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Montag, 30.07.2018

Fehlstart für den FC Oberlausitz

Von Jens Kölz

Es ist zwar ein Bild aus der Vorbereitung, aber es zeigt, wie viel der neue Trainer Karsten Hutwelker noch zu reden hat. Die beiden Spieler, auf die er hier einredet, fehlten ihm in Rathenow aber: Karl Petrick Nr. 4) aus familiären Gründen, Oliver Merkel (Nr. 20) nach einer Trtainingsverletzung. Foto: Florian Richter
Es ist zwar ein Bild aus der Vorbereitung, aber es zeigt, wie viel der neue Trainer Karsten Hutwelker noch zu reden hat. Die beiden Spieler, auf die er hier einredet, fehlten ihm in Rathenow aber: Karl Petrick Nr. 4) aus familiären Gründen, Oliver Merkel (Nr. 20) nach einer Trtainingsverletzung. Foto: Florian Richter

© Florian Richter 2018

Zum ersten Male ist der Saison-Startschuss in der Regionalliga für die Neugersdorfer nach hinten losgegangen. Nachdem der FC Oberlausitz in den vergangenen Spielzeiten sein Auftaktspiel jeweils gewinnen konnte, verlor der FC Oberlausitz diesmal klar. Das 1:4 beim Aufsteiger Optik Rathenow macht deutlich, dass es in der Neugersdorfer Mannschaft noch eine Menge Baustellen gibt.

Ingo Kahlisch, der Trainer der Rathenower, frohlockte: „Die erste Halbzeit war eine der besten von uns. Das ist der Fußball, den ich mir vorstelle. Wir haben überragend gespielt, gut gestanden und mit wenig Kontakten viele Tore geschossen.“ 3:0 führte seine Mannschaft zur Pause. Karsten Hutwelker war da ganz anders zumute: „Ich bin total enttäuscht. Zur ersten Halbzeit fällt mir gar nichts ein, da fehlen mir komplett die Worte. Klar hatten wir die Chance zum 2:1, auf der anderen Seite kann es auch 4:0 stehen. Wir waren überhaupt nicht auf dem Platz.“

Alles, was sich die Mannschaft vor dem Spiel vorgenommen hatte, war nach elf Minuten schon über den Haufen geworfen. Da hatten Caner Özcin und Oscar Ortiz bereits zweimal zugeschlagen. Das Wie sollte aber schon etwas zu denken geben. Beide Male ließ der schnelle Cüneyt Top die rechte Abwehrseite der Neugersdorfer ganz schlecht aussehen. Er war in der ersten Halbzeit ein ständiger Unruheherd und von den Oberlausitzern, die mit fünf Neuzugängen in die Partie gestartet waren (Torwart Koniecny, van Kerkhof, Moravec, Koch, Knechtel) nie in den Griff zu bekommen. Nach knapp einer Viertelstunde lief der Türke zudem allein auf Torhüter Konecny zu, doch der blieb Sieger (14.). Die Neugersdorfer hatten sich für diese Partie eigentlich viel vorgenommen, doch auf den Platz brachten sie es nicht. „Wir haben alles vermissen lassen, Einsatzwille, Laufbereitschaft, Leidenschaft, den Kampf anzunehmen.“

Zu allem Überfluss sah Jan Konecny beim 3:0 (26.) richtig schlecht aus. Er stand zu weit vor seinem Kasten und musste einen abgerutschten Ball Wilckes, bei dem er sich auch noch verschätzte, über sich hinweg ins Tor segeln lassen. Die Neugersdorfer hatten zwar mehr Ballbesitz, doch Optik war giftiger und entschlossener in den Zweikämpfen, war gedankenschneller und somit auch deutlich torgefährlicher. Die Neugersdorfer Chancen waren spärlich, einmal sogar richtig hochkarätig, als Jakub Moravec (der mit Abstand beste Neugersdorfer an diesem Tag), Josef Marek oder Lukas Knechtel kurz vor dem 3:0 drei Gelegenheiten in einer Szene hatten, aber Bjarne Rogall nicht überwinden konnten. Klar hätte das Spiel da durchaus eine andere Richtung nehmen können. Andererseits konnte der FCO mit dem Halbzeitstand sogar noch zufrieden sein, denn Jerome Leroy (41.) und Öczin (42., 44.) vergaben noch sehr gute Möglichkeiten. Zudem rettete Konecny mit einer spektakulären Reaktion gegen einen Schuss Wilckes (45.) seiner Mannschaft den „nur“ Drei-Tore-Rückstand in die Pause.

Nach der Pause traten die Gäste konzentrierter auf, doch richtige Möglichkeiten ergaben sich nicht. Es wurde noch bitterer, als Lukas Knechtel nach einem Gerangel (der Schiedsrichter hatte einen Schlag von Knechtel wahrgenommen, den sowohl Knechtel als auch der Gegenspieler aber bestritten) die Rote Karte erhielt (56.). „Die zweite Halbzeit war dann ein Charaktertest, den die Mannschaft irgendwo bestanden hat. Mit einem Mann weniger haben wir erst angefangen, das umzusetzen, was wir wollten“, kommentierte Hutwelker. Denn wie es manchmal so ist, die Gäste kamen trotz Unterzahl besser ins Spiel. Mit zwei Freistößen tauchten sie vor Rogall auf. Der kratzte mit letztem Einsatz Jordi van Kerkhofs Kopfball von der Linie (63.). Eine Minute später wurde er überwunden, nach Djumos Eingabe von Antonin Rosa, der den Ball über die Linie spitzelte. Da keimte vielleicht noch einmal Hoffnung auf, doch richtig zwingend war der FCO auch in dieser Phase nicht. Der eifrige Moravec rackerte im Mittelfeld, mühte sich, doch Abnehmer für seine Ideen fand er kaum. Die Rathenower ließen die Gäste gewähren. „Wir mussten dem hohen Tempo Tribut zollen. Einige Spieler trainieren auch zu wenig“ kommentierte Kahlisch flapsig. Seine Mannschaft stand weiter gut, beschränkte sich auf gelegentliche Konter, von denen einer die Entscheidung brachte. Der eingewechselte Shelby Printemps war auf der rechten Seite auf und davon, in der Mitte hatte Öczin leichtes Spiel (83.).

Ingo Kahlisch machte nach dem Spiel seiner Mannschaft ein Riesenkompliment, „weil sie eine so starke Leistung im Abstiegskampf erbracht hat“, worauf Karsten Hutwelker so reagierte: „Wir konnten unsere Trainingsleistung heute nicht ansatzweise auf den Platz bringen. Es war eine absolut verdiente Niederlage. Wenn ich höre, dass Rathenow einen Sieg im Abstiegskampf errungen hat, dann ist eines klar: Für uns geht es in diesem Jahr – und das haben wir heute aufgezeigt bekommen – nur darum, irgendwie die Klasse zu halten.“

Neugersdorf: Konecny – van Kerkhof, Wolf, Rosa – Gnieser (68. Gerstmann), Moravec, Koch (52. Dittrich), Knechtel – Blaser (57. Träger), Djumo, Marek.

Tore: 1:0 Özcin (5.), 2:0 Ortiz (11.), 3:0 Wilcke (26.), 3:1 Rosa (63.), 4:1 Öczin (83.), Schiedsrichter: Steffen Hösel (Magdeburg), Gelbe Karten: Baudis, Özcin, Turan – Moravec, Koch, Rote Karte: Knechtel (56.), Zuschauer: 434