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Freitag, 15.06.2018

Freital trocknet aus

Wärmerekorde, Trockenheit, Pflanzen in Not: Was ist los mit dem Wetter? Und wo bleibt bloß der Regen?

Von Christoph Springer, Annett Heyse und Tobias Winzer

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat es viel zu selten geregnet. Das macht sich vor allem auf großen Rasenflächen bemerkbar, die nicht künstlich bewässert werden können – wie hier am Freitaler Busbahnhof.
In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat es viel zu selten geregnet. Das macht sich vor allem auf großen Rasenflächen bemerkbar, die nicht künstlich bewässert werden können – wie hier am Freitaler Busbahnhof.

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Es fehlt Regen. Er sollte lange anhalten, gleichmäßig sein und eine möglichst große Fläche treffen. Nur das kann gegen die Trockenheit helfen, die die Bäche austrocknen lässt und gegen die Profi- und Hobbygärtner seit Wochen kämpfen. Diese Ansicht vertritt Thomas Hain, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig. „Wir brauchen einen richtigen Landregen“, sagt der Fachmann. Doch es kommt anders. Das liest er aus seinen Wetterkarten.

Große Hitze: Feuchtigkeit verdunstet viel zu schnell

April und Mai stellten im benachbarten Dresden neue Wärmerekorde auf. Seit Beginn der Temperaturaufzeichnung auf dem Flughafengelände in Klotzsche im Jahr 1961 war es in diesen zwei Monaten noch nie so heiß wie 2018.

Auch der Wetterverein Zinnwald vermeldet Rekordverdächtiges für die Region. Der Mai lag insgesamt vier Grad Celsius über dem Mittelwert. Dazu gab es im Tiefland eine stark überhöhte Zahl an Sommertagen, an denen das Thermometer über 25 Grad stieg, und an Hitzetagen mit einem Maximum über 30 Grad. Die Sonne schien um 30 Prozent länger als klimatisch gewohnt. Das bedeutet, es verdunstet zu viel Wasser. „Das sind bei der jetzigen Vegetation in Abhängigkeit vom Sonnenstand sechs bis acht Liter pro Tag und Quadratmeter“, sagt Wetterexperte Thomas Hain.

Der Mai war also einer der wärmsten, trockensten und sonnigsten Wonnemonate seit den Aufzeichnungen.

Zu wenig Niederschlag: Zwei Monate waren viel zu trocken

Der Deutsche Wetterdienst misst die Regenmengen. Das Ergebnis: „Wir haben viel zu wenig Regen.“ Hain kann aus einer Tabelle ablesen, wie sich die Niederschlagsmenge in diesem Jahr entwickelt hat. Dabei fällt auf, dass der Februar und der Mai viel zu trocken waren. Im Februar gab es nur zehn Prozent des üblichen Niederschlags, im Mai gerade mal 44 Prozent. Bis auf den April mit 117 Prozent lagen auch alle anderen Monate dieses Jahres unter dem statistischen Soll. Inzwischen ist der Boden so trocken, dass auch ein kräftiges Gewitter nicht helfen kann. „Die Erde kann das Wasser gar nicht so schnell aufnehmen“, sagt Thomas Hain.

Keine Änderung: Die Hochs und Tiefs bewegen sich kaum

Unser Wetter wird seit Monaten durch häufig sehr hohen Luftdruck über Nordeuropa und tiefen Luftdruck über dem Mittelmeerraum geprägt. Das führt dazu, dass aus dem Osten relativ trockene Luftmassen zu uns kommen. Dort gibt es keine Wasserflächen, deshalb ist die Luft relativ trocken. Außerdem ist in der höheren Atmosphäre kaum Bewegung. Thomas Hain erklärt: „Wo Gewitter sind, stehen sie deshalb.“ Das heißt, der Regen zieht nicht übers Land, die Wassermassen regnen an einem festen Ort ab. So entstehen Überschwemmungen.

Gefahr im Wald: Brände können schlimme Folgen haben

In den vergangenen drei Tagen ist die Waldbrandgefahr gesunken. Der Staatsbetrieb Sachsenforst prognostiziert aber eine wieder steigende Gefahr in den nächsten Tagen.

Die Wasservorräte: Versorgung mit Trinkwasser gesichert

Beim Trinkwasserversorger Weißeritzgruppe in Freital schaut man zuversichtlich auf die Sommerzeit. „Die Talsperren sind trotz der Trockenperiode gut gefüllt“, sagt Geschäftsführer Frank Kukuczka. Der Verbrauch steigt mit den Temperaturen. An normalen Tagen pumpt die Wasserversorgung etwa 6 000 Kubikmeter ins Freitaler Netz. An Spitzentagen im Mai dieses Jahres waren es bis zu 12 000 Kubikmeter täglich. Häufiger Duschen, das Planschbecken füllen, verschwitze T-Shirts waschen – im Schnitt steigt der Pro-Kopf-Verbrauch an solchen Hitzetagen auf 110 Liter Wasser. Normalerweise liegt der Verbrauch bei 82 Liter je Einwohner. Der Großteil des zusätzlich benötigten Wassers geht allerdings fürs Grün drauf: „Wir schätzen, dass gut 80 Prozent dieses Mehrbedarfs fürs Gießen der Balkonpflanzen und Gärten verwendet wird“, sagt Frank Kukuczka.

Die Gewässer: Ebbe in den Flüssen und Bächen

Wenig Regen, wenig Wasser – vor allem anhand des Wasserspiegels in den Gewässern der Region wird die Hitze- und Trockenperiode sichtbar. So führt die Weißeritz in Freital schon seit Mitte Mai Niedrigwasser, der Pegel nahe des Zusammenflusses von Roter und Wilder Weißeritz in Hainsberg liegt gerade noch bei 39 Zentimetern. Normalerweise werden hier um die 52 Zentimeter gemessen. Den kleineren Flüssen geht es nicht viel besser. An der Wilden Sau in Wilsdruff liegt der Wasserstand bei acht statt der durchschnittlich 16 Zentimeter, der Lockwitzbach in Kreischa hat nur noch sechs Zentimeter Wasserhöhe.

Stress fürs Obst: Erdbeeren leiden unter Wassermangel

Sonne und Wärme – eigentlich müsste alles gut sein auf den Erdbeerfeldern rund um Pesterwitz. Und zum Saisonauftakt Ende Mai hingen die Pflanzen auch voller dicker roter Früchte. Doch Erdbeeren brauchen auch regelmäßig Wasser. „Am besten ist es, wenn es nachts sanft regnet und tagsüber die Sonne scheint“, sagt Lars Folde vom Gutshof Pesterwitz. Auf keinen Fall tut dem Obst ein heftiger Gewitterguss mit schweren Wassertopfen oder gar Hagel gut. Folde: „Davon werden die Beeren nur beschädigt.“ Doch das perfekte Erdbeerwetter blieb lange aus. Nun haben die Pflanzen Stress. Sie kräuseln die Blätter, die Früchte werden zwar rot, bleiben aber eher klein. Die kurze Abkühlung und der Regen in dieser Woche haben immerhin für etwas Entspannung gesorgt. Die Saison bei den späten Sorten, schätzt Landwirt Folde, gehe bestimmt noch bis Mitte/Ende Juni.

Sorgen für Gärtner: Trockenheit und Kartoffelkäfer-Schwemme

Die Mischung aus wenig Niederschlag und viel Sonne sorgt nicht nur bei Bauern für Ernteverluste. Auch Hunderte Kleingärtner in der Region haben mit den Wetterbedingungen zu kämpfen. „Diese Wetterbedingungen, vor allem in der Hauptwachstumszeit der Pflanzen, sind schon extrem“, sagt Jürgen Kluge, Chef der Kleingartenbundes Weißeritzkreis und selbst Kleingärtner. Vom Landratsamt habe man kürzlich die Order erhalten, dass die Kleingärtner kein Wasser mehr aus nahen Bächen und Flüssen ableiten dürfen. Deswegen müssen die Hobby-Gärtner auf Trinkwasser umstellen. „Denn die Regentonnen sich logischerweise auch leer“, so Kluge.

Durch die Trockenheit sieht er aber noch eine andere Gefahr. Der Kartoffelkäfer findet dadurch ideale Lebensbedingungen vor und vermehrt sich prächtig. „Vor allem die, die nicht täglich im Garten sind, kommen mit dem Ablesen per Hand nicht mehr nach“, so Kluge. Wirksame Pflanzenschutzmittel, vor allem biologische, gebe es nur wenige.

Die Wetterprognose: Der Hochsommer kommt wieder

Nachdem es in den vergangenen Tagen zumindest etwas Regen gab und es auch relativ kühl war, kommt der Sommer am Wochenende zurück. 25 Grad Celsius sind angekündigt. Am Sonntag könnte es Gewitter geben.

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