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Montag, 23.07.2018

Favorit gewinnt Traditionsturnier

Von Reiner Seifert

Steffen Schmidt vom Gastgeber nimmt im Spiel gegen Stuttgart Maß. Im Tor der Stuttgarter hielt der Ebersbacher Schwimmmeister Thomas Mache, dieser war als Gastspieler ausgeliehen. Foto: tompic
Steffen Schmidt vom Gastgeber nimmt im Spiel gegen Stuttgart Maß. Im Tor der Stuttgarter hielt der Ebersbacher Schwimmmeister Thomas Mache, dieser war als Gastspieler ausgeliehen. Foto: tompic

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Fand das Großschönauer Wasserballturnier im Vorjahr mit 13 Mannschaften eine Beteiligung wie seit 30 Jahren nicht mehr, waren es bei der 47. Auflage am vergangenen Wochenende gerade mal vier. „Wir haben Einladungen ohne Ende verschickt. Sowohl an uns bekannte Vereine in Sachsen und Brandenburg sowie in ganz Deutschland, als auch nach Tschechien, Polen und Österreich. Vor drei Tagen kam aus Halle die letzte Absage“, machte Steffen Schmidt aus seiner Enttäuschung keinen Hehl und war auch etwas ratlos: „Unser Turnier fand im Vorjahr zur gleichen Zeit statt, also auch in den Sommerferien und zur Haupturlaubszeit.“

Die Gäste aus Stuttgart, Leipzig und Chemnitz zeigten sich von der geringen Beteiligung unbeeindruckt und hatten bei idealen Bedingungen, 22 Grad Wasser- und 29 Grad Lufttemperatur, offensichtlich viel Spaß und boten im Schwimmbecken des „Kleinen Bades“ im und unter Wasser sehenswerten Sport. Das mit einigen Zweitligaspielern verstärkte Leipziger Oberligateam blieb ungeschlagen, wurde am Ende seiner Favoritenrolle gerecht und bezwang im Finale den TSV Großschönau. In der Turniervorrunde spielte jeder gegen jeden über zweimal sieben Minuten. Gastgeber Großschönau behielt im Auftaktspiel gegen die Hobbymannschaft der TU Chemnitz mit 5:1 die Oberhand und trennte sich anschließend vom SB Schwaben Stuttgart mit einem 2:2-Unentschieden. In dieser Partie kassierten die Großschönauer in der Schlusssekunde noch den Ausgleich. Zum Höhepunkt des Turniers wurde das Spiel Leipzig gegen Großschönau. Die Gäste lagen schon mit 4:1 und 5:3 in Front und bekamen 30 Sekunden vor Schluss beim Stand von 5:4 einen Fünf-Meter-Strafwurf zugesprochen. Großschönaus Keeper verhinderte mit einer sensationellen Parade die Entscheidung und ermöglichte dadurch seiner Mannschaft zwei Sekunden vor dem Schlusspfiff den nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleichstreffer zum 5:5. „Die Leipziger haben das Spiel wohl etwas auf die leichte Schulter genommen. Und unser Torwart hat super gehalten“, waren sich Steffen Schmidt und seine Mitspieler einig. Im Finale trafen beide Teams erneut aufeinander. Diesmal ließen die Leipziger nichts anbrennen und „spülten“ die Gastgeber mit einem überlegenen 10:2 förmlich aus dem Wasser.

„Dank der Unterstützung der Vereinsmitglieder des „Kleinen Bades“ und der Frottana Textil GmbH hat im und außerhalb des Schwimmbeckens alles prima geklappt“, freuten sich die Organisatoren über eine gelungene Veranstaltung. Trotzdem blieb auch nach der 47. Auflage des dienstältesten Wasserballturniers Sachsens die Frage nach einer Mannschaft für den Punktspielbetrieb offen. Großschönauer Mannschaften nehmen seit Mitte der 1920er Jahre am Punktspielbetrieb auf Landes- und Bezirksebene teil. Aufgrund personeller Probleme erfolgte 2011 der Rückzug aus der Bezirksliga. Der Versuch einer Spielgemeinschaft mit dem MSV Bautzen scheiterte und bedeutete 2014 das endgültige Aus. „Von einer Mannschaft, die vielleicht wieder am Punktspielbetrieb teilnehmen kann, sind wir gegenwärtig weit entfernt“, sagte Steffen Schmidt und ergänzte mit einem Lächeln: „Als Hobbymannschaft, die sich einmal wöchentlich zum Training trifft und an zwei, drei Turnieren teilnimmt, gibt es uns aber noch. Wir freuen uns auch, dass der tschechische Arzt Dr. Michal Petrik, der im Klinikum Oberlausitzer Bergland arbeitet, als Aktiver unsere Hobbymannschaft verstärkt.“

Neben Wasserball gehört seit 1910 auch Sportschwimmen zu den Traditionssportarten in Großschönau. Die Abteilung Schwimmen des TSV Großschönau legt seit Jahren ihr besonderes Augenmerk auf die Nachwuchsarbeit. Die mehr als 50 Mädchen und Jungen im Alter zwischen fünf und 18 Jahren werden von engagierten acht Übungsleitern in fünf nach Alters- und Leistungsfortschritten zusammengestellten Gruppen trainiert. Und das mit beachtlichem Erfolg, wie die kaum bekannten Ergebnisse des ersten Halbjahres 2018 beweisen. Bei den Bezirks- und Kreismeisterschaften, bei einem Wettkampf in Decin und den Kreis-, Kinder- und Jugendspielen „fischte“ der Großschönauer Nachwuchs insgesamt 56 Gold-, 58 Silber- und 44 Bronzemedaillen aus dem Wasser. Zu den erfolgreichsten Aktiven im laufenden Sportjahr gehören Luis Sturm, Lara Wenzel und Penelope Pleschinger. Der 16-jährige Luis Sturm, zum Löbau-Zittauer Nachwuchssportler des Jahres 2017 gewählt, gewann unter anderen sieben Bezirksmeister- und einen Vizetitel. Seine zwei Jahre jüngere Vereinskameradin Lara schwamm bei den Bezirksmeisterschaften in Dresden zu zwei Meister- und vier Vizetiteln. Und die erste zehnjährige Penelope erkämpfte bei Kreismeisterschaften sechs und bei den Kreis-, Kinder- und Jugendspielen vier Goldmedaillen. (rs)

TSV Großschönau: Alexander Glathe (1), Jan Thiele (1), Stephan Böhnisch (1), Ben Becker, Carsten Schmidt (2), Steffen Schmidt (2), Pierre Liebe (2), Julius Richter, Uwe Thiele, Martin Hesse (1), Michal Petrik (2), Ulf Richter (2).

Turnierergebnisse:

Abschluss Vorrunde: 1. Leipzig 15:11 Tore/5 Pkt., 2. Großschönau 12:8 Tore/4 Pkt., 3. Stuttgart 14.9 Tore/3 Pkt., 4. Chemnitz 5:18 Tore/0 Pkt.

Spiel um Platz drei: Stuttgart - Chemnitz 9:3

Finale: Leipzig - Großschönau 10:2