gesteckt?

Entgegen anders lautender Äußerungen, nach denen die Arbeiten bereits 2019 beginnen sollten, wird jetzt mit dem Sanierungsbeginn im Mai 2022 gerechnet. Beendet werden soll die Baumaßnahme im Oktober 2024. Voraussetzung ist die Bestätigung des vorliegenden Bauentwurfs und der geplanten Finanzmittel durch den Bund. „Das erhoffen wir uns für Anfang 2019“, so Wolfram Damm. Danach beginne das Vergabeverfahren. Zudem müsse die Werkstoff- und Montageplanung abgeschlossen sein – als Voraussetzung für die Bestellung benötigter Spezialteile. „Alles, was während des Baus passiert, muss untersetzt sein.“

Wie sollen die Bauarbeiten nun konkret ablaufen?

Laut Projektleiter Damm wird im Mai 2022 mit der Ertüchtigung der Südröhre für den Gegenverkehr begonnen. Die ist notwendig, weil während der Bauphase in der jeweils anderen Röhre in beiden Richtungen gefahren werden soll, um den Umleitungsverkehr so gering wie möglich zu halten. Allein für diese Arbeiten plant das Lasuv 5,6Millionen Euro ein. Hierbei wird unter anderem die Einfahrtsbeleuchtung in den Portalen verändert. Die offenen Querschläge müssen verschlossen und mit Fluchttüren ausgestattet werden. Überdies sind hochsensible Rauchsensoren und der Einbau von Sperranlagen vorgesehen. Von November 2022 bis April 2023 herrscht Bauruhe im Tunnel. Nach Ostern wird die Südröhre auch für den Gegenverkehr in Betrieb genommen. In der Nordröhre wird dann bis Oktober 2023 gebaut. Wolfram Damm nennt für die Ausstattung ein paar Beispiele: Die nicht mehr zeitgemäßen und stromfressenden Natriumdampflampen werden gegen LED-Beleuchtung ausgetauscht. Darüber hinaus bekommt die Nordröhre neue Lautsprecheranlagen, optische Leiteinrichtungen, neue Verkehrstechnik und Umweltsensorik. Die analoge Videotechnik wird gegen digitale ausgetauscht, Kameras gibt es künftig alle 50 bis 70 Meter. Insgesamt rechnet Damm mit mehr als 100 Kilometern neu verlegter Kabel und Trassen. Zudem soll eine helle Tunnelwandbeschichtung für ein subjektiv angenehmeres Fahrgefühl sorgen. In der von November 2023 bis April 2024 dauernden Winterruhe befinden sich wieder beide Röhren im Verkehrsbetrieb. Anschließend wird bis Ende Oktober nach dem Vorbild der Nordröhre die Südröhre saniert, in der Nordröhre fließt dann der Verkehr. Insgesamt rechnet das Lasuv mit Kosten von 37 Millionen Euro.

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