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Samstag, 14.07.2018

Erste Fan-Frau

Von Thomas Roser,SZ-Korrespondent in Belgrad

Kolinda Grabar-Kitarovic trägt gern rot-weiße Karos.Foto: dpa/AP/D. Bandic
Kolinda Grabar-Kitarovic trägt gern rot-weiße Karos.Foto: dpa/AP/D. Bandic

© dpa

Die Kameras sind im Tross der ranghöchsten Anhängerin von Kroatiens erfolgreichen Feurigen immer dabei. Ob Staatschefin Kolinda Grabar-Kitarovic in der Kabine halbnackte Spieler an ihren präsidialen Busen drückt; in der Ehrenloge beim Siegestanz ihre Hüften vor ihren russischen Gastgebern kreisen lässt; oder beim Nato-Gipfel ihrem US-Kollegen Donald Trump und der britischen Regierungschefin Theresa May ein Karo-Shirt mit deren Namenszug überreicht: Die gekonnt das Rampenlicht suchende Landesmutter stiehlt selbst den WM-Helden die Show.

Etwas überraschend hatte sich die 50-jährige Fleischertochter bei den Präsidentschaftswahlen Anfang 2015 als Kandidatin der konservativen Partei HDZ gegen den linken Amtsinhaber Ivo Josipovic durchgesetzt. Die Wahl der früheren Botschafterin in den USA leitete den Rechtsruck und die erneute HDZ-Machtübernahme bei den folgenden Parlamentswahlen ein. Mit HDZ-Premier Andrej Plenkovic pflegt die seit ihrer Amtsübernahme parteilose Präsidentin dennoch ein eher angespanntes Verhältnis: Vor allem außenpolitisch versucht sie mit Staats- und Stadionbesuchen eigene Akzente zu setzten.

Zum Finale wird die allgegenwärtige Kolinda zum dritten Mal in zwei Wochen nach Russland reisen. In ihrer Heimat sind die Meinungen über ihre inszenierten WM-Ausflüge geteilt. In Umfragen findet eine knappe Mehrheit der Befragten ihren Einsatz für die Feurigen sympathisch. Die andere Hälfte, aber auch viele Medien werfen ihr hingegen eine gnadenlose Selbstprofilierung als Trittbrettfahrerin der Fußballwelle auf Kosten der Spieler vor. Doch Kritik ficht die selbstbewusste Solistin im Präsidentenpalast angesichts leicht gestiegener Umfragewerte kaum an. Ende 2019 stehen wieder Präsidentschaftswahlen an – zuvor ist für die um ihre Wiederwahl streitende Landesmutter jede Gelegenheit zur Selbstvermarktung willkommen.

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