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Montag, 13.08.2018

Einsamer Kämpfer für Europa

Der Brite Andy Pardy hat eine verrückte Idee. Er fährt den Schriftzug „Stop Brexit“ durch ganz Europa ab.

Von Jochen Wittmann

Mithilfe eines GPS-Trackers will Andy Pardy die Buchstaben seiner Botschaft auf die Straßen Europas bringen.
Mithilfe eines GPS-Trackers will Andy Pardy die Buchstaben seiner Botschaft auf die Straßen Europas bringen.

© Quelle: Twitter/ConsultantRogue

Auch in Zeiten des Brexit gehen den Briten die Exzentriker nicht aus. Ein Brite macht jetzt seinem Ärger in ungewöhnlicher Form Luft. Andy Pardy hat seinen Job aufgegeben und sein Sparkonto geplündert, um ein Zeichen gegen den Austritt des Königreichs aus der EU zu setzen. Und das ganz wortwörtlich: Der 28-Jährige will in großen Lettern auf die Landkarte von Europa seine Botschaft schreiben: Stop Brexit.

Dazu fährt er mit seinem weißen VW-Transporter rund drei Monate lang durch 32 Länder, gut 30 000 Kilometer weit, um mithilfe eines GPS-Trackers die Buchstaben seines Statements auf die Straßen Europas zu zeichnen. Im Moment ist er gerade beim Buchstaben „p“ angelangt, ungefähr auf Höhe des Polarkreises zwischen Norwegen, Schweden und Finnland. Mitverfolgen lässt sich seine Route auf der Webseite therogueconsultant.com und auf Pardys Instagramm-Account.

Die Idee zu seiner Protestaktion bekam der IT-Berater, als er auf einer Jogging-App seine jüngste Laufstrecke überprüfte. Das kann man ja auch größer aufziehen, schoss ihm durch den Kopf. Er besorgte sich Landkarten und begann, seine Route zu planen. „Es ist der letzte Sommer, den wir in der EU sind“, meinte Pardy, „und ich wollte die Buchstaben von Stop Brexit mit all den Plätzen kombinieren, die ich unbedingt besuchen wollte.“ Im Juli fing er mit dem „S“ in Schottland an, irgendwann Ende Oktober wird er in Spanien seine Reise beenden.

„Ich weiß“, meint Pardy, „dass das nicht den Brexit stoppen wird. Aber ich will mich zu Wort melden und meine Meinung kundtun.“ Als Sohn eines britischen Soldaten in der Rheinarmee wuchs Pardy in Deutschland auf, hat später in Madrid gewohnt und die Vorzüge der Freizügigkeit in der EU genossen. „Es war eine große Erfahrung, und ich kenne eine Menge junger Leute, denen es genauso geht.“ Wer weiß, meint Pardy, ob das Reisen für Briten noch in dieser Weise möglich sein wird, wenn der Brexit Ende März 2019 erfolgt.

Die Geografie des Kontinents hat bedingt, dass Pardys Online-Tracker tatsächlich „Stop tixerB“ lesen wird, weil er das zweite Wort seiner Botschaft im Baltikum beginnen und rückwärts schreiben will. Auch wegen des Wetters hätte es mehr Sinn, in Estland mit dem „t“ anzufangen und Ende Oktober mit dem „B“ in Spanien aufzuhören, wenn es dort dann noch einigermaßen warm ist.

Für seine Aktion hat Andy Pardy seine Spargroschen geopfert. 6000 Pfund hat der gebrauchte VW-Transporter gekostet, rund 5000 Pfund hat er für die Reise selbst geplant. Eigentlich war das Geld als eine Anzahlung für eine Immobilie gedacht.

Vielleicht, sinniert der EU-Freund, würde es ihm ja irgendwann leid tun, einfach so seinen Job gekündigt zu haben. „Aber um ehrlich zu sein, wohl eher nicht.“ Denn die Reise, die er da unternimmt, sieht er als eine Gelegenheit, „den letzten Sommer in der EU zu genießen“. Auf Deutschland freut er sich schon, wo er den Buchstaben „e“ abfahren will. „Ich werde überhaupt eine Menge Zeit in Deutschland verbringen“, meint Pardy. „Und ich versuche, pünktlich zum Oktoberfest in München zu sein. Ich will ja auch Spaß haben auf dem Trip!“

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