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Samstag, 06.10.2018

Faschingsvereine auf der Barrikade

Der Kreis Görlitz will Kulturprojekte finanziell unterstützen und grenzt die Faschingsmacher aus. Die haben dazu Fragen.

Von Carla Mattern und Gabriela Lachnit

Andreas Zimmermann vom Kittlitzer Faschingsverein – hier bei einem Karnevalsumzug – hat gerade nicht gut lachen. Er ärgert sich wie viele Mitstreiter darüber, dass eine Vereinsbranche aus der Kulturförderung ausgeschlossen wird.
Andreas Zimmermann vom Kittlitzer Faschingsverein – hier bei einem Karnevalsumzug – hat gerade nicht gut lachen. Er ärgert sich wie viele Mitstreiter darüber, dass eine Vereinsbranche aus der Kulturförderung ausgeschlossen wird.

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Landkreis Görlitz. Amüsiert ist anders. Während sie sich auf den Start in die närrische Saison vorbereiten, sorgt bei Faschingsvereinen im Landkreis eine Kulturförderrichtlinie für Ärger. In der Septembersitzung hatte der Kreistag beschlossen, für Projekte kultureller Art ab Ende Februar 2019 Anträge entgegenzunehmen. Doch die Faschingsvereine gehen leer aus. Sie brauchen Projekte gar nicht erst einzureichen. Denn es gehe um „kulturelle Maßnahmen von Landkreisbedeutung“, teilt Franziska Glaubitz vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit im Landratsamt mit. Faschingsvereine seien in der Regel der Geselligkeit gewidmet. Am Präsidenten-Stammtisch von 14 Karnevalsclubs aus dem Altkreis Löbau war das jetzt Diskussionsthema. „Es ist nicht gerecht, wenn wir ausgeschlossen werden“, sagt Andreas Zimmermann. Er ist seit 25 Jahren Präsident des Faschingsclubs Kittlitz und Sprecher des Stammtisches. Verwundert habe man zur Kenntnis genommen, dass eine ganze Vereinsbranche ausgegrenzt wird, die sich dem Brauchtum der Oberlausitz verpflichtet fühlt. „Wir beraten darüber, ob wir das hinnehmen werden“, sagt Zimmermann. Auf jeden Fall werde man Antworten dazu verlangen.

Als bodenlose Frechheit empfindet Uwe Thomas die Kulturförderrichtlinie. Thomas arbeitet im Vorstand des Reichenbacher Carnevalsclubs (RCC) mit. „Wir sind es gewohnt, aus öffentlichen Förderungen herauszufallen, aber diese Richtlinie treibt wohl jeden Karnevalisten um“, sagt er. Bei den Faschingsvereinen gehe es schließlich um Tradition und Brauchtumspflege, das könne man nach mehr als 40 Jahren schon sagen. So viele Jahre seien die meisten Faschingsvereine in der Region aktiv, manche sogar noch viel länger. „Wir opfern unsere Freizeit für ein schönes Karnevalsprogramm, wir trainieren mit Kindern und Jugendlichen, wir sind bei Festen und in Altenheimen mit unseren Auftritten präsent und sind froh, wenn wir am Ende des Abrechnungszeitraums eine schwarze Null erreichen“, betont Uwe Thomas. Die Kosten, die der Verein hat, beispielsweise für Kostüme der Funkengarden, können durch Auftritte niemals eingespielt werden.

Ähnlich sieht das Frank Brendler. Er ist Präsident des Görlitzer Karnevals- und Tanzsportvereins. „Ich glaube nicht, dass den Kreistagsabgeordneten bewusst ist, was sie da beschlossen haben“, meint der Präsident. Ihn ärgert besonders, dass der Verein von vornherein von jeder Förderung ausgeschlossen ist und so mit Projekten, die gegen die demokratische Grundordnung verstoßen, in einen Topf geworfen wird. „Die gehen bei den Förderungen auch leer aus“, sagt Brendler und fühlt sich wegen der Formulierung in der Richtlinie mächtig „auf den Schlips getreten“, wie er sagt, weil die Karnevalisten jetzt schwarz auf weiß hätten, wie wenig das Wirken der Faschingsvereine von der Kommunalpolitik geschätzt wird.

Vom Landkreis gibt es dazu klare Aussagen. „Faschingsvereine sind in der Regel der Geselligkeit gewidmet. Vereine, die derartige Vereinsziele definieren, sollten die breite Nachfrage nutzen, um eine entsprechende Finanzierung ihrer Faschingsfeiern und Veranstaltungen abzusichern. Die Mitglieder des Kreistages haben sich entschieden, Prioritäten zu setzen. Geselligkeit als Ziel fällt demnach aus Sicht des Kreistages nicht darunter“, teilt Franziska Glaubitz vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit im Landkreis Görlitz auf Nachfrage mit. Da die finanziellen Mittel des Landkreises begrenzt sind, könnten nicht alle Vorhaben, die beantragt werden, auch gefördert werden. Sie seien lediglich für überörtliche Maßnahmen einzusetzen.

Links zum Thema

Für die Görlitzer Frank Brendler und Uwe Thomas ist das Thema Kulturförderrichtlinie noch nicht abgehakt. „Abgesehen davon, dass für alle Kulturvereine im Landkreis eine lächerliche Summe von 30 000 Euro zur Verfügung steht, wollen wir unsere Meinung zu dem Beschluss öffentlich kundtun“, so Uwe Thomas.

Ein Treffen mit dem Chef des Schönau-Berzdorfer Karnevals-Clubs (SKC), Andreas Fechner, ist schon vereinbart. Dabei wollen die drei Karnevalisten einen Protest verfassen, der an den Kreistag und das Landratsamt geht.