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Freitag, 14.09.2018

„Es kommt keiner von außerhalb, der freiwillig etwas Gutes tun will“

Eine Laienspieltruppe mit rechtsextremem Hintergrund gastierte am Wochenende in Bischofswerda. Wie reagiert man in der Stadt?

Unter den Zuschauern war Wolfram Nahrath (Bildmitte) – hier nach seiner Ankunft am Sonnabend am Schmöllner Weg in Bischofswerda. Der Rechtsanwalt war letzter Chef der 1994 verbotenen Wiking-Jugend.
Unter den Zuschauern war Wolfram Nahrath (Bildmitte) – hier nach seiner Ankunft am Sonnabend am Schmöllner Weg in Bischofswerda. Der Rechtsanwalt war letzter Chef der 1994 verbotenen Wiking-Jugend.

© Otto Belina

Bischofswerda. Es sollte eine besondere Theateraufführung werden: „Wilhelm Tell – klassisch inszeniert“, so versprachen es die Veranstalter. Eine „Laienspielgruppe Friedrich Schiller“, deren Darsteller aus dem gesamten Bundesgebiet kommen, mietete dafür die Bühne im Bischofswerdaer Stadtwald. Die SZ berichtete am Donnerstag darüber – und über die Verbindungen von Akteuren und einem Großteil des vorwiegend von außerhalb kommenden Publikums zur rechtsextremen Szene. Es gibt zahlreiche Reaktionen auf diesen Artikel. Auszüge aus der Diskussion:

Karin Häntzschel entschloss sich spontan, nach Bischofswerda zu fahren, nachdem am vergangenen Freitag, dem ersten Tag der Aufführung, junge Leute an einem Supermarkt in Sebnitz Flyer verteilten und für die Veranstaltung geworben hatten. „Es war in dieser Art ein einmalig und unvergessliches Schauspielerlebnis. Wenn ich aber diesen Artikel lese, fehlt eigentlich nur noch, Friedrich Schiller der rechten Szene zuzuordnen und sein Stück „Wilhelm Tell“ auf den Index zu setzen, schrieb sie am Donnerstag an die SZ.

Auch Thomas Köckritz, Stadtrat in Bischofswerda und Vorsitzender der Fraktion Die Linke, war unter den Gästen. Er teile die im Artikel zitierte Einschätzung nicht, dass es sich beim Geschehen auf der Waldbühne um ein politisch hochexplosives Gemisch handele, erklärte er am Donnerstag als Reaktion. „Es gab keine politischen Äußerungen. Von Rechtsextremismus war am Freitagabend nichts zu spüren. Die Theateraufführung war in Ordnung.“

Gesunde Skepsis sei angebracht

Heiko Düring, Chef des East Clubs in Bischofswerda, sagte am Donnerstag: „Es kommt keiner von außerhalb, der Bischofswerda freiwillig etwas Gutes tun will.“ Jeder verfolge seine eigenen Interessen und Ziele, so auch die Theatergruppe. Eine „gesunde Skepsis“ sei angebracht, gerade bei unbekannten Gruppen von außerhalb. Der East als Veranstaltungsort ist regelmäßig damit konfrontiert. „Wir checken die Gruppen, die bei uns auftreten, im Vorfeld. Ich will aber nicht ausschließen, dass wir auch mal daneben liegen können. Das kann jedem passieren“, so Heiko Düring.

Auf Facebook reichen die Kommentare von „Na und? Nichts weiter passiert“ bis zum Vorwurf, die SZ würde mit ihrem Bericht die Waldbühne und die dort beheimatete Spielgemeinschaft „Gojko Mitic“ diffamieren und die Stadt Bischofswerda in die rechtsextreme Ecke stellen, was nachweislich nicht der Fall ist, auch wenn man den Kommentar zum Artikel liest. – „Eine Demokratie sollte auch so was aushalten können, ohne gleich hinterher Theater zu veranstalten. Immer nur mit der braunen Keule schwingen, wird die Bürger weiter entfernen von „Presse“ und „Politik“, schreibt Robert Thomsch. „Die Leute haben doch dort gar nichts gemacht, außer ein Theaterstück aufgeführt.“ Steffen Löbel kommentiert auf Facebook: „Wenn ich das nächste Mal auf die Felsenbühne zum „Freischütz“ gehe, muss ich da meinen Sitznachbarn vorher nach der Gesinnung fragen?“ Sylvia Hermann schreibt: „Wir wohnen um die Ecke und haben nichts Schlimmes mitbekommen. Es waren Menschen auf der Waldbühne, na und???“

Die beiden Aufführungen in Bischofswerda waren die bislang einzigen der „Laienspielgruppe Friedrich Schiller“. Zuvor war sie nach SZ-Informationen in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung getreten. Und auch beim Schauspiel in Bischofswerda gab es eine Zurückhaltung, die auffiel: ein Programmheft, das weder Namen der Darsteller nennt, noch sie auf den Fotos erkennen lässt. Auch keine Namen beim Schlussapplaus. Ungewöhnlich diese Bescheidenheit. Offenbar wollte man als Darsteller nicht erkannt werden. (SZ)