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Samstag, 15.09.2018

Ein schlechtes Jahr für den Weißstorch

Nur sechs Horste auf dem Gebiet des früheren Landkreises Bischofswerda waren besetzt. Mit Nachwuchs sieht es mau aus.

Es klapperte auch in diesem Jahr auf dem Dach des Kavalierhauses in der Rammenauer Barockanlage. Beim Nachwuchs gab es aber leider keinen Erfolg. Der eine Jungstorch, der geschlüpft war, überlebte nicht.
Es klapperte auch in diesem Jahr auf dem Dach des Kavalierhauses in der Rammenauer Barockanlage. Beim Nachwuchs gab es aber leider keinen Erfolg. Der eine Jungstorch, der geschlüpft war, überlebte nicht.

© Steffen Unger

Bischofswerda. Mit den Worten „ein traurig einstelliges Ergebnis“ kommentiert Mathias Hüsni die Anzahl der Jungstörche, die in diesem Jahr auf dem Gebiet des ehemaligen Kreises Bischofswerda flügge geworden sind. Wie der Burkauer und der Bischofswerdaer Ekkehard Hopf – beide engagieren sich seit Jahrzehnten als Bürger für den Schutz des Weißstorches – in ihrem jetzt veröffentlichten Jahresbericht mitteilen, konnten nur acht, eventuell auch neun Jungtiere zum Flug in den Süden starten. Nicht sicher sind sich die Artenschützer, ob es an der Bretniger Klinke zwei oder drei Jungstörche geschafft haben. Nach Beobachtungen von Anwohnern landete ein Nachzüglicher, der zuvor im Horst lange nicht zu sehen war, am Boden und konnte sich nicht mehr erheben, heißt es. Doch Genaues weiß man nicht. Deshalb setzen sie ein Fragezeichen hinter der diesjährigen Gesamtzahl – acht oder neun?

Nur sechs Nester in der Region Bischofswerda waren von Brutpaaren besetzt: in Bretnig, Bühlau, Frankenthal, Groß- und Kleinröhrsdorf sowie in Rammenau. Nur an vier Standorten überlebten die jungen Störche – außer in Bretnig war das in Bühlau, wo drei Vögel flügge wurden, sowie in Großröhrsdorf mit zwei Jungtieren und Kleinröhrsdorf mit einem. In Frankenthal und Rammenau überlebte der Storchen-Nachwuchs dagegen nicht.

„Wiederholt beobachten wir, dass Elterntiere nicht alle Jungtiere erfolgreich aufziehen können“, erklären dazu Ekkehard Hopf und Mathias Hüsni. Die Hauptgründe dafür sehen sie in einer intensiv genutzten bzw. übernutzten Landschaft, Monoackerkulturen, fehlendes Grünland und der Mangel an Feuchtgebieten. Erschwerend kam in diesem Jahr die Trockenheit hinzu. Mit acht oder neun Jungtieren setzt sich der Trend vergangener Jahre beim Storchennachwuchs in der Region Bischofswerda fort. Im vergangenen Jahr überlebten elf Jungtiere, was Hoffnung gab; im Jahr 2016 waren es nur acht. Positiv aus der Bilanz der vergangenen zehn Jahre ragt das Jahr 2015 heraus. Damals registrierten Ekkehard holt und Mathias Hüsni 17 Störche, die flügge wurden.

Chancen durch Öko-Landwirtschaft

Von einst 15 Storchennestern zwischen Kleinröhrsdorf und Putzkau sind seit Jahren nur noch wenige besetzt. Obwohl es Bemühungen gab und gibt, den Großvögeln zum Teil neue Nisthilfen anzubieten. Zum Beispiel in der Bischofswerdaer Wallgasse. Der dortige Horst ist zum Bedauern vieler Stadtbewohner seit Jahren, wenn überhaupt, nur kurzzeitig Zwischenlandeplatz für einen Storch.

Neue Nester als Ersatz für weggefallene entstanden auch am Burkauer Bad sowie in Großdrebnitz nahe des einstigen Agrarflug- und späteren Modellflugplatzes. Auch diese Standorte blieben in diesem Jahr unbesetzt. Mathias Hüsni mahnt zur Geduld und warnt davor, vorschnell ein Urteil zu fällen: Es sei doch gut, wenn der Mensch den Störchen eine Nisthilfe anbietet. Es könne viele Jahre dauern, bis die Tiere diese auch annehmen, sagt er.

Positiv bewerten die Storchenschützer die Umstellung des Großdrebnitzer Agrarbetriebes auf Öko-Produktion. Dadurch erhalte der Weißstorch eine neue Chance. „Seit circa 20 Jahren sieht mensch in der ganzen Region endlich wieder Rindermuttis mit ihren Kälbern auf den Weiden“, heißt es dazu im Jahresbericht der Arbeitsgruppe Weißstorchenschutz für den Altkreis Bischofswerda. (SZ/ir)