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Dienstag, 13.03.2018

Fachkräftemangel belastet Unternehmen

Der deutschen Wirtschaft geht es gut, doch ein Problem ist in den vergangenen Jahren größer geworden. Daran wird auch ein geplantes Gesetz der neuen Bundesregierung so schnell nichts ändern.

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Laut einer Umfrage unter rund 24000 Unternehmen hat fast jede zweite Firma inzwischen Schwierigkeiten, offene Stellen mit Fachkräften zu besetzen.
Laut einer Umfrage unter rund 24 000 Unternehmen hat fast jede zweite Firma inzwischen Schwierigkeiten, offene Stellen mit Fachkräften zu besetzen.

© dpa

Berlin. Zu wenig Fachkräfte am Bau, in der Logistik, in der Pflege oder im Gastgewerbe: Der Fachkräftemangel wird aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zu einer zunehmenden Belastung für Unternehmen. Die Folge seien sinkende Wachstumspotenziale sowie Hemmnisse für Innovationen und Investitionen, teilte der DIHK am Dienstag in Berlin mit.

Laut einer Umfrage unter rund 24 000 Unternehmen hat fast jede zweite Firma inzwischen Schwierigkeiten, offene Stellen mit Fachkräften zu besetzen - vor einem Jahr waren es 37 Prozent. Der DIHK schätzt aus hochgerechneten Antworten in der Befragung, dass insgesamt rund 1,6 Millionen Stellen in Deutschland längerfristig nicht besetzt werden können - im Vorjahr waren es rund 1,3 Millionen Stellen. Diese Zahl werde sich in den nächsten Jahren tendenziell noch erhöhen. Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks sprach von einem „volkswirtschaftlichen Engpass“.

Der Mangel an Fachkräften führe etwa dazu, dass der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur oder der Breitbandausbau stockten. „Wir haben einfach zu wenige Leute“, sagte Dercks. Ein Grund sei die demografische Entwicklung. Zwar gebe es bei der Vermittlung von unqualifizierten Langzeitarbeitslosen Fortschritte, das Thema sei aber immer noch ein „dickes Brett“.

Geholfen habe der Wirtschaft, dass in den vergangenen Jahren viele Menschen aus EU-Ländern vor allem aus Südeuropa nach Deutschland gekommen seien. Dies aber habe nachgelassen, da sich die Lage in Ländern wie Spanien oder Italien verbessert habe.

Im Wettbewerb um Arbeitnehmer würde für Firmen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch flexiblere Arbeitszeitmodelle, die Möglichkeit von „Home Office“ oder eine Weiterbildung bei der Digitalisierung immer wichtiger.

Auch die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften sei wichtig. Die neue Bundesregierung plant laut Koalitionsvertrag ein Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz. Dercks rechnet mit der Umsetzung eines Gesetzes im kommenden Jahr. Es könne jedoch noch Jahre dauern, bis ein solches Gesetz wirke.

Die Grünen-Wirtschaftspolitikerin Kerstin Andreae sagte, es müssten die „Alarmglocken“ läuten, wenn inzwischen die Hälfte aller Unternehmen Probleme habe, Fachkräfte für ihre offenen Stellen zu finden. „Die Vorhaben der schwarz-roten Bundesregierung werden daran kaum etwas ändern. Zwar hat sie im Koalitionsvertrag eine Fachkräftestrategie angekündigt. Die bleibt aber zu ambitionslos.“

Die Linke-Abgeordnete Sabine Zimmermann kritisierte ferner: „Statt über Fachkräftemangel zu jammern, sollten die Unternehmen ihren Blick auf Langzeiterwerbslose, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und Menschen mit Migrationshintergrund richten.“ Der Fachkräftemangel sei zudem hausgemacht: „Geringe Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen sind vielfach an der Tagesordnung, zum Beispiel in der Pflegebranche.“ (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Dresdner Gewissen

    Wie wäre es denn mal mit "Selbst ausbilden" anstatt darauf warten, dass Mami Staat mir die punktgenau gebackene Arbeitskraft serviert, die ich dann zwei Jahre später wieder entlasse, wenn es eine neue Technologie giebt? Also ständige Qualifizierung, aber durch den Arbeitskraftnehmer! Wie wärs denn mal mit Tariflöhnen, Zuschlägen und Arbeitszeit? Wie wärs denn mit familienfreundlicher Arbeitszeit und Betriebskindergärten die von 6:00 bis 20:00 je nach Bedarf geöffrnet haben? Alles Utopie? Nein - manches hatten wir im Osten vor 1990 schon mal!

  2. Benreiter

    Na klar jammern um den Billigjob. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Am Wochenende war ich auf einem Klassentreffen und die Hälfte davon hat sich beschwert das sie zwar seit 25 Jahren einen Job beim gleichen Arbeitgeber haben, doch der Lohn wurde nie angehoben. Was erwarten diese Menschen sich eigentlich, das der Unternehmer kommt und höflich anfragt ob er mehr bezahlen darf für diese Arbeitskräfte? Wer in seinem Leben noch keine Lohnverhandlung im Arbeitsleben gemacht hat, der braucht sich auch über eine prekäre Bezahlung nicht beschweren, Ausnahme hier vielleicht die Dienstleistungsbranche. Gesprochen habe ich auf dem Klassentreffen mit Angestellten von Apotheken u.s.w. da gilt für mich das Motto, selbst schuld an der schlechten Bezahlung - wer gut ist und was kann - kann auch wechseln in einen besseren Job. Der Rest jammert ewig weiter um sein niedriges Gehalt.

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