• Einstellungen
Donnerstag, 12.07.2018

Freitals Dreisatz für mehr Wirtschaftskraft

Das Technologiezentrum ist fast komplett vermietet. Deswegen rücken jetzt zwei andere Flächen in den Fokus.

Von Tobias Winzer

Bild 1 von 3

Im Freitaler Technologiezentrum haben sich mittlerweile 40 Firmen mit 225 Arbeitsplätzen angesiedelt.
Im Freitaler Technologiezentrum haben sich mittlerweile 40 Firmen mit 225 Arbeitsplätzen angesiedelt.

© Andreas Weihs

Im Technologiepark ist nur noch ein Grundstück nicht verkauft. Deswegen wird er jetzt erweitert.
Im Technologiepark ist nur noch ein Grundstück nicht verkauft. Deswegen wird er jetzt erweitert.

© Karl-Ludwig Oberthür

An der Coschützer Straße entsteht Platz für weitere Firmen.
An der Coschützer Straße entsteht Platz für weitere Firmen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Freitals Wirtschaft ist im Aufschwung. In seiner jüngsten Sitzung hat der Stadtrat den Weg zur Erschließung eines neuen Gewerbegebietes an der Coschützer Straße freigemacht. Auf rund 16 000 Quadratmetern sollen sich dort neue Firmen ansiedeln und für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in Freital sorgen.

Doch das Vorhaben ist nur einer von drei Bausteinen, mit denen die Wirtschaftskraft der Stadt gestärkt wird. Die Sächsische Zeitung erklärt die Strategie, die dahintersteckt.

Erster Baustein: Technologiezentrum ist beinahe komplett vermietet

Das Ende 2013 eröffnete Technologiezentrum an der Dresdner Straße hat sich zur Erfolgsgeschichte für Freital entwickelt. „Wir sind jetzt praktisch voll vermietet. Mehr geht fast nicht“, sagt Alexander Karrei, Geschäftsführer der städtischen Betreibergesellschaft TGF. Derzeit sind seinen Angaben nach rund 93 Prozent der insgesamt 10 000 Quadratmeter vergeben. Unter den noch freien Flächen sind sogenannte Optionsflächen, die sich Mieter für eine eventuelle Erweiterung reserviert haben. Außerdem werde wegen einer noch freien Fläche konkret mit einem Interessenten verhandelt, so Karrei.

Der gute Vermietungsstand geht zu einem großen Teil auf Unternehmen zurück, die im Laufe der Zeit im Technologiezentrum immer mehr gewachsen sind. Der Anlagenhersteller EKF hat sich zum Beispiel von anfänglich 459 Quadratmetern auf 1 618 Quadratmeter vergrößert. Es ist damit das größte im Technologiezentrum ansässige Unternehmen. Die Firma Watttron aus der Verpackungsbranche hat sich von anfänglich 59 auf rund 400 Quadratmeter vergrößert. „Das zeigt, dass es den Firmen gut geht“, sagt Karrei.

Der sehr gute Vermietungsstand spiegelt sich auch in der Bilanz des Technologiezentrums wieder. Das jährliche Minus ist von 367 000 Euro im Jahr 2016 auf 155 000 Euro im Jahr 2017 gesunken und soll sich 2018 bei 120 000 Euro bewegen. Langfristig sei es das Ziel, so Karrei, ins Plus zu kommen. Damit sollen die anfänglichen Verluste des Zentrums bis zum Jahr 2031 wieder ausgeglichen werden.

Doch auch wenn das Technologiezentrum derzeit noch keinen Gewinn macht, ist der Gewinn für Freital schon spürbar. Im Technologiezentrum arbeiten mittlerweile 225 Menschen bei 40 Firmen. Sie alle verdienen Geld in Freital und geben es zum Teil auch in der Stadt wieder aus. Die Geschäfte und damit die Freitaler Wirtschaft profitieren somit indirekt vom Technologiezentrum und -park. Außerdem kommen Freital die Einkommensteuern zugute, die die in Freital wohnenden Arbeitnehmer zahlen müssen.

Mittlerweile werfen die Unternehmen, die sich im Technologiezentrum und im Technologiepark angesiedelt haben, auch Gewerbesteuer ab. Nach Angaben des Rathauses sind das 95 000 Euro jährlich – Tendenz steigend.

Zweiter Baustein: Etliche Interessenten für erweiterten Technologiepark

Ähnlich erfreulich stellt sich die Entwicklung im Technologiepark an der Umgehungsstraße dar. In dem Gewerbegebiet, das anstelle der Windbergarena entstand, gibt es derzeit noch ein freies Grundstück. Dort will die Maschinenbaufirma Torsten Meißner, derzeit noch Mieter im Technologiezentrum, einen Firmensitz bauen. Es wäre die erste Firma, die vom Technologiezentrum in den Technologiepark zieht. Ein weiteres Grundstück wird in diesem Jahr bebaut. Ein Landschaftsbau-Unternehmen verlegt seinen Firmensitz von Dresden nach Freital. Insgesamt haben sich im Technologiepark bislang acht Unternehmen mit 50 Arbeitsplätzen angesiedelt.

Weil der Platz knapp wird, haben im Frühjahr die Bauarbeiten zur Erweiterung des Gewerbegebietes zwischen Umgehungsstraße und Bahngleisen begonnen. Auf der Erweiterungsfläche sind auf 33 000 Quadratmetern insgesamt 14 Firmengrundstücke geplant. Erschlossen werden sollen sie von West nach Ost, sodass Ende des dritten Quartals 2018 die ersten Parzellen bebaut werden können. 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Laut Karrei gibt es derzeit konkrete Verhandlungen zu rund einem Drittel der Flächen. Darunter sind Firmen aus verschiedenen Branchen, darunter auch Mieter aus dem Technologiezentrum. Sollten diese tatsächlich umziehen, wäre im Technologiezentrum wieder Platz für neue Existenzgründer.

Weil die TGF für die Erschließung des Gewerbegebietes eine großzügige Förderung vom Freistaat bekommen hat, kann sie die Grundstücke relativ günstig für 55 bis 57 Euro pro Quadratmeter anbieten und so Firmen vor allem aus Dresden nach Freital locken. Bislang ist dieser Plan aufgegangen. Gerade einmal ein Unternehmen im Technologiezentrum und ein Unternehmen im Technologiepark sind innerhalb Freitals dorthin umgezogen.

Die anderen Unternehmen sind neu in die Stadt gekommen und haben dadurch zusätzliche Arbeitsplätze in Freital geschaffen. Sie sorgen für zusätzliche Steuereinnahmen.

Dritter Baustein: Industriebrache als Reserve für neue Unternehmen

Weil sich abzeichnet, dass auch der Verkauf der Flächen im erweiterten Technologiepark gut laufen wird, hat die Betreiberfirma TGF das nächste Grundstück ins Auge gefasst. Zwei Grundstücke an der Coschützer Straße, die derzeit noch verwildert und mit verwaisten Produktions- und Lagerhallen bebaut sind, sollen ab 2020 beräumt, saniert, erschlossen, parzelliert und an Existenzgründer sowie klein- und mittelständische Unternehmen verkauft werden. Der Stadtrat hat Ende Juni den Weg für den Kauf eines der Grundstücke für 100 000 Euro frei gemacht. Das andere Grundstück gehört bereits der Stadt Freital.

3,2 Millionen sind für die Erschließung kalkuliert. Der Fördersatz kann bis zu 85 Prozent betragen, sodass die TGF einen Eigenanteil von knapp 800 000 Euro aufbringen muss. Die Investitionskosten sollen über den Verkauf der Grundstücke wieder eingespielt werden. Dass das Interesse an Flächen in Freital groß ist, zeigen die Reaktionen auf einen Artikel in der Sächsischen Zeitung über dieses geplante Gewerbegebiet. Wie Karrei berichtet, habe sich daraufhin bereits ein Interessent für eines der Grundstücke gemeldet. Nun sind Verhandlungen geplant.

Desktopversion des Artikels