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Donnerstag, 21.06.2018

Feuerwehren brauchen Millionen-Investition

Um die Einsatzbereitschaft zu stärken, müssen die Gemeinden in den nächsten Jahren viel Geld ausgeben – und noch mehr tun.

Von Eric Weser

„Das geht nur Schritt für Schritt“ – Wülknitz’ Bürgermeister Hannes Clauß.
„Das geht nur Schritt für Schritt“ – Wülknitz’ Bürgermeister Hannes Clauß.

© Sebastian Schultz

Röderaue/Wülknitz. Die Summen wirken für die kleinen Kommunen gewaltig: Jeweils knapp drei Millionen Euro sind bei den Gemeindefeuerwehren aus der Röderaue und Wülknitz in den nächsten Jahren nötig. So zumindest sehen es Experten von der Firma Emragis. Die Sicherheitsingenieure aus Dresden hat für die für beiden Gemeinden den neuen sogenannten Brandschutzbedarfsplan erstellt.

Das rund 300-seitige Werk analysiert die technische und personelle Ausstattung der Wehren und zeigt, ob sie den gesetzlichen Vorgaben genügen. Der Überblick zeigt, dass zum Beispiel bei den Gerätehäusern etwas passieren muss. Etwa in Streumen und Tiefenau. Beides sind eher Schuppen als Häuser, WCs oder Duschen gibt es nicht. „Bei den Zuständen muss man sich wundern, wenn sich überhaupt noch Kameraden engagieren“, so der Wülknitzer Gemeindewehrleiter Maik Apitz. In Tiefenau muss wohl auch ein neuer Standort her, weil das auf dem Rittergutsgelände stehende Häuschen nur von Besitzer Henry de Jong geduldet ist. Die übrigen Gerätehäuser in der Röderaue und Wülknitz sind laut der Beratungsfirma in gutem oder befriedigendem Zustand. Erhaltungsmaßnahmen seien aber nötig, außerdem die Ausrüstung mit Notstromeinspeisungen, teilweise auch mit Defibrillatoren.

Neu beschaffen oder ersetzt werden sollten auch einige der Fahrzeuge. Frauenhain soll demnach ein neues Tanklöschfahrzeug mit mindestens 4 000 Litern Löschwasserkapazität bekommen. Es soll das bisherige Tanklöschfahrzeug Baujahr 1973 ersetzen, das weniger Löschwasser mitführen kann. Die Löschgruppe Tiefenau soll mit einem neuen Tragkraftspritzenfahrzeug in die Lage versetzt werden, im Brandfall einsatzfähig zu sein. Mit dem bisherigen Auto ist das nicht möglich, da es kaum Feuerwehrtechnik hat. Allein dieses wird mehrere Hunderttausend Euro kosten. Das Thema Fahrzeuge bringt ein anderes automatisch mit sich: die Besatzung. Personell sieht es nicht rosig aus, auch das zeigen die Daten aus dem Brandschutzbedarfsplan. Vor allem wochentags über ist es um die Einsatzbereitschaft in beiden Gemeinden eher schlecht bestellt. Einzig in Lichtensee ist die Situation etwas besser.

Aufgaben fürs nächste Jahrzehnt

Vor allem eins sollen die Wehren daher kurzfristig tun: Mitglieder gewinnen. Die Gerätehäuser instand zu setzen gehört zu den eher mittelfristigen Aufgaben. Langfristig gesehen wird den Gemeinden von den Beratern ans Herz gelegt, eine dezentrale Löschwasserversorgung sicherzustellen, zum Beispiel über neu zu bohrende Brunnen oder die Reparatur bestehender Zapfstellen in den Orten oder an den Gewässern. Klingt nicht nach großem Kostenfaktor, ist aber laut Einschätzung der Experten einer: Allein in der Gemeinde Röderaue schätzt die Beraterfirma den Investitionsbedarf in diesem Bereich auf mehr als eine Million Euro.

Bei der Vorstellung des Bedarfsplans bei einer gemeinsamen Tagung der Gemeinderäte aus Wülknitz und der Röderaue zeigten sich vor allem Politiker aus der Röderaue von den großen Investitionssummen erstaunt – zumal vor dem Hintergrund der noch immer angespannten Finanzsituation der kleinen Kommune.

Die Gemeinden sollen bis Ende des Sommers zunächst den Brandschutzbedarfsplan beschließen. Dann geht es an die Umsetzung. Klar sei, dass es nur Schritt für Schritt passieren könne, unterstrich Wülknitz’ Bürgermeister Hannes Clauß (parteilos). In der Röderaue, die ihre Finanzprobleme nächstes Jahr im Griff haben will, sieht es ähnlich aus. Wie in Wülknitz ist auch dort schon jetzt in der mittelfristigen Finanzplanung Geld für Feuerwehr-Investitionen vorgesehen. Um das Thema herumkommen wird keine der Gemeinden, Brandschutz ist eine Pflichtaufgabe.

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