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Mittwoch, 11.07.2018

Endlich Regen

Kleingärtner atmen auf. Für so manchen Landwirt kommt die Abkühlung aber zu spät.

Von Peter Redlich und Britta Veltzke

Kleingärtner Claus-Peter Prang weiß die nasse Erde in seiner Hand zu schätzen. Seinen Bohnen in der Sparte „Am Reiter“ hat der Regen gutgetan.
Kleingärtner Claus-Peter Prang weiß die nasse Erde in seiner Hand zu schätzen. Seinen Bohnen in der Sparte „Am Reiter“ hat der Regen gutgetan.

© Sebastian Schultz

Riesa/Landkreis. Manche hatten am Dienstag Dauergrinsen im Gesicht. Obwohl es fast den kompletten Tag geregnet hat. Eben deswegen – nach den unendlichen Wochen der Trockenheit. Gegen 8 Uhr setzte die Erlösung ein. Fast fünf Liter kamen im Elbtal zwischen Meißen, Coswig und Radebeul herunter. An der Messstation in Coswig hat die Meteo-Group zwischen 8 und 9 Uhr exakt 4,8 Liter gemessen. Innerhalb von zehn Minuten, kurz vor halb 9 Uhr, so Meteorologin Tanja Kraus-Lamprecht, waren es sogar 1,9 Liter auf einen Quadratmeter.

Die Meteo-Group hat auch Messwerte von Stationen im Triebischtal bei Meißen (Garsebach), aus Nossen, Riesa, Freital und Dresden-Strehlen. Während im Triebischtal der Regen über den Tag in ähnlichen Mengen wie in Radebeul und Coswig fiel, waren die Niederschläge in Freital, Riesa, Nossen und Dresden teils sehr unterschiedlich. Dresden hat nur einen zehntel Liter abbekommen, Nossen und Riesa immerhin zwei Liter auf den Quadratmeter. Über den Tag verteilt errechneten die Meteorologen etwa im Schnitt einen halben bis einen Liter je Stunde, die im Dreieck zwischen Großenhain, Riesa, Meißen und Radebeul vom Himmel rieselten. In Summe bekamen Riesa, Nossen und Großenhain am Dienstag gut sechs Liter Regenwasser ab. Radebeul, Coswig und Meißen fast neun Liter. Das Schöne daran: Es war kein Sturzregen, sondern der lang ersehnte Landregen. Den erkennt jeder am besten an Blasen auf dem Asphalt.

Welche Wirkung das Nass in der Natur und anderswo hat, war bei Winzern, Bauern, Waldbesitzern, auf der Baustelle und im Freibad zu erfahren. Weinbauer Matthias Schuh nennt die Tropfen „einen Segen“. Vor allem seine Junganlagen – Rebenreihen, die erst in den letzten Jahren gepflanzt wurden – hätten in den letzten drei Wochen mächtig gelitten, weil ihre Wurzeln noch nicht so tief reichen. „Wir mussten sogar schon bewässern.“ Jetzt hofft der Winzer auf die angekündigten 20 Liter auf den Quadratmeter, die an drei Tagen bis Donnerstag kommen sollen. Daniel von Sachsen ist in seinem Wald zwar ebenso erfreut über die Regentropfen, aber sie reichen bei Weitem nicht aus, sagt er. „Ich habe vor zwei Wochen, als es einmal regnete, eine Probebohrung gemacht – ganze zwei Zentimeter ist das Wasser eingedrungen.“ Mit dem jetzigen Regen rechnet er mit maximal vier bis fünf Zentimeter. „Wir haben bis in einen Meter Tiefe Trockenheit. Selbst Bäume mit längeren Wurzeln werfen jetzt schon die Blätter ab. Ich werde Ende der Woche nochmals bohren. Mal sehen, was dann rauskommt.“

Für den Raps und das Getreide der Agrargenossenschaft Forberge kam der Regen zu spät, so eine Mitarbeiterin. „Wir mussten eher anfangen zu dreschen, als in anderen Jahren. Das sehen wir leider auch an den Erträgen.“ Für den Mais, den das Landwirtschaftsunternehmen für seine Tiere anbaut, sei der Regen aber eine Wohltat gewesen. Beim Mais könne der späte Niederschlag noch was bewirken. Die Landwirte waren am nassen Dienstag schlecht zu erreichen. Das hat einen guten Grund: „Unsere Männer waren in den letzten Tagen durchgängig mit der Ernte beschäftigt, auch am Sonnabend und Sonntag. Wenn es regnet, können sie sich endlich mal eine Pause gönnen“, erklärt die Mitarbeiterin der Agrargenossenschaft Forberge.

Auch die Kleingärtner atmen auf. So wie Claus-Peter Prang, der einen Garten in der Riesaer Sparte „Am Reiter“ pflegt. „Schön, dass es endlich geregnet hat. Das wurde echt Zeit. Auch gut, dass es so gleichmäßig regnet und nicht alles auf einmal vom Himmel kommt.“ Einige der Himbeersträucher haben die Hitze jedoch nicht überstanden. Torsten Sittmann, Chef des Verbands der Gartenfreunde Riesa, ist verhalten optimistisch. „Der Regen hat den Durst unserer Pflanzen ein wenig gelöscht. Aber wenn es jetzt wieder so eine Trockenheit gibt, hat das nicht gereicht.“

Und, die Temperaturen sollen schon am Wochenende wieder ordentlich steigen, während ab spätestens Freitag die letzten Regenwolken verschwinden.

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