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Montag, 13.08.2018

Eine Ottendorferin feierte jetzt den 100. Geburtstag

Großer Bahnhof war jetzt für Gertrud Hauke angesagt. Mit der Familie feierte sie ihr Jubiläum jetzt im Teichhaus.

Von Bernd Goldammer

Gertrud Hauke im Kreise ihrer Familie. Sie feierte jetzt ihren 100. Geburtstag.
Gertrud Hauke im Kreise ihrer Familie. Sie feierte jetzt ihren 100. Geburtstag.

© Bernd Goldammer

Ottendorf-Okrilla. Im Ottendorfer Teichhaus war jetzt wieder einmal eine besondere Familienfeier angesagt. Gertrud Hauke ist hundert geworden. Das wurde Ende der Vorwoche groß gefeiert. Selbstbestimmt lebt die Seniorin in ihrer Wohnung auf der Dresdner Straße. Ihre Familie, Nachbarn und eine Pflegefirma unterstützen sie dabei, so zu leben wie es sich die Hundertjährige schon immer gewohnt ist.

Die Ottendorferin hatte ein erfülltes Leben. Am 9. August 1918 kam sie als elftes Kind der Familie Liebscher zur Welt. Der Erste Weltkrieg lag bereits in den letzten Zügen. Den Zweiten Weltkrieg erlebte Gertrud Hauke als junge Frau. Diesmal starben noch mehr Ottendorfer. Und die Überlebenden hatten es auch nicht leicht. Gertrud Hauke hatte Glück. Sie lernte einen feschen Mann kennen, der aus dem Krieg zurückkehrte. Dabei verschlug es ihn nach Ottendorf. Und hier begegnete er seiner Gertrud. Und sie wussten: Das ist es! Und so kam es auch. 1946 wurde geheiratet. Das junge Ehepaar suchte eine Existenz. Friedrich Hauke hatte Friseur gelernt. Auf der Dresdner Straße 11 stand die Übergabe eines sehr gut geführten Geschäftes an. Gertruds Ehemann bewarb sich und bekam den Zuschlag. Die Freude war riesig. Es handelte sich um ein Geschäft mit edler Ausstattung. Marmortische, geschliffene Spiegel und vieles andere mehr. Die Haukes ließen daran nichts ändern. Noch während der aktiven Zeit reifte Haukes einzigartiger Salon zum Museum. Die Kundschaft liebte das. Sie kam vorwiegend aus dem Ottendorfer Umland. Und auch viele Ottendorfer Handwerker ließen sich hier alle 14 Tage die Haare schneiden. Fritz Hauke war gut mit ihnen vernetzt. Wenn etwas kaputt ging, gab es in seinem Freundeskreis jemanden, der die Lösung des Problems parat hatte. Dem Familienbetrieb half das, unabhängig zu bleiben. So wollte es das Ehepaar. Trotz vieler Angebote blieben sie eine private Firma.

Als sich erwies, dass die Einnahmen des Geschäftes nicht mehr ausreichten, um eine Familie zu ernähren, ging Gertrud Hauke im Ottendorfer Presswerk arbeiten. Im Dreischichtsystem wurden hier Plaste-Erzeugnisse hergestellt. Nach der Schicht ging es im Geschäft weiter, dessen gute Seele sie war.

Kein Ottendorfer musste mit ungepflegter Frisur zum Schwof ins Schwarze Ross gehen. Fritz Hauke war für seine Kunden da. Gertrud hielt ihm dafür den Rücken frei. Weit nach dem Renteneintrittsalter im Jahre 1995 blieb Haukes Geschäft für immer zu. Für das Interieur interessierte sich das Dresdner Landhaus. Haukes verschenkten es an das Museum. Gertrud Hauke war zufrieden damit.