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Donnerstag, 11.10.2018 Kommentar

Eine Frage des Gewissens

Die drei Dickhäuter sind das Aushängeschild des Circus Afrika. Dafür gibt es viel Kritik – zu Unrecht, sagt der Direktor. Stefan Lehmann über die Debatte um Elefanten im Zirkus.

SZ-Redakteur Stefan Lehmann
SZ-Redakteur Stefan Lehmann

© Lutz Weidler

Wer kann einschätzen, wie es im Inneren eines Zirkustieres aussieht? Die Mitglieder von Peta, die auf Anzeichen für erlittene Traumata verweisen? Oder der Zirkusdirektor, der die Elefanten seit Jahrzehnten kennt, jeden Tag unzählige Stunden mit ihnen verbringt? Beide Seiten haben in dieser Debatte ihre Argumente. Die Tierschützer, wenn sie auf die Haltungsbedingungen für Elefanten in Zirkus und Zoo verweisen, die niemals an die freie Wildbahn herankommen können. Aber auch der Zirkusdirektor, wenn er die Frage aufwirft, warum wir uns so sehr für drei Elefanten interessieren, während das Schicksal von Millionen Hühnern, Schweinen und Rindern den allermeisten von uns herzlich egal zu sein scheint. Derart emotionslos gesehen wäre der Zirkusbesuch eine Gewissensfrage, ähnlich der Entscheidung, kein Fleisch zu essen. Der Konsum bestimmt das Angebot. Rechtlich gesehen macht der Zirkus offenbar nichts falsch. Wer sich für Elefant, Tiger und Co. stark machen möchte, sollte sich deshalb vor allem für strengere Regelungen oder ein generelles Verbot von exotischen Tieren einsetzen, statt die Zirkusleute anzufeinden. Eine Gesetzesänderung mit Übergangszeit böte die Chance, den Tierschutz zu stärken, ohne die betroffenen Artisten von jetzt auf gleich in den Ruin zu treiben.

E-Mail an Stefan Lehmann

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