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Donnerstag, 08.11.2018 Im Gespräch

„Frühes Aussortieren dürfen wir nicht zulassen“

Die Schulleiterin der Pestalozzi-Oberschule Hartha ist für Gesamtschulen. Der DA sprach mit Kerstin Wilde.

Kerstin Wilde, Schulleiterin der Pestalozzi-Oberschule Hartha.
Kerstin Wilde, Schulleiterin der Pestalozzi-Oberschule Hartha.

© André Braun

Hartha. Die Schulleiterin der Harthaer Pestalozzioberschule Kerstin Wilde ist bekannt für ihre innovativen Ideen sowohl bei der Unterrichtsgestaltung als auch bei der Leitung der Schule. Für sie ist es wichtig, dass sich die Kinder und Jugendlichen Wissen und Fähigkeiten aneignen, die sie im Leben, im Alltag benötigen. Grundsätzlich geht Kerstin Wilde davon aus, dass jedes Kind und jeder Jugendliche Stärken hat und diese gefördert werden können. Die erfahrene Pädagogin setzt sich für die Gesamtschulen in Sachsen ein. Sie hat bei der SPD-Fraktion schon entsprechende Formulare besorgt und wird sie an die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Friedel übergeben.

Frau Wilde, warum sind Sie für eine Gesamtschule?

Es darf nicht sein, dass Menschen, hier sind es Kinder und Jugendliche, sortiert werden. Jeder hat seine Stärken und die müssen herausgearbeitet werden. Kinder bekommen schon mit neun oder zehn Jahren Druck von den Eltern, weil sie wollen, dass ihr Kind auf das Gymnasium geht. Nachhilfeunterricht wird teilweise verordnet. Doch Druck macht Angst und diese erzeugt Lernfrust. Und genau so soll es nicht sein. Die Schüler sollen Freude daran haben, sich neues Wissen anzueignen.

Schulen sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Es darf nicht sein, dass schon frühzeitig separiert wird. Das ist für die Heranwachsenden mit vielen Emotionen verbunden. Sie fühlen sich abgestempelt. Das dürfen wir nicht zulassen.

Wie erleben Sie im Schulalltag, dieses Aussortiertsein von Kindern und Jugendlichen?

Es kommt häufiger vor, dass Fünftklässler mir erzählen, ihr Freund habe keine Zeit mehr für sie, weil er aufs Gymnasium gehe und er müsse in der Oberschule sein. Der Ruf der Oberschule hat sich in den letzten Jahren schon enorm verbessert. Es kommen auch Kinder zu uns, die eine Bildungsempfehlung für das Gymnasium haben. Es gibt für die Bildungswege keine Sackgassen mehr. Wer sich schulisch und beruflich weiterentwickeln will, hat viele Chancen.

Worin sehen Sie den Vorteil im längeren gemeinsamen Lernen?

Die Leistungsstärkeren ziehen die Schwächeren mit. Die Kinder und Jugendlichen motivieren sich selbst und untereinander. Ihnen wird kein Stempel aufgedrückt, wohin sie gehören. Das stärkt auch das Selbstbewusstsein.

Welche pädagogischen Möglichkeiten sehen Sie, um sowohl den leistungsstärkeren als auch den -schwächeren Schüler zu erreichen?

Es müssen zum Beispiel verschiedene Lerngruppen entsprechend des Leistungsniveaus der Schüler gebildet werden. Ich kann mir auch einen klassenübergreifenden Unterricht bis zur Klasse 8 vorstellen. Ich denke da an Lernateliers oder Lernwerkstätten. Das ist jetzt schon möglich. Jeder kann sich dann entsprechend seiner Fähigkeiten entfalten.

Es fragte: Sylvia Jentzsch

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