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Donnerstag, 13.09.2018

Eine Show gegen den Müll

Ein Umweltprojekt der Unesco war zu Gast in Löbau. Schüler lernen Geld zu sparen und Lebensqualität zu gewinnen.

Von Markus van Appeldorn

Moderatorin Tamara Wittmann bei der REdUSE-Show in der Löbauer Blumenhalle mit Schülern der Pestalozzi-Oberschule.
Moderatorin Tamara Wittmann bei der REdUSE-Show in der Löbauer Blumenhalle mit Schülern der Pestalozzi-Oberschule.

© Rafael Sampedro

Löbau. Moderatorin Tamara Wittmann steht in der Blumenhalle vor einer großen Leinwand und rund 150 Schülern der Pestalozzi-Oberschule. Und sie redet von Jägern und Sammlern. Aber es geht hier am Mittwochmorgen nicht um Geschichtsunterricht. „3 Kilo Ressourcen täglich haben Jäger und Sammler verbraucht“, sagt Wittmann und blendet über zum nächsten Schaubild. Als unsere Vorfahren sesshaft wurden und Ackerbau und Viehzucht betrieben, waren es bereits 11 Kilo. Und das nächste Bild zeigt die heutige Konsumgesellschaft: 44 Kilo täglicher Ressourcenverbrauch. Wisst Ihr, warum wir das Konsumgesellschaft nennen“, fragt sie in die Runde. „Ein Mädchen zeigt auf: „Vielleicht weil es zuviel ist? Weil wir viel essen?“

Die kindliche Frage bringt das Problem auf den Punkt, das Tamara Wittmann den Schülern näher bringen möchte. „Ja“, antwortet sie dem Mädchen, „und diese 44 Kilo gelten nur für Europa. Weltweit sind es im Durchschnitt nur 27 Kilo Ressourcengebrauch pro Person.“ Tamara Wittmann ist Moderatorin des Unesco-Umweltbildungsprojekts „REdUSE“. Die Multivisionsschau machte am Mittwoch Station in Löbau. Zu Gast waren alle Schüler der Pestalozzi-Oberschule. Der Name der Kampagne ist ein Kunstwort, das sich aus dem englischen „reduce“ (reduzieren) und „reuse“ (wiederverwenden) zusammensetzt. Die Show soll die Schüler über den weltweiten Rohstoffverbrauch aufklären und ihnen helfen, Müll zu vermeiden.

Die Multivisions-Show erklärt Lebenszyklen von Produkten, klärt über den Rohstoffverbrauch bei deren Herstellung auf. „Jeder von euch hat heute sicher schon sehr viele nicht nachwachsende Rohstoffe gebraucht“, sagt Tamara Wittmann und die Kinder schauen fragend und die Moderatorin klärt sie auf: „In einem Handy sind 43 solcher Rohstoffe verarbeitet“, sagt sie. Und genau um einen sorgsamen Umgang mit diesen Rohstoffen gehe es beim nachhaltigen Umweltschutz.

Wittmanns Moderationskollege Jonas Laß erklärt den Schülern, warum auch Recycling nur bedingt eine umweltfreundliche Lösung ist. Er steht vor den Schülern und hält eine Kunststoff-Wasserflasche in die Höhe. „Am besten gehört so etwas ins Supermarktregal – und nicht gekauft“, sagt er, „Damit zieht man Euch das Geld aus der Tasche.“ Laß macht eine einfache Rechnung auf. Ab elf Cent koste ein Liter Wasser in der PET-Flasche im Handel. Das ist 55 mal teurer als ein Liter Leitungswasser. „Und Leitungswasser ist ein besser kontrolliertes Lebensmittel als jedes Mineralwasser“, sagt der Mediator und Konfliktberater. „Von zehn eingesammelten PET-Flaschen wird nur aus zweien eine neue“, erklärt er. Nachhaltiger Umweltschutz müsse daher auf Müllvermeidung setzen. Und wer sich eine wiederverwendbare Flasche daheim mit Wasser füllt, vermeide schon viel Müll.

„Die Schüler sollen sich als aktiver Teil einer Gesellschaft begreifen“, erklärt Jonas Laß das Konzept von „REdUSE“. „Wir wollen einen positiven Ansatz fördern: Ich bin leistungsfähig!“, erklärt er. Und hat für die Schüler eine klare Botschaft mitgebracht: „Es ist ein riskantes Spiel, das wir spielen“, sagt er mit Blick auf die weltweite Verschwendung von Ressourcen. „Eure Zukunft wird gestaltet von Leuten, die sie nicht erleben werden. Es ist eure Entscheidung, ob Ihr sie das machen lasst.“

Das Umwelt-Projekt predigt keinen Verzicht auf Komfort. „Ich gewinne durch Müllvermeidung sogar an Lebensqualität“, sagt Jonas Laß, „wenn mein Schrank voll ist mit lauter Klamotten, die ich nicht mehr anziehe – ist das dann Lebensqualität oder nervt mich das?“, fragt er. So wie Kleidung würden auch technische Geräte wie Smartphones oft nach recht kurzer Nutzung in irgendeiner Schublade landen. Die Umwelt-Kampagne will dabei ein anderes Denken unterstützen. „Wir müssen dahinkommen, dass wir nicht mehr sagen, der ist der Coolste, der das allerneueste Gerät hat, sondern der, der sagt, ich kann mein Gerät lange nutzen und kann sogar ein Handy reparieren.

Das Feedback der Schüler sei sehr gemischt, erklärt Jonas Laß. Oft bekomme er gesagt, das seien ja alles Dinge, die man eigentlich schon weiß. „Dennoch sind sie dankbar, dass wir es wieder mal in Erinnerung rufen“, sagt er. Auch Zweifel bekomme er zu hören, dass man selbst ja mit dem eigenen Handeln in der Masse nichts bewirken könne. Gerade deshalb aber sei es so wichtig, viele junge Menschen zu erreichen. Junge Menschen hätten zwar oft noch nicht das nötige Wissen zur Thematik, stünden ihr aber oft aufgeschlossener gegenüber als eine ältere Generation. „Eine Nachkriegsgeneration ist ja aufgewachsen mit der Denke ,Raus aus dem Verzichten müssen, rein ins Konsumieren dürfen‘“, sagt er. Diese Sozialisation habe sich aber in den letzten Jahren gewandelt.

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