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Dienstag, 03.07.2018

„Er kann den Unterschied ausmachen“

Von Jürgen Schwarz

Typische Szene: Der individuell starke Philip Heineccius (im grünen Trikot) zieht die Aufmerksamkeit gleich mehrerer Gegenspieler auf sich. Foto: Lutz Kollmann
Typische Szene: Der individuell starke Philip Heineccius (im grünen Trikot) zieht die Aufmerksamkeit gleich mehrerer Gegenspieler auf sich. Foto: Lutz Kollmann

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Da hat die SG Motor Wilsdruff doch wieder einmal für einen richtigen Transfer-Coup gesorgt. Vom Landesligisten Radebeuler BC wechselt Allrounder Philipp Heineccius ins Parkstadion. Der 29-Jährige kommt nicht allein, denn auch Stürmer Willi Richter (30) wird in der kommenden Saison für den Landesklässler am Ball sein. Die Verpflichtung von Heineccius ist ganz sicher keine zufällige Fügung. Wie schon beim ehemaligen Oberliga-Torhüter Michael Arnold (29), der 2016 aus Kamenz zu Motor gewechselt war, sorgt ein Sponsor für die berufliche Absicherung der Fußballer in Wilsdruff.

In Radebeul ist die Enttäuschung bei Trainer Matthias Müller, früher auch beim FV Blau-Weiß Stahl Freital tätig, ziemlich groß: „Ein absoluter Verlust für uns. Philip ist ein Spieler, der durch seine individuelle Stärke und Vielseitigkeit den Unterschied in einem Spiel ausmachen kann.“ Müller hatte Heineccius vor zwei Jahren ins Radebeuler Weinbergstadion gelockt. Damals spielte der RBC auch in der Landesklasse Mitte, schaffte aber ein Jahr später den Aufstieg in die Landesliga Sachsen. Philip Heineccius war in beiden Serien einer der herausragenden Spieler in den Reihen der Radebeuler. Kein Wunder, schließlich spielte er bis 2016 für Budissa Bautzen in der Regionalliga Nordost.

Fußball-ABC in Zwickau erlernt

Am 19. Februar 1988 geboren, begann Philip Heineccius in Zwickau mit dem Fußballspielen. Sein Vater Jens stürmte für den FSV in der DDR-Oberliga und sogar bis in die 2. Bundesliga. Regelmäßig besucht der 52-jährige die Spiele seines Sohnes, „wobei er zu Neugersdorfer Zeiten meistens bei den Auswärtspartien zuschauen war, weil es von Zwickau bis in die Oberlausitz eine recht große Distanz ist“. Heineccius meint die Zeit beim FC Oberlausitz, für den er von 2011 bis 2015 spielte und mit dem er aus der Landes- bis in die Regionalliga aufstieg. Zuvor hatte der Allrounder, der in Radebeul bis auf Torwart alle Positionen gespielt hat, in der Landeshauptstadt an der Sportschule sowie beim FV Dresden-Nord den technischen Feinschliff erhalten.

Bereits mit 18 Jahren debütierte er in der Männer-Oberliga, ehe er 2010 für ein Jahr zu Stahl Riesa wechselte. Nach dem Abschluss seines Dual-Studiums an der Berufsakademie in Bautzen war er in einem Unternehmen des Neugersdorfer Präsidenten Ernst Lieb im Bereich Controlling tätig. „Als ich wusste, dass mir der FC Oberlausitz keinen neuen Vertrag anbietet, wollte ich versuchen, nur mit dem Fußballspielen mein Geld zu verdienen. Aber passende Angebote gab es 2015 nicht.“ So zog er zu seiner Freundin nach Radebeul, hielt sich in Bautzen fit und bekam schließlich bei der FSV Budissa einen Vertrag. Danach warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück und er löste seinen bis 2017 laufenden Kontrakt bei den Spreestädtern vorzeitig auf.

„Ich denke, er könnte immer noch locker in der Fußball-Oberliga spielen“, gibt ihm Ex-Nationalspieler Matthias Müller mit auf den Weg. „Aber ich verstehe seine Entscheidung nach Wilsdruff zu gehen, denn die berufliche Perspektive muss im Amateurbereich Vorrang“, ergänzt der 63-Jährige. In Wilsdruff darf man sich auf einen außergewöhnlichen Spieler freuen, den die meisten Leute nur „Henne“ rufen.

Mit Borea in der Futsal-Regionalliga

Der Wilsdruffer Trainer Paul Rabe muss sich bei seinem namhaften Zugang aber auf eine Besonderheit einstellen, denn Philip Heineccius ist nicht nur sächsischer Futsal-Landesauswahlspieler, sondern er kickt mit einer zweiten Spielgenehmigung als Spieler-Trainer für den SC Borea Dresden. „Die Futsal-Mannschaft bei Borea gibt es erst knapp ein Jahr. Zu Beginn haben wir in der Regionalliga einiges Lehrgeld gezahlt, aber am Ende als Neuling die Klasse gehalten“, berichtet er.