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Mittwoch, 14.03.2018

„Er wusste alles besser“

Müller-Wohlfahrt, Arzt der deutschen Nationalmannschaft und des FC Bayern, wirft dem Münchner Ex-Trainer Guardiola vor, „die Uhren zurückgedreht zu haben“. Hoeneß fehlte zum Schlichten.

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Hans-Wilhelm Müller Wohlfahrt rechnet mit Pep Guardiola ab.
Hans-Wilhelm Müller Wohlfahrt rechnet mit Pep Guardiola ab.

© dpa

Mit bemerkenswert heftigen Vorwürfen hat Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Arzt der deutschen Nationalmannschaft und des FC Bayern, gegen Pep Guardiola nachgetreten. Müller-Wohlfahrt wirft dem früheren Münchner Trainer in einem vorab von Bild in Auszügen veröffentlichten Buch unter anderem vor, ihn permanent kritisiert, zu einem Befehlsempfänger degradiert und „in meinem Ehrgefühl“ verletzt zu haben.

Klubchef Karl-Heinz Rummenigge reagierte am Dienstag mit Befremden auf die Veröffentlichungen. „Ich bin ein Freund davon, nach vorne zu schauen und nicht nach hinten. Mir gefällt das auch nicht, es ist auch nicht der Erste, der mal einen kritischen Blick nach hinten wirft“, sagte der Vorstandschef. „Jeder, der bei Bayern München arbeitet oder gearbeitet hat, hat schöne Zeiten erlebt.“ Das treffe auch auf Müller-Wohlfahrt zu. Der 75 Jahre alte Müller-Wohlfahrt ist seit dieser Saison wieder Vereinsarzt des FC Bayern. Im April 2015 war er nach einem Streit in der Kabine im Anschluss an das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League beim FC Porto (1:3) zurückgetreten.

Heftige persönliche Angriffe

Müller-Wohlfahrt greift Guardiola, der 2013 zum FC Bayern gekommen war, auch persönlich heftig an. Er halte ihn für einen Menschen „mit schwachem Selbstbewusstsein, der alles dafür tut, um andere darüber hinwegzutäuschen“. Guardiola, so Müller-Wohlfahrt weiter, „scheint deshalb in ständiger Angst zu leben, nicht so sehr vor Niederlagen, sondern vielmehr vor dem Verlust von Macht und Autorität“.

Konkret wirft Müller-Wohlfahrt dem angeblich innovativen Guardiola vor, beim FC Bayern „die Uhren zurückgedreht zu haben“. Er sei so weit gegangen, „dass er unser medizinisch durchdachtes, jahrelang bewährtes Vorbereitungsprogramm vor dem eigentlichen Fußballtraining auf den Kopf stellte“. Der Trainer sei stets vorwurfsvoll und ungehalten gewesen, wenn es um Verletzte ging. „Er wusste alles besser.“

Unter Guardiola habe sich die Zahl der Muskelverletzungen beim FC Bayern erhöht, berichtete Müller-Wohlfahrt. Er habe den Trainer allerdings „mit dem, wie ich denke und arbeite, schlicht nicht erreichen“ können. Guardiola haben sich zum einen „absolut nicht für medizinische Fragen“ interessiert, „verlangte aber andererseits von uns, medizinische Wunder zu vollbringen“, klagte der Arzt.

Präsident Uli Hoeneß vertrat in Bild die Meinung, wäre er damals nicht „verhindert“ gewesen, „hätte ich den Konflikt moderieren können“. Guardiola sei ein „stolzer Katalane“, und Trainer aus Spanien hätten „ein ganz anderes Verhältnis zur medizinischen Abteilung des Klubs“.

Und Müller-Wohlfahrt sei ein „stolzer Arzt, der nicht über seine erfolgreichen Behandlungsmethoden diskutieren möchte“. Der Münchner Vereinspräsident verbüßte zur damaligen Zeit eine dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung und war zum Zeitpunkt der Eskalation zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt Freigänger. (sid mit dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Klar

    Guardiola "... wusste alles besser." Aja - und Müller-Wohlfahrt hat die (absolute) Wahrheit gepachtet? Meine Güte - worum geht es hier? Wahrscheinlich um den 'schnöden Mammon' ;-)

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