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Montag, 17.09.2018

Ein Seenpark in Klein Partwitz

Ein 2017 gegründeter Förderkreis im Dorf hat Großes vor. Pläne wurden jetzt den Gemeinderäten erläutert.

Von Anja Wallner

Die Grafik zeigt die im Seenpark Klein Partwitz vorgesehenen Bauten und Ansiedlungen. Den Überleiter 7 am oberen Bildrand gibt es (noch) nicht, er ist zurückgestellt, aber zumindest geplant.Grafik: arteffective/Susann Möller
Die Grafik zeigt die im Seenpark Klein Partwitz vorgesehenen Bauten und Ansiedlungen. Den Überleiter 7 am oberen Bildrand gibt es (noch) nicht, er ist zurückgestellt, aber zumindest geplant.Grafik: arteffective/Susann Möller

Man müsste mal, man könnte mal…nein, in Klein Partwitz wird jetzt „gemacht“, hinsichtlich der Dorfgestaltung im Zusammenhang mit der Entwicklung des Sees – oder besser: der Seen, die an den Elsterheider Ortsteil grenzen. Engagierte Einwohner haben sich im vergangenen Jahr zum Partwitzer Förderkreis zusammengeschlossen (siehe Kasten). Dessen Vorsitzender Norbert Vogt stellte der Elsterheider Verwaltung und dem Gemeinderat jetzt den Verein, seine Ziele und das Grobkonzept eines großen Projekts vor.

Was ist der Hintergrund?

Für den Verein ist klar, dass Klein Partwitz touristische Kraft hat. Wer das rege Treiben in diesem Sommer am See beobachtet hat, wird dem zustimmen. Die Ausgangssituation ist gut: Es gibt ein weitestgehend naturbelassenes Umland, bereits vorhandene Infrastruktur, Übernachtungsmöglichkeiten, Gastronomie, den Reiterhof und erste touristische Strukturen. Der Verein möchte jedoch die touristische Entwicklung auch kritisch begleiten. Stichworte wären Verkehrsbelastung, Identitätsverlust oder auch die Einschränkung der Gewässerzugänglichkeit. Als Beispiel wurde das umzäunte Areal des künftigen „Gut Scado“genannt. Ein Problem sind Wildcamper. Einsetzen will man sich für ruhigen Tourismus, der auch über die Saison hinausgeht, und ein attraktives Angebot ohne Konkurrenz innerhalb der Orte im Seenland.

Welche Vorhaben will der Förderkreis umsetzen?

Hauptprojekt des Vereins ist der sogenannte „Partwitzer Seenpark“, der Dorf, angrenzendes Naturschutzgelände und die umliegenden Seen (Partwitzer, Blunoer, Neuwieser) einbezieht. Die Pläne sind ambitioniert: Wie Norbert Vogt erläuterte, sollen nördlich des Kanals Partwitz–Neuwiese (Überleiter 6) Bootshäuser (ohne Ferienwohnung!) entlang des Partwitzer-See-Ufers bis zum Groß-Partwitz-Denkmal entstehen. Auch entlang des Blunoer Südsees sind sie vorgesehen. Sie sollen „international“ aussehen, etwa wie die falunroten „Schwedenhäuschen“. Nördlich des Überleiters 6 sind ferner ein Wildtiergehege, ein Wein- und Obstanbaugebiet am Hang, Fischzucht, Anglerverein mit Gebäude, ein Tierstrand und ein Bootsanliegeplatz geplant. Das Ganze zieht sich bis hinauf zum jetzigen Strand, an den, wie Norbert Vogt betonte, dringend sanitäre Anlagen gehören. Im Dorf selbst will der Verein den vor sich hingammelnden alten Konsum neugestalten und hat dafür Fördermittel aus dem Topf zur ländlichen Entwicklung in Aussicht. Dort soll die Ortsteilbibliothek einziehen, außerdem – gemäß dem Wunsch älterer Einwohner – eine „Konsum-Ecke“, eine Art kleines Museum, sowie der Vereinsraum. Der Park erhält einen Wirtschaftshof am Ortsrand, der auch als Hexenbrennen-Platz dienen wird, eine Ablagefläche für Grünschnitt, Aussichtspunkte im Naturschutzgebiet sowie drei sogenannte Landmarken, die die Entwicklung des Dorfes – vom Bauern zum Bergmann zum Seemann – symbolisieren.

Der öffentlich zugängliche Park soll ein ruhiger Ort zum Spazieren und (geführten) Wandern werden, mit kleinen „Höhepunkten“ unterwegs, wie der Vereinschef sagte. „Ideen haben wir genug.“ Hierbei will man mit dem Naturschutzgroßprojekt (NGP) zusammenarbeiten; der Träger Lausitzer Seenland gGmbH steht dem positiv gegenüber. Gleiches gilt für den Reiterhof .

Welche Ausdehnung hat der Seenpark?

Das (möglichst umschiffbare) Projektgelände des Seenparks wird begrenzt von drei Seen und Kanälen (Partwitz–Neuwiese; Partwitz–Bluno; Bluno–Neuwiese) und schließt die Ortslage Klein Partwitz sowie einen Teil der NGP-Fläche ein. Der Parkumfang beträgt sieben Kilometer, die Fläche zwei Quadratkilometer. Die Wein- und Obstbaufläche soll 900 Meter Umfang haben (2,4 ha), die 30 Bootshäuser erstrecken sich auf insgesamt einen Kilometer. Der Wirtschaftshof soll 2,4 ha einnehmen. In dem Zusammenhang erkundigte sich Norbert Vogt nach dem Stand der Dinge beim Kanal Partwitz–Bluno, der auf den offiziellen Seenland-Infopunkten zumindest immer noch eingezeichnet ist.

Wer betreibt und finanziert den Seenpark?

Norbert Vogt erklärte, dass der Verein eine Plattform schaffen möchte für interessierte Geldgeber und Betreiber. Den Park selbst will der Verein selbst betreiben, finanziert durch die Bootshäuser und weitere kleine Einnahmequellen. Er betonte, dass der Verein selbst keine wirtschaftlichen Interessen hege. Zur Parkunterhaltung sollen Arbeitsplätze entstehen.

Wie denken die Klein Partwitzer über die Pläne?

Der Förderkreis hat sich bei Einwohnern, Unternehmen und den anderen Vereinen im Ort vorgestellt und eine Unterschriftenliste gesammelt. Nahezu alle Enwohner wurden nach Angaben von Norbert Vogt angetroffen und hätten ihr Wohlwollen hinsichtlich des Projekts signalisiert.

Was sagen Verwaltung und Gemeinderäte zum Konzept?

„Es ist eine herausragende Aufgabe, der Ihr Euch stellt und die bewältigt werden muss“, meinte Bürgermeister Dietmar Koark (CDU). Er sicherte die Unterstützung der Gemeinde bei dem Vorhaben zu, das zunächst eines Dorfentwicklungskonzepts (das die Gemeinde, wie berichtet, unabhängig davon ohnehin beauftragt hat) sowie umfangreicher Planungen und möglicherweise Änderungen an bereits feststehenden Planungen bedarf. „Auch wenn sich nur ein kleiner Teil verwirklichen lassen sollte, bedeutet das eine Attraktivitätssteigerung der Ortslage Klein Partwitz.“

Am Errichten sanitärer Anlagen am See sei die Gemeinde dran. Hinsichtlich des Überleiters 7 gebe es keine neuen Erkenntnisse. Wie es hieß, habe man das Vorhaben „am Köcheln“ gelassen, sich mit anderen Kommunen auch noch mal eine Machbarkeitsstudie auf den Tisch gezogen. Der Kanal ist zwar geplant, aber seitens des Landes finanziell auf Eis gelegt (TAGEBLATT berichtete).

Thomas Köhler aus Sabrodt und Roland Sängerlaub aus Geierswalde wünschten den Partwitzern gutes Gelingen und Durchhaltevermögen.