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Samstag, 09.06.2018

Es knallt in Dresden

Von Nora Domschke

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Im Dresdener Sommer gehören Feuerwerke fast zum Allnachts-Bild. Die Anzahl soll reduziert werden – nicht zuletzt wegen Fledermäusen.Fotos: dpa
Im Dresdener Sommer gehören Feuerwerke fast zum Allnachts-Bild. Die Anzahl soll reduziert werden – nicht zuletzt wegen Fledermäusen.Fotos: dpa

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© picture alliance / dpa

Eine Geburtstagsfete, Hochzeit oder einfach nur eine Gartenparty – Anlässe für ein Feuerwerk gibt es für die Dresdner offenbar reichlich. In kaum einer anderen deutschen Stadt wird so viel geknallt wie in der sächsischen Landeshauptstadt. 232 Feuerwerke gingen im vergangenen Jahr in Dresden in die Luft, 100 wurden von professionellen Pyrotechnikern gezündet. 132 wurden von Dresdnern bei der Stadt als Kleinfeuerwerke angemeldet. Und auch in diesem Jahr gab es für die Dresdner einiges zu sehen: Bis zum 30. April erhellten 24 Feuerwerke den Nachthimmel. Zu viele, sagen die Grünen. Sie wollen die Anzahl der Lichtspektakel verringern und fordern in einem Antrag neue Regelungen bei der Genehmigung der Privatfeuerwerke. Demnach sollen künftig keine Feuerwerke in dicht bebauten und bewohnten Ortsteilen erlaubt werden. Die Grünen wollen zudem den Einsatz reiner Knallkörper und Knallkörperbatterien verbieten. Weitere Forderungen: eine zeitliche Beschränkung auf 15 Minuten, keine Feuerwerke mehr nach 22 Uhr und maximal 15 Feuerwerke pro Monat in der Zeit von Juni bis August, in den anderen Monaten zehn Feuerwerke. Zum Schutz von Tieren sollen Feuerwerker 300 Meter Abstand von Natur- und Vogelschutzgebieten sowie von Flora-Fauna-Habitaten halten. Wo Fledermäuse leben, dürfe gar keine Genehmigung erteilt werden.

Am 28. Juni sollte sich der Stadtrat mit dem Grünen-Antrag befassen. Daraus wird wohl aber nichts, denn der Umweltausschuss hatte den Antrag in seiner letzten Sitzung vertagt. „Es gibt zu viele offene Fragen zu diesem Thema“, sagt Helfried Reuther, der für die CDU im Umweltausschuss sitzt. Dort wolle man sich von der Stadt zunächst über die aktuelle Vergabepraxis aufklären lassen. „Die Frage ist, ob eine Änderung wirklich nötig ist“, sagte Reuther. Er geht davon aus, dass der Antrag erst nach der Sommerpause im Stadtrat behandelt wird.

Dabei gab es erst 2017 eine Regeländerung in der Genehmigungspraxis. Der Antragsteller benötigt nun die Zustimmung durch den Grundstücksbesitzer oder Pächter. Das Ordnungsamt unterscheidet zwischen privaten und gewerblichen Feuerwerken. Letztere benötigen dafür keine Genehmigung. Sie melden das Feuerwerk einfach bei der Stadt an. Wer privat knallen will, muss sich eine Ausnahmegenehmigung holen und dafür einen Grund angeben, etwa eine Hochzeit oder einen Geburtstag. Nur am Silvesterabend darf ohne Genehmigung gezündet werden. Für alle anderen Tage müssen sich die Feuerwerksfans 14 Tage vorher bei der Stadtverwaltung melden und 75 Euro für die Bearbeitung berappen.

Schon jetzt gibt es allerdings Einschränkungen bei der Genehmigung: So gilt ein Verbot für Feuerwerke unmittelbar neben Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern. Um Tiere und Umwelt zu schützen, ist das Zünden von Pyrotechnik im Großen Garten nicht erlaubt.

Julia Günther, Grünen-Ortsbeirätin aus Prohlis, gehen diese Regelungen nicht weit genug. Anlass für sie, den Antrag an den Stadtrat zu richten, war ein Feuerwerk im Nickerner Schloss. Im Juli 2017 sorgte die späte Knallerei bei einer Hochzeit für Ärger im beschaulichen Stadtteil. Anwohner des benachbarten Hauses hatten sich damals an Julia Günther gewandt. Grund genug für die Ortsbeirätin, das Thema Feuerwerk nun für ganz Dresden aufzugreifen.

Dass das hier durchaus ein Problem besteht, zeigt die Anzahl der Ordnungswidrigkeitsverfahren. 2016 wurden 35 Verfahren eingeleitet, 2017 waren es 34, 2018 sind es bislang zehn. Wer ohne Genehmigung knallt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 200 Euro rechnen. Weil es sich dabei um einen Verstoß gegen das Sprengstoffrecht handelt, schaltet sich das Land ein, wenn das Feuerwerk nicht angemeldet oder außerhalb der zulässigen Zeiten gezündet wird. Derzeit ist das von November bis März bis 22 Uhr gestattet, von April bis Oktober freitags und sonnabends bis 22.30 Uhr und von Mai bis Juli sogar bis 23 Uhr.

In ihrer Fraktionssitzung befasste sich am Dienstag die Dresdner SPD mit dem Thema. Die von den Grünen vorgeschlagenen Einschränkungen seien nicht gerechtfertigt. Schon jetzt würden Umweltbelange bei der Genehmigung einbezogen, sodass die bestehende Regelung ausreichend sei.

Für völlig überzogen hält Dresdens FDP-Chef Holger Zastrow den Antrag. „Die Initiative ist unnötig“, sagt er gegenüber der SZ. Einerseits gehöre Feuerwerk nun einmal zu Dresden dazu, zum anderen frage er sich, wie und wer kontrollieren soll, ob ein Feuerwerk genehmigt ist oder nicht. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes hätten wichtigere Aufgaben, etwa, wenn die Besucher auf den Elbwiesen am Wochenende ihren Müll dort zurücklassen.

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