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Samstag, 11.08.2018

Fahrbahnerneuerung mit einem Geschmäckle

Von Ralf Grunert

Gestern wurden noch Restarbeiten an der Parallelstraße (links) der Alten Berliner Straße erledigt. Spätestens heute dürfte sie wieder frei zur Nutzung sein. Foto: Hagen Linke
Gestern wurden noch Restarbeiten an der Parallelstraße (links) der Alten Berliner Straße erledigt. Spätestens heute dürfte sie wieder frei zur Nutzung sein. Foto: Hagen Linke

Eine parallel zur Alten Berliner Straße in der Hoyerswerdaer Altstadt verlaufende Straßenspange wurde in dieser Woche in Schuss gebracht. In der Rathaus-Pressemitteilung über die damit verbundene Vollsperrung wird dieser Straßenabschnitt als „Nebenast der Alten Berliner Straße“ bezeichnet. Diese Straße erschließt mehrere Anliegergrundstücke sowie zur Fahrbahn gehörige öffentliche Stellflächen. Letztere werden nicht nur von Anwohnern, sondern auch und vor allem von der Öffentlichkeit genutzt, so der Hinweis der Stadtverwaltung – beispielsweise von Besuchern des gegenüberliegenden Küchenstudios, der gegenüber befindlichen Parkanlage oder auch der Gaststätte „Pinguin“.

Die Stadt lässt sich die Deckschichterneuerung der Fahrbahn 19 650 Euro kosten. Der städtische Eigenanteil, so war aus dem Rathaus zu erfahren, beträgt rund 2 000 Euro. Der Rest sind Fördermittel.

Da es sich um eine Deckschichterneuerung handelt und um keinen grundhaften Ausbau der Straße, müssen die Anlieger keine Beiträge beisteuern. Die Bauarbeiten an der Straße wurden gestern vollendet.

Aufgrund von Anliegerbeschwerden erfolgte im Jahr 2016 eine Vorortbegehung des Straßenabschnittes. „Festgestellt wurde ein Schadensbild (Loch an Loch), das eine punktuelle Reparatur ausschloss. Bedingt durch die Senken konnte Oberflächenwasser aus einzelnen Bereichen nicht mehr ablaufen, was kontinuierlich eine weitere Verschlechterung nach sich zog“; so schildert die Stadtverwaltung die Vorgeschichte des Bauvorhabens. Das fand daraufhin bereits 2017 als Einzelmaßnahme einen Platz auf der Antragsliste zur Förderung mit Geldern des Kommunalen Straßen- und Brückenbaus. „Im vergangenen Jahr wurde diese Maßnahme nicht durchgeführt, da andere Vorhaben prioritär waren und die Mittel dann verbraucht waren. Deshalb wurde das Vorhaben wiederum in die Antragsliste 2018 aufgenommen. Diese Antragslisten werden jährlich, vor Weitergabe an den Fördermittelgeber, als Mitteilungsvorlage an den Stadtrat gereicht.“

Dass angesichts von zahlreichen maroden Straßen, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind, ausgerechnet dieses Straßenstück in Ordnung gebracht wird, hat zumindest für einen TAGEBLATT-Leser ein gewisses Geschmäckle. Der Grund: Bei einem der Anwohner des Nebenastes handelt es sich um Frank Hirche, der als Abgeordneter für die CDU im Sächsischen Landtag und im Hoyerswerdaer Stadtrat sitzt.

„Ja, ich habe die Stadtverwaltung vor vielleicht eineinhalb Jahren darauf hingewiesen, dass es viele Löcher auf der Straße gibt“, ließ Frank Hirche auf TAGEBLATT-Nachfrage wissen. Den Anstoß dazu hatte gegeben, dass er selbst umgeknickt war und sich zur Behandlung ins Krankenhaus begeben musste. Seither habe es seinerseits allerdings keine weiteren nennenswerten Aktivitäten gegeben, wie er sagt, außer seinerseits den Hinweis an die Verwaltung, dass der Zustand immer schlimmer wird und dieser doch abzuändern sei. „Dies im Interesse der Allgemeinheit, und, um es klarzustellen, wohl kaum nur im Interesse der Anwohner. Denn diese parken dort am wenigsten und bringen ihre Fahrzeuge jeden Abend auf ihre Grundstücke.“ Der Skepsis des betreffenden Bürgers ihm gegenüber begegnet Frank Hirche mit einer Einladung in sein Abgeordnetenbüro. Davon mal ganz abgesehen fragt er sich, ob nun alle Stadträte dazu verurteilt sind, in den Fokus von pauschalen Verdächtigungen zu geraten, wenn die Stadt in ihrem Lebensumfeld eine Maßnahme realisiert.