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Montag, 20.03.2017

Europa pulsiert im Regen

Die Organisatoren wollen kein Geld vom Staat und laden auch Pegida-Anhänger ein.

Von Andreas Weller

Trotz des Regens versammelten sich Zehntausende Menschen in ganz Deutschland.
Trotz des Regens versammelten sich Zehntausende Menschen in ganz Deutschland.

© dpa

Es geht um den Herzschlag von Europa, stellte Mitorganisatorin Carola Vulpius fest. Trotz strömenden Regens kamen rund 500 bis 600 Teilnehmer zur zweiten Veranstaltung von „Pulse of Europe“, der Pro-Europa-Initiative, die in rund 50 europäischen Städten an Wochenenden aufrütteln will. Vor der Frauenkirche gab es beim Dresdner Ableger Reden und Musik.

„Europa darf nicht scheitern“, ist eine der zehn Forderungen der Initiative. Es gehe um alles, bei den anstehenden Wahlen wie in Frankreich und in Deutschland. Der Frieden in Europa stehe auf dem Spiel, deshalb brauche es nun klare Bekenntnisse für die europäische Union, die den Frieden wahrt. Dafür seien alle mitverantwortlich.

Ja, in Europa laufe vieles schief, und die EU sei zu kritisieren. Die Politik müsse attraktiver werden, mehr für die Menschen da sein und anregen, mitzumachen. „Ich lebe als bekennender Christ gerne in Europa“, so Superintendent Christian Behr in seinem Redebeitrag. Denn in Europa sei es garantiert, dass er als Christ keine Nachteile erfahre. „Ich will, dass sich andere Menschen zu ihrer Religion oder Nicht-Religion genauso bekennen können.“ Alle müssen sich für die Gemeinschaft einsetzen. „Das Christentum war und ist nie nationalistisch“, so Behr. Damit griff er den Kern von „Pulse of Europe“ auf. Die Bewegung wurde im vergangenen Jahr in Frankfurt am Main gegründet, um sich gegen die Erstarkung von rechtspopulistischen und nationalistischen Parteien in Europa auszusprechen, die die EU ablehnen.

Sie mache sich Sorgen, weil es zugelassen wird, dass Europa zerfällt, erklärte Christiane Mennicke-Schwarz, Chefin des Kunsthauses Dresden. „Europa kann nur durch die Verhinderung eines Massengrabes an seiner Außengrenze glaubwürdig sein“, brachte sie die Flüchtlingspolitik ins Spiel. Sie ist die Initiatorin des Kunstwerks Monument – die hochkant stehenden Busse auf dem Neumarkt.

Damit, dass die Pegida-Bewegung sich in Dresden gegründet hat und deren Organisatoren gegen die EU wettern, habe „Pulse of Europe“ nichts zu tun, betont Vulpius. „Wir sind ja nicht gegen Pegida, sondern für ein vereintes Europa. Wenn Menschen bei Pegida dazu stehen, sind sie eingeladen, zu uns zu kommen.“ Um mehr jüngere Menschen anzusprechen, sollen Schulen kontaktiert werden. „Ziel ist es, dass mehr als beim ersten Mal kommen“, so Vulpius. Da waren es gut 1 200 Teilnehmer. Und die Unabhängigkeit der Bewegung sei wichtig, sie wolle kein Geld vom Staat, der Stadt oder EU-Organisationen. Zunächst bis zum 7. Mai soll jeden Sonntag um 14 Uhr auf dem Neumarkt demonstriert werden.

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