• Einstellungen
Mittwoch, 15.11.2017

Eine Badewanne für Fidelius

Simone und René Niemz haben es nicht leicht mit ihrer Großfamilie. Eine besondere Hilfsaktion erfreut sie sehr.

Von Carmen Schumann

Fürs Foto nehmen Thaddeus, Matteo und Fidelius (v.l.) ausnahmsweise mal bekleidet in der neuen Badewanne Platz. Besonders Fidelius liebt es, im Wasser zu planschen. René und Simone Niemz sind froh, dass sie dank der Hilfe verschiedener Firmen in ihrem Haus in Dubrauke jetzt ein modernes Bad haben.
Fürs Foto nehmen Thaddeus, Matteo und Fidelius (v.l.) ausnahmsweise mal bekleidet in der neuen Badewanne Platz. Besonders Fidelius liebt es, im Wasser zu planschen. René und Simone Niemz sind froh, dass sie dank der Hilfe verschiedener Firmen in ihrem Haus in Dubrauke jetzt ein modernes Bad haben.

© Carmen Schumann

Dubrauke. Den meisten Spaß mit der neuen Badewanne hat der kleine Fidelius. Das Wasser ist sein Element. Ist er einmal drin, will er gar nicht mehr raus. Obwohl der Anderthalbjährige klein und zierlich ist, steckt viel Kraft in ihm. Das war bei seiner Geburt noch nicht abzusehen. Er war ein Frühchen, musste per Kaiserschnitt geholt werden. Und auch die Diagnose der Ärzte, dass ihr Kind das Downsyndrom hat, war zunächst ein Schock für seine Eltern Simone und René Niemz.

Das Paar hat drei gemeinsame Söhne. Simone Niemz brachte außerdem zwei nun schon erwachsene Söhne mit in die Ehe. Nach der Geburt von Fidelius mussten die Älteren schon etwas zurückstecken. Denn natürlich braucht das Nesthäkchen besonders viel Fürsorge. Wegen seines Handicaps sind zahlreiche Arztbesuche nötig, auch spezielle physiotherapeutische Behandlungen. In Dresden gibt es zudem eine spezielle Beratungsstelle, an die sich Eltern wenden können, deren Kinder jenen Gendefekt aufweisen, den man auch Trisomie 21 nennt.

Seit 2007 baut die Familie ein kleines Haus in Dubrauke Stück für Stück um und aus. Den Tipp, sich dieses Hauses anzunehmen, bekamen Simone und René Niemz von René Niemz‘ Chef Jörg Flaton, der in Dubrauke eine Elektrofirma betreibt. Gebaut werden konnte immer nur dann, wenn gerade genügend Geld vorhanden war. Schwierig genug, wenn nur einer in der Familie verdient. Denn wegen der drei Kinder, die noch zu Hause sind, kann Simone Niemz noch nicht wieder arbeiten gehen. Die Erzieherin, die bis zur Geburt der Kinder in der Kita Wurschen tätig war, ist ja auch Mutter des mittlerweile neun Jahre alten Matteo und des vierjährigen Thaddeus.

Eine Freundin der Familie, Fidelius Patentante Christin König, die mittlerweile in Thüringen wohnt und ebenfalls ein Kind mit Down-Syndrom hat, wandte sich vor knapp einem Jahr an die Sächsische Zeitung, um auf das Schicksal der Familie aufmerksam zu machen. Nach der Veröffentlichung des Artikels in der SZ vom 1. Dezember 2016 kam tatsächlich eine Welle der Hilfsbereitschaft ins Rollen. „Etliche Bürger wollten uns eine Badewanne schenken“, sagt Simone Niemz. Doch das beste Angebot kam von der Firma Gottlöber aus Bautzen. Zusammen mit der Baufirma Kern bot die Heizungsbaufirma den kompletten Badausbau an.

Seit etwa vier Wochen ist das neue Bad nun fertig. Mit der Familie freut sich auch Sebastian Matschie von der Firma Gottlöber, bei dem alle Fäden zusammenliefen. „Als wir in der SZ den Artikel gelesen hatten, entschlossen wir uns spontan, der Familie zu helfen.“ Sebastian Matschie ging das Schicksal von Familie Niemz besonders nah, denn er hatte vor einigen Jahren selbst mit der schweren Krebs-Erkrankung seiner Tochter zu kämpfen, die glücklicherweise mittlerweile vollständig geheilt ist. „In einer solchen Situation ist man immer froh, wenn einem Hilfe zuteil wird“, sagt der Familienvater. Außerdem habe er René Niemz von verschiedenen gemeinsamen Bauvorhaben bereits gekannt.

Die Firma Gottlöber übernahm den Einbau der Heizung, der Badewanne, des Waschbeckens und des WCs in das verwinkelte Badezimmer. Die Baufirma Kern legte Estrich und Putz und übernahm die Fliesenlege- und die Trockenbau-Arbeiten. Mit ins Boot holten die Handwerksfirmen auch das Unternehmen Sächsische Haustechnik aus Klipphausen, welches das komplette Material zur Verfügung stellte. „Wir haben Hand in Hand gearbeitet“, sagt Sebastian Matschie. Die glücklichen Gesichter von Simone und René Niemz und ihrer Kinder seien für ihn der schönste Lohn.

Desktopversion des Artikels