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Dienstag, 13.03.2018

Eine Milliarde Euro gegen den Verfall

Bei einer Tagung der AG Historische Städte hat Görlitz einige Vorzeige-Projekte präsentiert - und Lob eingeheimst. Gleichzeitig ging es aber auch um Sorgenkinder.

Untermarkt in der Görlitzer Altstadt.
Untermarkt in der Görlitzer Altstadt.

© Nikolai Schmidt

Görlitz. Seit Anfang der 1990er Jahre sind in die Sanierung von Görlitz etwa eine Milliarde Euro öffentliche und private Mittel geflossen. Diese Zahl nannte Bürgermeister Michael Wieler (parteilos), am Dienstag. „Es ist viel geschafft, doch 30 bis 40 Prozent der Bausubstanz wurden seit 1945 noch nicht gemacht. Da müssen wir jetzt agieren“, sagte er. Anlass war eine Tagung der AG Historische Städte, die sich über erfolgreiche Sanierungsprojekte in der Neiße-Stadt informierte. Dazu zählen die Altstadt, die Nikolaivorstadt und der Norden der Innenstadt.

Größtes Görlitzer Sorgenkind ist laut Wieler die westliche Gründerzeit-Stadt, wo 50 Prozent des Gebäudebestands unsaniert seien. Hier müsse darüber diskutiert werden, ob die teurere Variante - Sicherung statt Abriss - vertretbar sei, wenn dadurch die Substanz erhalten bleibe. Schließlich lebe Görlitz auch von der Geschlossenheit denkmalgeschützter Bauten, wie die historische Altstadt zeige. Dort wurden seit der Wende fast alle Gebäude generalüberholt.

Für die Sanierung und die Entwicklung des Gründerzeit-Viertels forderte der Bürgermeister die Ausweisung eines Sonderfördergebiets durch den Freistaat Sachsen. Die Kosten schätzte er auf nochmals rund 500 Millionen Euro. Görlitz setze unter anderem Maßstäbe bei der Nachnutzung von ortskernnahen Gewerbebrachen, lobte die AG-Vorsitzende und Lübecker Bausenatorin Joanna Glogau (parteilos).

Den Gästen wurde das Projekt für ein jugend- und soziokulturelles Zentrum vorgestellt. „Dieses Vorhaben zeigt auch, wie durch die Einbeziehung von Bürgern und Jugendlichen die Möglichkeit gegeben wird, sich mit einem Bauprojekt zu identifizieren. Das ist nicht nur ein Görlitzer Thema“, stellte Glogau fest. Der neue generationsübergreifende Treff soll in der Furnierhalle des früheren Waggonbau-Werks am Rande der Innenstadt entstehen, das Gesamtvorhaben 2019 abgeschlossen sein. (dpa)

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