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Freitag, 24.08.2018

Fans entscheiden über neuen Stadionnamen

Zwei regionale Unternehmen kaufen die Namensrechte auf. Wird die Spielstätte von Dynamo Dresden künftig wieder einen historischen Namen haben? Fans können das in dieser Abstimmung entscheiden.

Das DDV-Stadion bekommt einen neuen Namen. Wie es künftig heißen wird, bestimmen die Fans per Online-Voting.
Das DDV-Stadion bekommt einen neuen Namen. Wie es künftig heißen wird, bestimmen die Fans per Online-Voting.

© Robert Michael

Dresden. Die Nachrichten überschlagen sich. Erst ist der Trainer weg, dann bekommt das DDV-Stadion einen neuen Namen. Die Konsum Dresden eG und die Drewag - Stadtwerke Dresden GmbH haben sich gemeinsam das Namensrecht für die Spielstätte von Dynamo Dresden bis 2021 gesichert – und lösen damit ab 1. September die DDV-Mediengruppe ab. Über Details wurde Stillschweigen vereinbart. Beide regionale Unternehmen zahlen in Summe jedoch mehr als die etwa 350 000 Euro, die zuletzt von der DDV-Mediengruppe überwiesen wurden.

Das Stadion und seine Namen

Damit verbunden ist eine Abstimmung, denn Konsum und Drewag verzichten auf ihr Logo an der Stadionfassade. Stattdessen soll die laut DDV-Geschäftsführer Carsten Dietmann „emotionalste Immobilie der Stadt“ entweder Dynamo-Stadion oder Rudolf-Harbig-Stadion heißen. Die SZ erklärt die Hintergründe.

Wieso wird das Stadion nicht nach den neuen Geldgebern benannt?

Das ist in der Tat ein ungewöhnlicher Vorgang. Schließlich werden Sponsoringrechte, und das nicht nur im Sport, vor allem aus dem einen Grund erworben: Präsenz in der Öffentlichkeit.

Konsum und Drewag haben sich für einen anderen Weg entschieden. Man könnte es als Marketing-Coup bezeichnen, einer, dem ein hoher Sympathiefaktor eigen ist. Dass beide Unternehmer auf die Namensnennung verzichten, sorgt sicher für Gesprächsstoff.

Noch größer dürfte die Zustimmung unter den traditionsbewussten, auf die Vereinshistorie bedachten Fans sein, die über den Namen entscheiden können. „In jedem Fall wird der neue Stadionname unterstreichen, dass die SGD als Traditionsverein genauso wie Drewag und Konsum Dresden fest zur Identität unserer Stadt gehört“, sagt Drewag-Chef Frank Brinkmann. Und Konsum-Vorstand Roger Ulke meint: „Dynamo Dresden blickt auf sein 65. Jubiläum zurück, Konsum Dresden feiert in diesem Jahr seinen 130. Geburtstag. Das wollen wir zum Anlass nehmen, ein Stück Tradition in unserer Stadt neu zu beleben.“

Wie läuft das jetzt mit der Abstimmung über den Namen?

Seit Donnerstagabend zur symbolträchtigen Uhrzeit 19.53 Uhr ist die Internetseite www.unser-stadionname.de freigeschaltet. Bis zum 31. August, 12 Uhr, kann dort abgestimmt werden zwischen den neuen, alten Namen „Dynamo-Stadion“ und „Rudolf-Harbig-Stadion“. Beide Namen seien eng verbunden mit der Geschichte der Sportgemeinschaft, erklärt Drewag-Chef Brinkmann, und er sagt: „Wir sind sehr gespannt, wie sich die Dynamo-Fans entscheiden werden.“

Dynamo und die Geschichte seines Stadions

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1900: Erste organisierte Fußballspiele auf den Güntzwiesen, dem Platz, auf dem heute das Stadion steht. Der Dresdner SC 1898 trägt hier regelmäßig Partien aus.

1910: Der Verein Dresdensia gründet an dieser Stelle seine Fußballabteilung.

1937: Nach dem 1.Weltkrieg wird das Provisorium ausgebaut und erhält 1937 den Namen des Stifters: Hermann-Ilgen-Kampfbahn.

1951: Nach der Beseitigung der Kriegsschäden wird am 23. September das Rudolf-Harbig-Stadion feierlich eröffnet. Namensgeber ist der Mittelstreckenläufer Rudolf Harbig, der 1939 mehrere Weltrekorde aufgestellt hatte. Die SG Deutsche Volkspolizei, Vorgängerverein von Dynamo, unterliegt im ersten Spiel Lok Stendal mit 1:3. 14000 Zuschauer wollen das sehen.

1957: Der Dresdner SC, der inzwischen SC Einheit Dresden heißt, und die vier Jahre zuvor gegründete Sportvereinigung Dynamo tauschen die Stadien: Einheit zieht ins Heinz-Steyer-Stadion ins Ostragehege, Dynamo ins Harbig-Stadion. Das erste Duell an der neuen Spielstätte gegen Aufbau Meißen endet 1:1, Dynamo tritt 1957 in der Bezirksliga an. Dies ist auch die offizielle Begründung für den Umzug: Einheit als Sportclub, der in der Oberliga spielt, soll ins größere der beiden Stadien wechseln.

1970: Die Verantwortlichen in der DDR löschen Rudolf Harbig aus dem Stadionnamen, ersetzen ihn durch den Vorsatz Dynamo. Der Grund ist, dass Harbig seine Erfolge in der NS-Zeit errang. 1990 wird die Änderung rückgängig gemacht.

2010: Ein Jahr nach Fertigstellung des Neubaus kauft das Energievertriebsunternehmen Glücksgas die Namensrechte.

2014: Nach Ablauf des Vertrages heißt Dynamos Heimstätte zwei Jahre lediglich Stadion Dresden, dann erwirbt die DDV-Mediengruppe die Namensrechte. (SZ/dk)

Wann wird der Namenswechsel dann vollzogen?

Vor dem Anpfiff des Heimspiels am 1. September gegen den Hamburger SV soll der neue Name bekanntgegeben werden und danach auch zeitnah an die Stadionfassade angebracht werden.

Warum kommt der Wechsel gerade jetzt? Hat das was mit Neuhaus zu tun?

Verschwörungstheoretiker sehen sicher einen Zusammenhang – den es zumindest in Sachen Stadionnamen nicht gibt. Seit einigen Wochen basteln Maik Hägner und Michael Graf vom Dynamo-Vermarktungspartner Lagardere Sports in dem „innovativen Kooperationsformat“, wie Hägner sagt, um „den Menschen in dieser Stadt ein Stück Dresdner Fußballgeschichte zurückzugeben“.

Kein Zufall ist, dass der Namenswechsel im Rahmen des Hamburg-Heimspiels vollzogen wird. Das Stadion ist dann ausverkauft, zudem überregionale Aufmerksamkeit garantiert. Zumindest unglücklich erscheint nun aber der Zeitpunkt der Verkündung – ziemlich genau 24 Stunden nach der Entlassung von Uwe Neuhaus. Offenbar sahen Dynamos Verantwortliche keine andere Möglichkeit, als noch am Mittwochabend zu handeln.

Wie reagieren Dynamo und die DDV-Mediengruppe auf den Wechsel?

Ralf Minge ist begeistert. „Dieses Fan-Voting gibt uns die Chance, unsere Tradition mit einem weiteren, sichtbaren Puzzlestück nach außen zu tragen“, betont Dynamos Sportchef. „Wir waren in einer wichtigen Phase als Sponsor zur Stelle. Jetzt sind wir gern bereit, die Fans abstimmen zu lassen und vorzeitig Platz zu machen für den neuen Stadionnamen“, sagt Dietmann. Zudem betont er, dass die DDV-Mediengruppe, die auch die Sächsische Zeitung herausgibt, weiter als Partner aktiv.

Dynamo-Stadion? Oder doch Rudolf-Harbig-Stadion? Das wollen Konsum und Drewag von den Fans wissen. Auf der Internetseite www.unser-stadionname.de kann bis zum 31. August, 12 Uhr, abgestimmt werden.

Um Mehrfachvotings zu vermeiden, ist bei der Abstimmung die Angabe der E-Mail-Adresse erforderlich. Ein Link, über den die Teilnahme am Voting möglich ist, wird an die angegebene E-Mail-Adresse versendet. Die Daten werden ausschließlich für diesen Zweck verwendet und nach Beendigung der Abstimmung am 31. August 2018 gelöscht.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 21 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Peter

    Rudolf Harbig sollte nicht als Namensgeber fungieren. Denn Rudolf Harbig war Mitglied der NSDAP und Mitglied der SA (in einer SA-Bergsteigertruppe). Innerhalb der SA hatte er den Dienstgrad Sturmmann und nahm für die SA an den NS-Kampfspielen während der NSDAP-Reichsparteitage 1938 und 1939 teil. Von Rudolf Harbig gibt es mehrere schriftliche Dokumente, die seine Nähe zum NS-System zeigen, z. B. Dankesbekundungen an Hitler und rassistische und antisemitische Textpassagen. 1943 nahm er an der Ehrenwache an der Urne des verstorbenen Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten teil. Während des 2. Weltkriegs beteiligte Harbig sich aktiv an zahlreichen Propaganda-Auftritten (z. B. am Sportfest am 17. August 1941). Wenn das Stadion nach einer Person benannt wird, dann sollte man eine Person auswählen, die nicht aktiv an einem verbrecherischen und totalitären System mitgewirkt hat.

  2. Der Alte

    @1: und genau deshalb "Dynamo Stadion", so hieß es zur Zeit der größten Erfolge des Vereins in den 70-er und 80-er Jahren.

  3. C.G.

    Nennt es doch ganz einfach so, wie es schon immer, (von den Dresdnern), ausnahmslos genannt wird: Dynamo-Stadion. Und, @1, wenn man lange genug sucht, wird man wohl bei jedem irgendwelchen Dreck am Stecken finden. Die Meisten, die bemerkenswerte Karrieren durchliefen, mussten sich auch mit den vorherrschenden gesellschaftlichen und politischen Anforderungen und Gegebenheiten arrangieren. Das wurde immer politisch ausgenutzt und wehe, ein Sportler hätte sich dem verweigert. (Oder glauben Sie im ernst, wenn sich ein deutscher Sportler öffentlich kritisch gegenüber Merkels Politik äußern würde, hätte der noch Chancen auf die Nationalmannschaft? Oder nehmen Sie Özils Beispiel). Das ist heute so, dass war früher nicht anders. Sportler werden immer von der Politik als Vorbilder und Aushängeschilder inszeniert, ansonsten können die ihre Karriere vergessen. Ich würde mich gegen Harbig aussprechen, einfach weil er kein Fußballer war, trotzdem er sportliche(!) Verdienste vorzuweisen hat.

  4. Oliver

    @1 jaj,aj und blabalbal... wollen sie auch alle Sportler aus dem "Osten" anzählen die erst Jung- dann Thälmann-Pioniere und später in der FDJ waren. Das war genau so ein totalitäres System wie das von ihnen erwähnte. Hauptsache man findet etwas, oder man greift den noch älteren Namen "Ilgen-Kampfbahn" auf. Sorgen haben hier manche.

  5. gluewi

    @4 Danke für deine Antwort. Ich sehe das genau so. Nennen wir das Stadion doch nach Peter I. Ich meine natürlich @1. Übrigens habe ich meine Wahl schon gestern getroffen. Ich habe den früheren Namen von Rudolf Harbig gewählt. Da bin ich mit mir im Reinen, ohne große Google-Recherche.

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