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Mittwoch, 14.03.2018

Eine Oberregierungsrätin sieht rot

Eine 55-jährige Beamtin des Kultusministeriums soll einen Kontrolleur geschlagen haben.

Von Alexander Schneider

© dpa (Symbolfoto)

Hat sie oder hat sie nicht? Das ist die zentrale Frage in vielen Gerichtsverfahren. Seit Dienstag muss sich eine 55-jährige Oberregierungsrätin vor dem Amtsgericht Dresden verantworten, die sich im August 2016 auf dem Weg zur Arbeit in der Straßenbahn mit zwei Fahrkartenkontrolleuren angelegt haben soll. Laut Anklage hatte die Frau lediglich ein Kurzticket, als sie mit der Linie 13 vom Alaun- zum Sachsenplatz unterwegs war. Doch von Kontrolleuren angesprochen, habe sie nicht an der Haltestelle warten wollen, um ihre Personalien feststellen zu können. Sie habe um sich geschlagen und dabei einen Kontrolleur am Auge getroffen und den Mann mit dem Satz „Du impotentes Schwein“ beleidigt.

Die Angeklagte stellte die Sache jedoch anders dar. Sie habe am Rosa-Luxemburg-Platz aussteigen wollen. Dort unterrichte sie montags und freitags angehende Gymnasiallehrer. Die Kontrolleure hätten jedoch noch vor dem Aussteigen ihre Fahrkarte sehen wollen. Da sie ihr Ticket jedoch schon in ihre Tasche geworfen hat, habe sie es sehr lange suchen müssen – drei Haltestellen bis zum St.-Benno-Gymnasium. Schließlich sei es an der nächsten Haltestelle, dem Straßburger Platz, eskaliert. Sie sei wütend gewesen, sagte die Angeklagte, und habe sich von den Kontrolleuren ungerecht behandelt gefühlt: „Ich bereue das“. Nach dem Aussteigen habe ihr der Mann den Arm auf den Rücken verdreht. Das sei wegen eines noch nicht verheilten Schlüsselbeinbruchs sehr schmerzhaft gewesen. „Haben Sie den Mann geschlagen“, fragte Richter Rainer Garrelts. „Wie denn?“, entgegnete die Angeklagte.

Die Kontrolleurin sagte, sie hätten die Frau erst angesprochen, als sie schon zu weit gefahren sei. Die Schwarzfahrerin habe dann versucht zu flüchten, habe um sich geschlagen und um Hilfe gerufen. „Da sind viele Leute gekommen.“

Der Prozess muss fortgesetzt werden, weil der zweite Kontrolleur krank war. Die Angeklagte behauptete, er habe sie sexuell belästigt, als er sie festgehalten habe. Deswegen habe sie die derbe Ausdrucksweise gebraucht. Hat er? Man darf gespannt sein.

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