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Montag, 02.07.2018

Energieleistungen am Lausitzbad

Von Manfred Grüneberg

Im dritten Versuch den Marathon geschafft! Rainer Schlachte im Ziel.MG/JJ
Im dritten Versuch den Marathon geschafft! Rainer Schlachte im Ziel.MG/JJ

Hoyerswerda. Die Leichtathletik in Hoyerswerda hatte mit der Deutschen Meisterschaft im Sechs-Stunden-Ultralauf jüngst eine neue Landmarke setzen können. Während über die glorreichen Siegerinnen und Sieger der 9. VBH-Europaläufe umfassend berichtet wurde, standen die großen und kleinen Helden der Inklusionsläufe bisher noch nicht im Fokus.

Nach einem Vortrag zum Europatag fand jetzt die Auswertung der Inklusionslauftage bei den Lausitzer Werkstätten statt. Leuchtende Augen schauten erwartungsvoll auf das Endergebnis dieser vier Tage, die von der Lausitzer Seenland Stiftung unterstützt wurden. Nach drei intensiven Vorbereitungsläufen über 24 Minuten brachten der Barmer-24-min-Lausitzbad-Run und der Intersport-Mitternachtsmarathon die Entscheidung. 109 Teilnehmer, darunter 19 behinderte Sportler, sind insgesamt 434 Kilometer gelaufen. Trotz ihrer Behinderungen konnten sich die Handicap-Läufer im Gesamt-Teilnehmerfeld der 109 Athleten bestens in Szene setzen. So schaffte in der Addition aller vier Läufe nach dem abschließenden Barmer-24-min-Lausitzbad-Run bei den Damen Katharina Nolde mit 7,3 km den 6. Platz, Sieglinde Knoblich mit 7,0 km Platz 7 und Anne Kratschmar mit 6 km den 11. Platz. Bei den Herren kam Christopher Hensel mit starken 16,8 km auf Platz 3.

Mit einer ganz besonderen Energieleistung siegten zwei behinderte Sportler des gastgebenden Hoyerswerdaer Lauftreffs Lausitz e.V. bei der Inklusionswertung. Mit extrem unterschiedlichen Voraussetzungen waren David Habeck und Rainer Schlachte um Mitternacht in ihr diesjähriges Marathon-Projekt gestartet. Während David Habeck die bisherige Saison wegen eines Fußbruchs im alten Jahr vollkommen verpasste und einige Kilogramm mehr als gewohnt auf die Waage und damit auf die Strecke brachte, glänzte Rainer Schlachte als fleißigster Teilnehmer beim Vereinstraining. Bereits drei Versuche, das Marathonziel zu erreichen, hatte er in den vergangenen Jahren im Zwanzig-Kilometer-Bereich abbrechen müssen. Aber diesmal glückte es! Mit einer Energieleistung konnte Rainer Schlachte nach endlosen 10:35 h seinen Traum verwirklichen – der Hoyerswerdaer Mitternachtsmarathon hat ja eine Zielzeit von elf Stunden, ehe die Klappe fällt. Auch David Habeck hatte erwartungsgemäß bei seinem bereits 18. Marathon mit 8:42 h doppelt so viel Zeit auf der 42,195-km-Strecke verbracht wie gewöhnlich. Auch sein Verdienst liegt im Durchhaltevermögen, welches nicht nur bei behinderten Menschen eine Schwachstelle ist.

Aber wenn es um die Spitze des Ausdauervermögens für Behindertensportler geht, führt seit dem 9. VBH-24h-Europalauf kein Weg an Harald Lange vorbei. Bereits bei seinem eindrucksvollen Bericht über den 30. Marathon des Sables (230 Kilometer durch die Sahara) beim Forum im Hoyerswerdaer Congress-Hotel am Freitag vor dem Lauf wusste Lange zu begeistern. Was der stark sehbehinderte Sportler vom HSC Erfurt / Spiridon Frankfurt (a.M.) dann tags darauf bei seinem Tag-und-Nacht-Rennen in Hoyerswerda auf die Strecke zauberte, war ganz großer Sport. Mit 180,375 km schaffte Lange nicht nur unangefochten den Gesamtsieg über 24 Stunden, sondern sicherte sich damit gleichzeitig die gewünschte Qualifikation für den „Spartathlon“, der am 28./29. September 2018 in Griechenland von Athen nach Sparta gelaufen wird, 246 km Strecke umfasst und in maximal 36 Stunden bewältigt sein muss. Wir wünschen schon jetzt viel Erfolg!

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