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Mittwoch, 14.02.2018

Freund und Bedrohung zugleich

Wenn der wichtigste Bündnispartner zugleich als zweitgrößte Bedrohung für den Frieden angesehen wird: Der Sicherheitsreport 2018 zeigt, wovor sich die Deutschen fürchten.

Der Ruf des US-Präsidenten spielt eine wichtige Rolle bei der Bewertung der USA als globales Sicherheitsrisiko.
Der Ruf des US-Präsidenten spielt eine wichtige Rolle bei der Bewertung der USA als globales Sicherheitsrisiko.

© Evan Vucci/AP/dpa

Berlin. Die Deutschen sehen die USA zugleich als wichtigsten Bündnispartner und als zweitgrößte Bedrohung für den Frieden weltweit an. Das geht aus dem Sicherheitsreport 2018 hervor, einer repräsentativen Studie mit 1 200 Teilnehmern, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag eines privaten Beratungsinstituts durchgeführt hat.

Dass die USA in der Liste der Länder, die nach Ansicht der Befragten den Weltfrieden bedrohen, so weit oben stehen - vor dem Iran, der Türkei und Syrien - werteten die Studienmacher als sehr auffällig. Hier spiele der Ruf des US-Präsidenten Donald Trump eine signifikante Rolle. Insgesamt machten sich die Menschen aktuell jedoch „deutlich weniger Sorgen um ihre Sicherheit als noch 2016“, betonten die Studienmacher. Allerdings bewege sich die Angst vor Terrorismus und Gewaltverbrechen weiter auf hohem Niveau.

Als größte Bedrohung für die äußere Sicherheit Deutschlands sahen die Teilnehmer die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an. 74 Prozent der Befragten machten diese Angabe. Etwa die Hälfte der Befragten bezeichnete den Nordkorea-Konflikt als größte Bedrohung. Zudem sahen die Teilnehmer der Umfrage Nordkorea (73 Prozent) und die USA (40 Prozent) als die Staaten an, die die größte Bedrohung für den Weltfrieden darstellten.

Dass Deutschland in militärische Auseinandersetzungen verwickelt werden könnte, fürchteten nur 18 Prozent. In der Erhebung 2016 hatten noch 24 Prozent diese Sorge geäußert.

Dass die Bundeswehr für so einen Fall überhaupt vorbereitet wäre, glauben laut Sicherheitsreport nur wenige. Gerade einmal 22 Prozent der Befragten schätzten die Ausstattung und Einsatzfähigkeit der Bundeswehr als gut oder sehr gut ein. Dafür stieg das Vertrauen in die Nato. 45 Prozent gaben an, großes oder sehr großes Vertrauen in das Militärbündnis zu haben - eine Zunahme von sechs Prozentpunkten im Vergleich zu 2016.

Bemerkenswert nannte es Renate Köcher vom Allensbach-Institut, dass die Akzeptanz privater Sicherheitsdienste im Vergleich zu 2006 gesunken sei. Den Schutz solle ganz klar der Staat gewährleisten: „Das heißt auch, dass die Erwartungen an den Staat hoch sind“, sagte sie. Mehr als zwei Drittel der Befragten wünschten sich mehr Investitionen in die Ausstattung der Polizei. „Die Polizei wird als enorm wichtig gesehen“, sagte Klaus Schweinsberg, Gründer des Beratungsinstituts Centrum für Strategie und höhere Führung, am Mittwoch in Berlin.

Ein Vergleich der Befunde mit vorangegangenen Erhebungen sei nur bedingt möglich, sagte ein Sprecher des privaten Beratungsinstituts. Die im Report 2018 abgefragten Ängste der Deutschen, wie mögliche Konsequenzen des Nordkorea-Konflikts, seien 2016 noch nicht prominent erfasst worden.

Die im Sicherheitsreport erfasste Angst der Deutschen vor Terrorismus zeigt sich auch bei Kindern. Das geht aus der 4. World Vision-Studie hervor, die die Erfahrungen von Kindern mit Familien, Freunden und Schule erfasst, aber auch nach Ängsten und Hoffnungen fragt. 73 Prozent der 10 bis 11-Jährigen äußerten Angst vor einem Terroranschlag, wie die Studienleiterin Sabine Andresen von der Goethe-Universität Frankfurt der „Zeit“ (Donnerstag) sagte. (dpa)

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